PorträtRené Benko - der Wunderwuzzi

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Der Konzern

Wer die Signa-Zentrale in Wien besucht, übersieht leicht ihren Eingang. Er versteckt sich hinter dem Portal des barocken Palais Harrach, in dem Benko eine Etage gemietet hat. Drinnen: Stuck, Kronleuchter, knarzende Holzbohlen. In der Schaltzentrale wirkt Benkos Milliardenimperium wie ein mittelgroßes Start-up. Der Gründer hält viel von schlanken Strukturen: In der gesamten Immobiliensparte seiner Gruppe arbeiten gerade einmal 250 Leute. „Wir sind viel schneller als börsennotierte Firmen und Fonds“, heißt es bei Signa. „Bis die entschieden haben, haben wir schon gekauft.“

Wie Benko zupackt, zeigt sich spätestens 2007 am Beispiel des „Goldenen Quartiers“: 43.000 Quadratmeter in bester Wiener Lage. Die Verkäufer sind zwei Banken, die in der anrollenden Finanzkrise dringend Geld brauchen. Während die Mitbieter die Institute als Mieter behalten wollen, erkennt Benko das wahre Geschäft: Er bietet den Banken Geld, wenn sie ausziehen.

Für 270 Mio. Euro erhält er den Zuschlag, für 200 Mio. Euro lässt er die zwei Häuser renovieren. Aus einem macht er das Nobelhotel Park Hyatt, die anderen Flächen vermietet er an Luxusmarken wie Louis Vuitton oder Brioni. Binnen kurzer Zeit vervierfacht er die Mieteinnahmen beider Objekte auf mehr als 30 Mio. Euro. Heute nähert sich der Wert der Immobilien der Milliardengrenze.

Nach dem „Goldenen Quartier“ folgen weitere Deals Schlag auf Schlag, verstärkt auch in Deutschland. In mehreren Schritten übernimmt Signa Karstadt-Anteile, entwickelt Bürotürme in Wien, gewinnt zuletzt die Ausschreibung für den Elbtower in Hamburg. Allein 2017 pumpt die Firmengruppe mehr als 2 Mrd. Euro in neue Immobilienprojekte, die sie in der Regel je zur Hälfte aus Eigenkapital und Bankkrediten finanziert. Erstmals verkauft Signa auch in größerem Stil Objekte, darunter mehrere Bürogebäude in Wien für rund 1 Mrd. Euro. Wie es in internen Unterlagen heißt, war Signa 2017 bei etwa zehn Prozent aller Immobiliendeals in Deutschland und Österreich involviert.

Obwohl Benkos Unternehmen ein Gigant ist, tickt es bis heute sehr eigen. Bei Signa gebe es einen „Korpsgeist“, sagt ein enger Benko-Vertrauter. Meetings werden mitunter für sechs Uhr morgens angesetzt, Mittdreißiger steuern Projekte mit dreistelligem Millionenvolumen. Wer das Unternehmen verlässt, redet später nicht darüber. „Signa ist das Branchenzugpferd“, sagt ein Wiener Insider. „Niemand will es sich mit Benko verscherzen.“ Offene Worte hört man deshalb höchstens anonym. Manche bezeichnen Benko als Kontrollfreak. Obwohl er erst 41 sei, agiere er wie ein alter Firmenpatriarch. Benko kenne „jede Zahl“ im Unternehmen, bis hin zum Umsatz pro Quadratmeter einer Karstadt-Provinzfiliale.

Dabei hat der Gründer im Tagesgeschäft seines Konzerns gar keine Funktion mehr, seit er sich 2013 in den Beirat der Signa-Dachgesellschaft zurückgezogen hat. Einige Monate zuvor hatte er seine Bewährungsstrafe wegen der versuchten Schmiergeldzahlung in Italien kassiert. Obwohl er sich bis heute als unschuldig bezeichnet, gab Benko den Chefposten ab und übernahm den Beiratsvorsitz. An den Verhältnissen im Konzern mit seinem schwer durchschaubaren Firmengeflecht änderte dies wenig. Als „Chairman“, wie sich Benko auf Englisch nennt, laufen weiter alle Fäden bei ihm zusammen.

Nach wie vor ist er über seine Familienstiftung mit 85 Prozent auch größter Anteilseigner der Signa Holding. Weitere zehn Prozent gehören Ex-Lindt-Chef Tanner, der Rest Fressnapf-Milliardär Toeller. 2017 kam der Konzern über alle Teile der Gruppe auf eine Bilanzsumme von 12 Mrd. Euro und einen Nachsteuergewinn von 1,1 Mrd. Euro.