ExklusivPR für Heinsberg-Studie: Streeck und Laschet gehen in Deckung

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Allerdings finden sich in der 22-seitigen Storymachine-Präsentation auch Zitate, die Streeck zugeschrieben werden und die später auch über seinen persönlichen Twitter-Account verbreitet wurden. In dem Konzept seien Aussagen des Wissenschaftlers aufgegriffen worden, die er bereits in der Vergangenheit getätigt habe, noch bevor es überhaupt einen Kontakt zu Storymachine gegeben habe, betont die Agentur.

In einem Interview mit dem „Bonner General-Anzeiger“ Ende Mai sagte Streeck wiederum, er habe der Agentur erlaubt, mit dem Heinsberg-Protokoll „Forschung live“ zu zeigen, da sehe er nichts Falsches dran. Der Slogan „Forschung live – Hoffnung live“ findet sich auch in großen Buchstaben auf einer Seite des PR-Konzepts, das von Storymachine an mögliche Sponsoren verschickt wurde, dazu ein Foto von Streeck, das offensichtlich in einer Videoschalte mit dem Wissenschaftler entstanden ist. Dabei fällt ein Hintergrundbild auf dem Laptop auf, mit dem der Screenshot aufgenommen wurde: Es ist das gleiche Foto einer Laborsituation, das auch als Deckblatt für die Storymachine-Präsentation dient. Das legt nahe, dass es während der Arbeiten an dem Konzept einen direkten Kontakt zwischen der PR-Firma und Streeck gegeben haben muss. Auf die Frage, ob die Inhalte und Grundzüge der Kommunikationsstrategie von Storymachine auf Gespräche zurückgehen, die er mit Vertretern der Agentur geführt hat, ging der Virologe nicht konkret ein. Er beließ es bei der Feststellung, die Strategie sei ihm „nicht bekannt“.

Darüber hinaus gab Streeck auch an, erst im Nachhinein aus der Presse davon erfahren zu haben, dass Storymachine zur Finanzierung der Öffentlichkeitsarbeit auch auf die Unterstützung privater Sponsoren zurückgegriffen hat. „Mir hat man gesagt, dass die Begleitung ,pro bono‘ durchgeführt wird“, sagte der Studienleiter. Von den Sponsoren habe er erst „während der Arbeit erfahren“ – nachdem Storymachine-Mitgründer Philipp Jessen am 9. April im Branchendienst „Meedia“ erwähnt hatte, dass das PR-Projekt von „Partnern“ unterstützt wird. Jessen hatte im April auf Capital-Anfrage mitgeteilt, „selbstverständlich“ habe man Streeck „während der Erstellung des Heinsberg-Protokolls informiert, dass wir mit Partnern zusammenarbeiten, die einen Teil der Kosten übernehmen“.

Zu diesem Widerspruch und auf die Frage, wie er die finanzielle Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit durch Unternehmen bewerte, erklärte Stree­­­ck: „Es ist die innere Angelegenheit der Agentur, wie sie ihre Finanzierung regelt.“ Allerdings führte das Vorgehen im Ergebnis dazu, dass Streeck die Leitung des Bonner Universitätsklinikums (UKB), an dem sein Institut für Virologie angesiedelt ist, Anfang April lediglich über einen Teil der Unterstützung von Partnern aus der Privatwirtschaft mit möglichen eigenen Interessen informierte – nämlich über die kostenlosen Sachleistungen von Storymachine­, die für das Heinsberg-Protokoll insgesamt zehn Mitarbeiter abgestellt hat, vier davon in Gangelt. Da es um eine temporäre Hilfe „ohne finanzielle Abmachung“ gegangen sei, habe der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums „keinen Grund für Einwände“ gehabt, teilte eine UKB-Sprecherin auf Anfrage mit. Von der „Einbeziehung von privaten Unternehmen als Sponsoren“ habe der Ärztliche Direktor keine Kenntnis gehabt.

Knapp 80.000 Euro vom Land NRW

Auch im Abschlussbericht zur Heinsberg-Studie, den die Forscher auch auf einem Preprint-Server zur Begutachtung durch ihre Kollegen bereitgestellt haben, spielen die Geldgeber für die Öffentlichkeitsarbeit zur Studie keine Rolle. Dort verweisen die Autoren um Streeck unter dem Punkt „Funding“ nur auf die Mittel der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die in die Forschungsarbeit selbst geflossen sind. Nach offiziellen Angaben der Landesregierung ging es dabei um 65.315 Euro aus dem Etat des Gesundheitsministeriums – allerdings 65.315 Euro zuzüglich Umsatzsteuer, wie interne Dokumente aus dem Ministerium belegen, die dem „Stern“ und Capital vorliegen.

Demnach belief sich der direkte Landeszuschuss auf 77.724 Euro, finanziert wurden damit das Testmaterial und die in Gangelt eingesetzten 20 studentischen Hilfskräfte. Insgesamt bezifferte Streeck die Kosten der Studie auf rund eine Viertelmillion Euro. Die Finanzierung sei zu etwa drei Vierteln aus Forschungsmitteln der beteiligten Institute des Uniklinikums und zu einem Viertel durch die Landesregierung erfolgt, teilte er mit.

Auf einem anderen Blatt stehen demnach die Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit, deren genaue Höhe unbekannt ist. Nimmt man den Beitrag der beiden Sponsoren in Höhe von 30.000 Euro und die Aussage von Storymachine-Chef Jessen, wonach die Agentur „den Großteil der Kosten“ selbst getragen habe, lässt sich aber festhalten: Die Gesamtausgaben der Privatwirtschaft für das PR-Projekt dürften mindestens auf dem Niveau des Landeszuschusses von 65.000 Euro netto für die Studie selbst liegen.