PorträtRené Benko - der Wunderwuzzi

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Benko-Freunde Ernst Gusenbauer (l.) und der österreichische Kanzler Kurz (r.)
Benko-Freunde Alfred Gusenbauer (l.) und der österreichische Kanzler Sebastian Kurz (r.) (Foto: dpa)

Dabei wäre Benko das Projekt fast um die Ohren geflogen. Er ist 27 Jahre alt, als er das kurz vor der Insolvenz stehende Tyrol kauft. Banken und Projektentwickler haben sich zuvor die Zähne daran ausgebissen, alle warnen Benko. Als dann auch noch der damalige Landeshauptmann die gesamte Maria-Theresien-Straße unter Ensembleschutz stellt, droht Benkos Plänen das Aus.

Zum Retter sei damals Alfred Gusenbauer geworden, erzählt Benko beim Auftritt in Berlin. Der SPÖ-Politiker, den er zu seinen „engen Freunden“ zählt, steigt Anfang 2007 zum Bundeskanzler auf. Man habe das Projekt so „einbetten“ können, dass es für den Landeshauptmann „akzeptabel“ gewesen sei, erzählt Gusenbauer in seinem Wiener Altkanzlerbüro, auf dessen Schreibtisch ein Aschenbecher mit Bundesadler steht. Schon wenige Monate, nachdem er Ende 2008 das Bundeskanzleramt verlässt, übernimmt Gusenbauer bei Signa ein Beiratsmandat. Damals, sagt er, sei der Konzern noch eine „relativ kleine, aber aufstrebende Firma“ gewesen. Der Altkanzler wird einer der ersten aus der Wiener Topliga, die Benko in seinen Dunstkreis lockt.

Der Freundeskreis

„Gusenbauer ist für Benko ein wichtiger Querverbinder“, sagt ein Wiener Politikinsider. Mithilfe des Altkanzlers baut Benko ein Netzwerk auf, wie es in Deutschland kaum vorstellbar wäre. Es umfasst Spitzenpolitiker, Konzernchefs, Stars: vom Strabag-Tycoon Hans Peter Haselsteiner über die Formel-1-Legende Niki Lauda und den Ex-Lindt-Chef Ernst Tanner bis hin zu DJ Ötzi. Auch mit dem heutigen Bundeskanzler Sebastian Kurz ist Benko natürlich befreundet. Kürzlich war Benko mit dem Kanzler auch auf offizieller Reise in Abu Dhabi – und nahm seine 15-jährige Tochter mit.

Gerne zeigt Benko sich großzügig. Für Fahrten von einer Baleareninsel zur anderen bietet er Freunden seine 60-Meter-Yacht an, manche dürfen seinen Privatjet nutzen, andere im 38 Mio. Euro teuren Chalet N in Vorarlberg wohnen, dem edelsten Resort der Alpen. Firma und Freunde verschmelzen bei Benko zu einem Boys-Netzwerk, sagt einer seiner Vertrauten. Man kennt sich, man hilft sich – und macht Geschäfte miteinander, die nicht immer heutigen Compliance-Standards genügen.

Einige Selfmade-Unternehmer aus Benkos Privatzirkel haben Geld bei Signa investiert: neben Lauda, Haselsteiner und Tanner etwa der Topberater Roland Berger, Fressnapf-Gründer Torsten Toeller oder der zweitreichste Österreicher Johann Graf, der den Glücksspielkonzern Novomatic aufgebaut hat. Auch Altkanzler Gusenbauer hat bei Signa angelegt. Nur Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der 2011 einstieg, schied 2017 im Streit wieder aus.

Benko ticke ähnlich wie er selbst, sagt Signa-Investor Lauda, der Anteile an der Immobilientochter Prime Selection und der Karstadt-Dachgesellschaft Signa Retail hält. „Er ist ein Zahlenfuchs, unglaublich tief im Detail.“ Noch wichtiger: „Alles, was Benko zugesagt hat, hat er übertroffen.“ Rechnet er seine Dividenden und die Wertsteigerungen seiner Anteile zusammen, hat Lauda zuletzt im Schnitt eine jährliche Rendite von 18 bis 20 Prozent eingefahren.

„Benko versteht es, die Leute bei Laune zu halten“, sagt ein anderer Investor. Auch hat sich der Signa-Gründer zuletzt bemüht, zwielichtige Partner loszuwerden. Von Beny Steinmetz etwa, dem Diamantenschürfer, der mit einem zweifelhaften Rohstoffdeal in Guinea aufgeflogen ist, trennte er sich Anfang 2015 – aus „Reputationsgründen“, aber freundschaftlich, wie Berater Gusenbauer sagt. Vor Kurzem kaufte Benko auch die Falcon Bank aus dem Investorenkreis heraus. Der Signa-Gründer habe die „obskure Phase umstrittener Geschäftspartner und -praktiken“ hinter sich gelassen, sagt Thomas Roeb, Professor der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, der Signa bei einzelnen Projekten beraten hat.

Auch der ehemalige Postbank-Vorstand Harald Christ findet, dass sich Benko verändert hat. Christ bewegt sich seit einiger Zeit in Benkos Zirkel. Zur Übernahme eines Postens im Firmenimperium ließ er sich jedoch erst Anfang des Jahres überreden, er sitzt nun im Beirat von Signas Retailtochter. „Benko ist reifer geworden“, sagt er. Christ soll Benko helfen, sein Netzwerk in Deutschland auszubauen – denn hier fehlen ihm bislang noch gute Freunde.