KolumnePennystock Commerzbank

Bernd Ziesemer© Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Im Frühjahr 2013 kam der Vorstand der Commerzbank auf eine geniale Idee. Die Aktie des Kreditinstituts war seit ihrem Allzeithoch von 35,50 Euro ins Bodenlose gefallen und damals gerade noch etwas mehr als einen Euro wert. Da sich weitere schlechte Nachrichten für die Bank und damit weitere Kursrückschläge absehen ließen, machte unter Aktionären bereits das böse Wort vom künftigen „Pennystock“ Commerzbank die Runde.

Aktien mit einem Kurswert von weniger als einem Euro gelten als unseriöse Zockerpapiere. Windige Spekulanten treiben sie mit billigen Tricks mal hoch, mal runter. Um diesem Schicksal zu entgehen, legte die Bank am 23. April 2013 zehn Aktien zu einer neuen zusammen. Optisch sprang der Kurs so von 1,04 Euro auf 10,40 Euro, das Thema Pennystock war erledigt.

Das Problem ist nur: Die Aktie der Commerzbank verhält sich bis heute trotzdem wie ein Pennystock. Kaum ein anderes Dax-30-Papier verbucht so heftige Kursaufschläge, kaum ein anderes eignet sich so gut für kurzfristige Spekulationen von Tag zu Tag. Am letzten Mittwoch rauschte der Kurs der Commerzbank mal wieder um fast zehn Prozent nach unten – auf 7 Euro. Eigentlich also auf 70 Cent, wäre der Vorstand der Commerzbank vor drei Jahren nicht so schlau gewesen, zehn Aktien zu einer Aktie zusammenzulegen.

Ständiger Kampf gegen die drohende Pleite

Für eine Langfristbetrachtung der Commerzbankaktie sind die wilden Schwankungen im Tagesrhythmus allerdings so gut wie bedeutungslos. Wer sich einen Zehnjahreschart anschaut, dem drängt sich ein eindeutiger Eindruck auf: Seit 2012 ähnelt der Kursverlauf der Aktie dem Elektroenzephalogramm eines Gehirntoten. Und dieses fatale Diagramm spiegelt leider die Wirklichkeit der Commerzbank wieder.

Commerzbank Aktie

Commerzbank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Unter Martin Blessing kämpfte das Institut in den letzten Jahren eigentlich nur permanent gegen die drohende Pleite an. Die Altlasten der Vergangenheit hätten die Bank schlicht erdrückt, wenn die Aktionäre nicht immer wieder neues Kapital in die Bilanz gepumpt hätten. Sicherlich bemühte sich der Vorstand redlich, die Flut der Probleme anzugehen. Man baute die Bank ohne Unterlass um. Das Sparregime galt in Permanenz. Mal wurde in einem Bereich herumgeschraubt, dann in einem anderen. Doch noch immer verfügt die Bank nicht über eine wirklich solide Zukunftsperspektive. In ihrer schieren Verzweiflung ging die Commerzbank immer wieder Geschäfte ein, die ihr etwas später auf die Füße fielen. In der letzten Woche enthüllte das „Handelsblatt“ das große Rad, das Blessing und seine Kollegen beim Dividenden-Stripping drehen. Diese Praxis ist zwar bisher nicht ausdrücklich verboten, gilt aber sehr wohl als extrem unfein – und gefährlich.

In der Branche gilt der Spruch: Wann immer irgendwo ein Kredit wackelt oder ein Deal platzt – die Commerzbank ist mit ziemlicher Sicherheit dabei. Im Geschäft mit privaten Kunden, aus dem Blessings Nachfolger Martin Zielke kommt, kaufte sich die Bank in den vergangenen Jahren mit umstrittenen Werbemaßnahmen Kunden. Eine nachhaltige Strategie sähe auch dort irgendwie anders aus. Und diese mangelnde Nachhaltigkeit im gesamten Geschäftsgebaren der Commerzbank sorgt immer wieder für Nachrichten, mit denen niemand vorher rechnet. Spekulanten lieben das, Kleinanleger sollten eine derartige Aktie tunlichst meiden.