AnalyseOpel-Sanierung - Tavares nächster Coup?

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Einsparungen bei Opel schwer durchsetzbar

Einige Analysten und viele Branchen-Insider sind der Meinung, dass nur einer in der Lage ist, den Turnaround zu schaffen: Tavares. Er bewahrte PSA 2014 vor dem Kollaps und brachte den Konzern zurück in die Gewinnzone, in dem er Arbeitsplätze abbaute, Löhne einfror und unprofitable Modelle strich. In diesem Jahr wird das Unternehmen zum ersten Mal seit 2011 wieder eine Dividende zahlen.

Aber andere sagen, dass die Wiederbelebung eines zugekauften Geschäftsbereiches viel härter sein wird als die Verbesserungen bei PSA, zum Teil, weil der europäische Automarkt nicht viel weiter wachsen kann. Jede Abschwächung der Nachfrage wird angesichts der PSA-Überkapazitäten von Kopfschmerzen zu einer kritischen Frage.

Auch sind Kosteneinsparungen durch die Stärke der Gewerkschaften in Deutschland und Großbritannien schwer durchsetzbar. Tavares wird sich mit ihnen auseinandersetzen müssen wenn er die Lohnrechnung drücken will. Die britische und die deutsche Regierung werden einen wachsamen Blick auf den Deal halten.

Zwei Drittel der 38.000 Opel-Mitarbeiter sind in Deutschland beschäftigt, obwohl dort nur ein Viertel der Autos produziert wird. Sofortige Betriebsschließungen hat Tavares ausgeschlossen und versprochen, sich an bestehende Arbeitsplatzgarantien zu halten. „Das macht es sehr hart“, sagt eine mit den Kosteneinsparungen bei dem Deal vertraute Person.

GM hatte es eilig

Die Einsparungen müssen daher bei Beschaffung und Produktentwicklung ansetzen – und führen möglicherweise zur Produktion von Opel-Fahrzeugen auf PSA-Bändern, so dass Autos auf den gleichen Montagelinien hergestellt werden können. Analyst Pearson von Exane BNP schätzt den Umfang der Einsparungen bei der Beschaffung auf 1,2 Mrd. Euro, 400 Mio. Euro bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung und weitere 400 Mio. Euro durch den Abbau von Arbeitsplätzen. Allerdings wurden einige der Einsparungen bereits im Rahmen eines Joint Ventures beim Einkauf realisiert, das 2012 gebildet wurde.

Ein weiteres kritisches Thema für PSA ist die Entwicklung einer neuen Reihe von erschwinglichen Elektrofahrzeugen, um strenge neue EU-Emissionsregeln zu erfüllen. Peugeots eigene Elektrotechnologie wird erst 2019 auf den Markt kommen, bis dahin ist das Unternehmen auf von GM lizensierte Batteriesysteme angewiesen.

Klar ist, dass das langfristige Ziel Tavares mit dem Deal – Opel-Fahrzeuge auf solchen Märkten weltweit zu verkaufen, auf denen Peugeot und Citroën sich nicht durchgesetzt haben – abhängig ist von der Beseitigung von Problemen bei seinem Neuerwerb. Die Tatsache, dass es GM so eilig hatte Opel abzustoßen und bereit war, einen Kaufpreis von 1,3 Mrd. Euro zu akzeptieren und auch noch die Pensionslasten von 10 Mrd. Dollar zu behalten, zeigt, wie groß die Herausforderung sein wird.

Copyright The Financial Times Limited 2017