PodcastDeutschlandchef von Novartis Pharma: „Es gibt versteckte Pandemien“

Novartis-Deutschlandchef Thomas Lang sieht die Veränderungen der Pharmabranche positiv
Novartis-Deutschlandchef Thomas Lang sieht die Veränderungen der Pharmabranche positivdpa

Anderthalb Jahre nach Beginn der Coronapandemie ist die Pharmaindustrie kaum wiederzuerkennen: Im Rennen um das Covid-19-Vakzin konnten sich kleine Player wie Biontech behaupten – während große Konzerne manchmal auf das falsche Pferd setzten. Diese Erfahrung musste auch Novartis, 2020 das drittgrößte Pharmaunternehmen, mit dem Impfstoff-Kandidaten des Tübinger Biotechunternehmens Curevac machen.
Neben Biontech kündigte der Schweizer Pharma-Riese im Frühjahr an, auch Curevac bei der Impfstoffproduktion zu unterstützen. Mitte Oktober zogen die Tübinger ihren Impfstoffkandidaten allerdings wegen schlechter Studienergebnisse zurück.

Die Veränderungen, die durch die Pandemie in der Pharmaindustrie Einzug gehalten haben, bewertet Thomas Lang, Deutschlandchef von Novartis Pharma, trotzdem als positiv. „Durch die gegenwärtige Situation haben sich eine ganze Reihe von neuen Möglichkeiten und auch Partnerschaften ergeben“, sagt er im Podcast „Die Stunde Null“.

Ein Beispiel dafür: Laut früheren Prognosen sollte der erste Covid-Impfstoff im Sommer 2021 zur Verfügung stehen. „Wir alle haben gesehen, dass das Ganze dann durch eine historische Kraftanstrengung und die Zusammenarbeit von vielen Partnern im Gesundheitssystem sehr viel schneller vonstattengegangen ist“, so Lang.

„Starke Allianzen“ für die Zukunft nötig

Für die Pharmaindustrie endet der Kampf gegen Covid-19 und die Pandemie nicht bei der Vakzinherstellung. Stattdessen arbeite man auch an „direkt antiviralen Substanzen, und Substanzen gegen die sogenannte akute Phase der Erkrankung, wo es darum geht, die überschießende Entzündung, Reaktionen und Immunreaktion in den Griff zu bekommen“, erklärt Lang. Auch in diesem Feld der Pandemiebekämpfung gäbe es eine intensive Zusammenarbeit: „Weltweit gibt es 260 Impfprogramme und über 500 Projekte für Therapeutika“, sagt Lang.

Diese Kooperation und Anstrengung könnten auch in Zukunft dabei helfen, im Kampf gegen andere schwere Krankheiten besser voranzukommen, so etwa bei Krebs. Parallel zu Covid-19 gebe es außerdem „versteckte Pandemien“, sagt Lang. Dazu zählten etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie stellten in Europa die häufigste Todesursache dar, noch vor Krebserkrankungen, sagt Lang. In Deutschland sei sogar fast jeder dritte Todesfall darauf zurückzuführen. Da Covid-19 sich auch auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt, werden diese Erkrankungen in den nächsten Jahren noch an Bedeutung gewinnen. Auch dagegen werden also die Pharmaunternehmen „starke Allianzen bilden“ müssen.

Hören Sie außerdem in der neuen Folge von „Die Stunde Null“:

  • Was die nächsten medizinischen Ausbrüche sein könnten
  • Wie die Arbeitsweise der Novartis-Mitarbeiter sich in der Pandemie verändert hat
  • Ob Lang von Mallorca aus arbeiten darf

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