GasstreitRussland vs. USA: der geopolitische Kampf um Nord Stream 2

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„Wir rechnen Spitz auf Knopf“, sagt Uniper-Projektleiter Niels Fenzl. Ziel sei es, ein „möglichst effizientes Projekt“ zu planen und wirtschaftlich „möglichst nahe an den schwarzen Bereich heranzukommen“. Als Anschub seien dennoch Fördermittel nötig.

In Wilhelmshaven wird daher viel getan, um die Kosten zu drücken. Es ist keine Anlage an Land geplant, sondern ein schwimmender Terminal an der bereits bestehenden Seebrücke – laut Fenzl die „wirtschaftlichste und schnellste Lösung“. Das Flüssiggas kann an Bord von Spezialschiffen, sogenannten Floating Storage and Regasification Units (FSRU), wieder in den gasförmigen Zustand gebracht und dann über Rohre direkt ins Netz gepumpt werden – ohne aufwendige Tanks zur Speicherung, die bei einem herkömmlichen Terminal den größten Kostenblock ausmachen.

Darüber hinaus hat sich Uniper für das Projekt mit einem Partner zusammengetan, der einen Großteil des Investitionsbedarfs übernimmt. Die japanische Reederei MOL soll das rund 300 Mio. Euro teure Terminalschiff finanzieren und betreiben. Uniper sieht seine Aufgabe vor allem darin, das Projekt zu entwickeln. Mit dem US-Energiekonzern Exxon Mobil wurde bereits ein Vorvertrag für LNG-Lieferungen geschlossen. Denkbar ist zudem, dass auch der weltgrößte Flüssiggasexporteur Katar einsteigt. Entsprechende Signale sandte der katarische Botschafter in Berlin, als er Ende November mit einer Delegation zu Besuch in Wilhelmshaven war.

Der russisch-amerikanische Kampf um den europäischen Gasmarkt ist noch nicht entschieden. Trump und seine Regierung sehen die Gasfrage als Teil ihres großen Handelsstreits und fordern die Europäer bei jedem Treffen auf, mehr bei ihnen zu kaufen. Moskau und Gazprom hingegen setzen eher da rauf, einfach Fakten zu schaffen. Eine Pipeline, die einmal liegt, muss ja irgendwie genutzt werden. Ob sich die Anlagen wirtschaftlich kurzfristig rechnen, ist dabei zweitrangig – man denkt eher in Jahrzehnten.

Noch ist nicht klar, welche Methode am Ende besser funktionieren wird: das diskrete Politikernetzwerk der Russen oder der unverhüllte Druck der USA. Bei Nord Stream jedenfalls glauben sie, dass die Attacken der Amerikaner eher kontraproduktiv sind, und verweisen darauf, dass laut Umfragen eine Mehrheit der Deutschen Nord Stream 2 schon heute für richtig halte. „Noch eine Dosis Grenell und eine halbe Dosis Trump“, sagt ein Mitarbeiter, „dann haben wir hier eine Zustimmung von 100 Prozent“.

Der Beitrag ist in Capital 04/2019 erschienen.