KolumneNische oder Systemrelevanz: Wird Libra ausgebremst?

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Manche erwarten daher ein neues Ökosystem aus Bezahlverfahren und rechtssicherer in dem sich künftig immer mehr Finanzdienstleistungen wiederfinden (WeChat aus Asien lässt grüßen). Dazu könnten neben verschiedenen Formen der Zahlungsabwicklung auch die Geldanlage und die Aufnahme von Krediten gehören.

Regulatoren bremsen Libra

Selten zuvor haben in so kurzer Zeit so viele Politiker, Notenbanker und Aufseher ausführlich Stellung zu einer technologischen Ankündigung genommen (eine Auswahl findet sich hier und hier im Handelsblatt sowie hier im BitcoinBlog). Das dürfte nicht nur an den sehr bekannten Partnern der Libra Association (darunter Paypal, Mastercard, Visa, Spotify, Uber und Booking) liegen. Manche wie zum Beispiel der Bankenverband befürchten, Libra könne die Souveränität einzelner nationaler Währungen bzw. der Euro-Geldpolitik untergraben.

Das Bundesfinanzministerium soll gar ein Risiko für die staatliche Hoheitsgewalt sehen. US-Demokraten wollen gar große Technologie-Konzerne ganz davon abhalten, Finanzdienstleistungen anzubieten.

Wenn massiv inländischen Zahlungen und Einlagen zu Libra abwandern und sogar Kredite in dem digitalen Token aufgenommen werden können, kann ein dadurch entstehendes Finanz-Ökosystem auf Libra-Basis nicht nur die Geschäftsmodelle und Planungen der Banken verändern, sondern auch viele Fintech-Start-ups und Blockchain-Initiativen bedrohen. Manche hoffen daher, Regulatoren oder Gesetzgeber würden diesen neuen Finanzkreislauf verhindern oder zumindest beschränken. Offen ist ebenfalls wie im Detail die hohen Regulierungsstandards in Bezug auf Geldwäsche, KYC (know your customer) und gegebenenfalls Einlagen- und Wertpapierregulierung erfüllt werden.

Facebook möchte die bestehende Finanzmarktregulierung nicht umgehen, stellte David Marcus, Chef der Payment und Blockchainaktivitäten von Facebook, vor dem US-Senat Mitte Juli fest. Allerdings musste Marcus auch in der Befragung einräumen, dass man noch nicht wisse, welche der vielen Vorgaben zahlreicher nationaler und internationaler Behörden einzuhalten seien. Es habe aber bereits erste Gespräche mit Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern gegeben. Möglich ist aber, dass Facebook und die anderen Unternehmen die Wucht der staatlichen und sich derzeit in den USA, Europa und Asien formierenden Bedenken unterschätzt hat. Die rechtlichen Beschränkungen haben zum Beispiel in Indien dazu geführt, dass Libra dort vorerst nicht verwendet werden kann.