InterviewNigel Shadbolt: Keine Angst vor Künstlicher Intelligenz

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Infrastruktur startet ja manchmal privat und wird dann öffentlich, etwa bei frühen Bahnstrecken.

Oder anders rum… etwa im Vereinigten Königreich. Nicht immer zu unserem Vorteil, würde ich sagen. Wer sollte sie besitzen? Das ist eine wichtige Diskussion: Qualität der Dienstleistung, Vertrauen, Investment – wer streicht die Gewinne ein.

Sollte KI nicht von privaten Unternehmen entwickelt werden, wenn sie mehr als ein Werkzeug sein soll?

Interessanter Punkt. Man redet ernsthaft über „souveräne KI“. Ist KI aus verschiedenen Einflussbereichen unterschiedlich hinsichtlich der fundamentalen Werten, die in sie eingebaut werden? Könnte sie das aufgrund ihres privaten oder öffentlichen Hintergrundes sein? Das sind wesentliche Fragen. Man sieht das ja an dem Beispiel Wikipedia: Hohe Qualität, öffentliches Gemeineigentum, mit vielen Autoren, hoher Nutzen – komplett dem traditionellen Gewinnmodell entgegengesetzt.

Was halten Sie von der Angst, dass Arbeitsplätze von Robotern übernommen werden könnten?

Das ist einfach Teil der langen Geschichte der Ausbreitung der Automatisierung. Wir waren glücklich, dass wir in den letzten Jahrhunderten viele Formen körperlicher Arbeit automatisieren konnten. Jedes Mal hat es uns der Zugewinn an Produktivität und Wohlstand erlaubt, Gesellschaften neu zu organisieren, manchmal gerechter. Als wir Universitäten und Bildungseinrichtungen aufbauten, war ein Großteil davon Ergebnis des Wohlstands aus der industriellen Revolution. Bessere Gesundheitsversorgung und Bezahlung. Ein fundamentaler Kalkül des Kapitalismus ist, dass Konsum und Produktion einander ausgleichen müssen. Jemand muss am Ende des Fließbandes stehen und das Produkt kaufen, mit Geld oder irgendeiner Art von Wohlstand. Tatsächlich verlagern die Menschen ihre Fähigkeiten und Kräfte auf ganz neuartige Tätigkeiten: Spielshow-Moderatoren, Leute, die Bälle herumkicken. Wir werden in der Zukunft riesige Mengen an Pflegeaufwand benötigen. Oder Tourismus, die Freizeitindustrie. Soweit man das sehen kann, sind wir in einer Phase der Jobentstehung, nicht der Jobvernichtung.