Interview„Niemand weiß, wie die Arbeitswelt in 20 Jahren aussieht“

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Kann Nachhaltigkeit überhaupt ohne Mehrkosten für die allgemeine Bevölkerung betrieben werden?

Das glaube ich pauschal gerechnet nicht. Im Einzelfall kann diese berühmte Win-win-Situation natürlich vorkommen. Aber jede Produktion hat im Sinne von Natur- oder Tierverträglichkeit etc. einen Preis. Ich vermisse hierüber eine Diskussion zum Beispiel bei der Energiewende. Niemand hat die Frage gestellt, wie viel wert uns eine nachhaltige Energieversorgung sein sollte.

Ist das nicht teilweise durch das Angebot verschiedener Energieversorger in Puncto Strommix bereits geschehen und transparenter geworden?

Das ist wahr, im Energiebereich hat sich auch im Rahmen der Energiewende viel getan. Viele Menschen sind nicht mehr nur Kunden, sondern auch Einspeiser im Sinne von Windgenossenschaften oder Solarstrom. Außerdem gibt es heute mehr Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Anbietern. Der Digitalbereich sieht demgegenüber ganz schlecht aus.

Sind Monopole hier ein Problem?

Definitiv, außerdem gibt es leider eine Dynamik, die der Digitalisierung quasi eingeschrieben ist. Nehmen wir Google: Es gibt durchaus alternative Suchmaschinen, aber die sind einfach nicht so gut. Warum sind sie nicht so gut? Weil sie nicht so viele Daten haben. Google war der Erste und hat viele Daten gesammelt. Das hat eine Eigendynamik erzeugt.

Sie meinen eine Art Schneeballsystem?

So ist es. Google bringt die besten Suchergebnisse und deswegen gehen noch mehr Leute zu Google und liefern noch mehr Daten. Da ist eine „wunderbare“ Eigendynamik gelaufen, die wie auf natürliche Weise zum Monopol geführt hat und das macht es natürlich für Konkurrenten sehr schwer.