Interview„Niemand weiß, wie die Arbeitswelt in 20 Jahren aussieht“

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Der wäre?

Nehmen Sie den Lebensmittelmarkt: Es gibt eine riesige Auswahl, Verbraucherinformationen und Qualitätssiegel. In der digitalen Welt fehlt etwas Vergleichbares.

Inwiefern?

Wir haben als Endnutzer praktisch keine Möglichkeit, uns zu informieren, was mit unseren Daten im Hintergrund passiert. Wir haben auch keine besondere Auswahl, sind insgesamt in einer schlechten Position und müssen diese Dienstleistungen im Prinzip so nehmen wie sie angeboten werden.

Was schlagen Sie vor?

Wir sollten an die Konsumentenautonomie rangehen, dafür ist es notwendig, dass sich hier, wie bei den Lebensmitteln, ein Bewusstsein der Verbraucher ausbildet. Auf die Digitalwelt wird noch zu wenig Druck ausgeübt und der kann nur von den Konsumenten aufgebaut werden.

Könnte dieses mangelnde Bewusstsein daher rühren, dass die Digitalisierung erst langsam in der Politik als Thema ankommt?

Ich bin kein Politikverächter, immerhin hat die Bundesregierung mit der KI-Strategie und dem Digitalgipfel Aufmerksamkeit auf dieses Feld gelenkt. Ich würde mir insgesamt, aber ein flotteres Vorgehen wünschen. Im Moment läuft es noch ein wenig zäh.

Sie sprachen zuvor von Konsumentenautonomie im Lebensmittelbereich. Kommen wir zum Thema Nachhaltigkeit. Ist der Dosenpfand nachhaltig?

(lacht) Das müsste man einmal ausrechnen, etwa über die Ökobilanzierung. Der Dosenpfand dürfte jedenfalls nachhaltiger sein als der Acht-Cent-Bierflaschenpfand, der ist gemessen am Aufwand geradezu ein Witz. Ich wäre in Bezug auf den Dosenpfand gar nicht so pessimistisch. Vermutlich kommt das ganz ordentlich aus. Außerdem darf man sich über saubere Straßen freuen.

Sind Nachhaltigkeit und Kapitalismus zwei Konzepte, die grundsätzlich nicht miteinander in Einklang zu bringen sind?

Diese Frage wird in der Nachhaltigkeitsforschung wieder verstärkt gestellt. Wenn es weiter Wachstum gibt, dann muss es von erhöhtem Ressourcenverbrauch abgekoppelt werden. Das ist im Energiebereich annähernd gelungen. Der Energieverbrauch stagniert in Deutschland seit 10-15 Jahren obwohl die Wirtschaft wächst.