Interview„Niemand weiß, wie die Arbeitswelt in 20 Jahren aussieht“

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In ihrem Buch sprechen Sie über disruptive Innovation und das Beispiel der Insolvenz von Kodak infolge von Digitalkameras, die den Markt übernommen haben. Welches etablierte Geschäftsmodell wird als nächstes von der Digitalisierung bedroht werden?

Ich nehme die Sorgen um die deutsche Autoindustrie zur Kenntnis. Es gibt die Befürchtung, dass aus China oder aus dem Silicon Valley Geschäftsmodelle auftauchen, wie das autonom fahrende Auto zum Beispiel, die der deutschen Autoindustrie das Wasser abgraben. Hier wäre ein ganz neues Konzept, welches das traditionelle deutsche Geschäft erheblich bedrohen könnte.

Gibt es eine technologische Entwicklung, die Sie durchweg positiv sehen?

Sehr Vieles ist für mich ganz überwiegend positiv. Die Digitalisierung in der Medizin zum Beispiel, bei der man über die Big Data Technologien die Datenbasis für bestimmte Diagnosen dramatisch verbessern kann. Die Möglichkeiten der weltweiten Kommunikation, die schon seit 20 Jahren quasi „state of the art“ sind, finde ich ebenfalls großartig.

Ist es hinsichtlich der Digitalisierung in der Medizin nicht ein Problem, wenn der Datenschutz versagt?

Dieses Problem gibt es ja in allen Bereichen der Digitalisierung. Wir hinterlassen unsere elektronischen Spuren überall. Das ist natürlich auch im medizinischen Bereich der Fall. Deshalb kommt dem Schutz der Privatheit eine zentrale Bedeutung zu. Das halte ich auch für wichtig, um die Demokratie zu erhalten. Der Mensch braucht seine Schutzräume, er will nicht Manipulation und Kontrolle unterliegen.

Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um die Datensicherheit zu gewährleisten? Reicht das neue Datenschutzgesetz der EU?

Viele schimpfen ja über das neue Datenschutzgesetz der EU. Dennoch ist es schon der richtige Weg. Konzerne, die in Europa Geld verdienen wollen, müssen sich nach unseren Regeln richten, das ist eigentlich selbstverständlich. Die Richtung stimmt also. Es gibt aber einen großen Punkt, wo wir noch relativ am Anfang stehen.