SpielzeugbrancheDie Business-Story hinter Playmobil

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Pferde mit roten Hufen – nicht alle in der Branche können das so produzieren
Pferde mit roten Hufen – nicht alle in der Branche können das so produzieren (Foto: D. Delang)

„Das ist wie ein Aufsichtsrat“, so beschreibt der Chef die Rolle des Beirats, dem Albert vorsitzt. Dann lädt er ein, mal mitzukommen, hinauf in den abgeschlossenen Flur der Unternehmensleitung. Das riesige Direktionszimmer des Patriarchen wurde nach dessen Tod renoviert. Die einstige Herrlichkeit lebt hier fort. An seinem Platz steht ein großer Tisch für die Beiratsvorsitzende. Und mit Abstand gegenüber einer für Höpfner. Der ist etwas kleiner.

Und dann geht die Tür auf. Marianne Albert kommt herein, klein, herzlich und mit fränkischem Zungenschlag. Sie trägt Glitzershirt und graue Strickjacke, die goldene Uhr wirkt fast schon auffällig. Auf ihrem Tisch stehen ein paar Buddhas und eine metallene Oscar-Figur, an der Wand lehnt eine blau-gelbe Stoffpuppe, in die ein Foto mit dem Gesicht von Horst Brandstätter eingearbeitet ist. „Was wollts ihr denn mit meiner Figur?“, fragt Albert lachend, als sie sieht, dass man sich gerade mit dem Ausstellungsstück beschäftigt. Rasch aber verabschiedet die 60-Jährige sich dann wieder ins Nebenbüro, wo sie gerade mit einem der Vorstände über einem Papier hockt.

Höpfner sagt, es komme nicht von ungefähr, dass er und sie sich das Zimmer teilen: „Wir kennen uns extrem lange, die Frau Albert kennt das Unternehmen – dieser Austausch findet da tagtäglich statt.“ So lebt das Dynastische in gewisser Weise fort, auch wenn Brandstätter nicht wollte, dass seine Söhne sein Werk fortführen. Auch Höpfner ist kein normaler angestellter Manager: Es dürfte den Kummer des Conny Brandstätter nicht lindern, dass der heutige Chef sein Cousin ist – Sohn des Bruders seiner Mutter. Es ist eine kleine Welt in Franken.

Höpfner stieg erstmals 1993 bei Playmobil ein, verdingte sich aber zwischendurch als Berater bei der Consultingfirma CSC Ploenzke. Es hat ihn geprägt. Bei CSC predigte damals Managementguru Jürgen Fuchs die Prinzipien, die Höpfner heute bei Playmobil hochhält. Einmal etwa malt Höpfner im Gespräch eine Pyramide auf Papier, oben die Chefs, unten der Markt. Dann kippt er sie um 90 Grad – die Chefs sind jetzt die Unterstützer der Marktbearbeiter. „Der klassische CEO hat ausgedient“, sagt Höpfner. „Schluss mit Hierarchie“, fügt er an, „die Führungskraft als Enabler.“ Die Idee kommt von Fuchs. „Wir wollten damals weg vom Führen als Machtausübung“, sagt Fuchs heute. Er weiß, dass Höpfner das alles aufgesogen hat. Dessen Pläne bei Playmobil kommentiert Fuchs vorsichtig: „Das ist nicht ganz trivial.“

Die Gegensätze bei Playmobil sind bis heute riesig. Auf der einen Seite der Ruf als verschlossene Firma. Bei der IG Metall ist von willkürlichen Abmahnungen, Schikanen und juristischen Dauerfehden mit Betriebsräten die Rede. Auf der anderen Seite Höpfner in der HOB-Ecke, der eine neue Welt predigt.

Beschäftigt die Firma ihr schlechter Ruf als Arbeitgeber, der sich etwa in den Bewertungen auf Karriereforen spiegelt? „Das ist nicht schön, es tut auch weh, aber ich habe ein ganz anderes Bild von uns“, sagt Höpfner. „Wir sind in einem Change-Prozess, da wird es immer auch Unzufriedene geben.“ Er glaubt, dass Angst vor Veränderung das Entscheidende ist. „Aber wenn wir diesen Weg jetzt beschreiten, dann werden wir hoffentlich zu einem richtigen Anziehungspunkt.“

 


Der Beitrag ist in Capital 07/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay