SpielzeugbrancheDie Business-Story hinter Playmobil

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Firmenpatriarch Horst Brandstätter starb 2015
Firmenpatriarch Horst Brandstätter starb 2015 (Foto: dpa)

Brandstätter, Jahrgang 1933, war von Krieg und Einsamkeit geprägt. In den Fünfzigern übernahm er das vom Großvater gegründete Unternehmen, das lange Allerweltsspielzeug herstellte. Als ein Tüftler in seinem Haus die ersten Playmobil-Figuren entwarf und Brandstätter sie 1974 auf die Nürnberger Spielzeugmesse brachte, war er praktisch pleite. Niemand wollte die Männchen, bis ein holländischer Großhändler zugriff. Der Rest ist Geschichte.

Dort, wo die Playmobil-Welten auch heute noch entstehen, hängt der Geruch von schmelzendem Plastik in der Luft. Vor der Halle des Stammwerks in Dietenhofen stehen turmhohe Silos, in denen das Granulat des Kunststoffs ABS auf Weiterverarbeitung wartet. Drinnen werfen vollautomatische Spritzgussmaschinen im Takt fertige Teile aus: Hier ein Pferd mit glutroten Hufen, dort eine millimeterkurze Zahnbürste. Das größte Prunkstück ist die Maschine für die Babyfigur. „Sechs verschiedene Materialien, vier Teile in 30 Sekunden, vier Produktionsstufen – dann ist der kleine Prinz da“, schwärmt Produktionsleiter Rudi Grebner. Nur die Beine fehlen dann noch, die werden im Werk auf Malta gefertigt.

Playmobil verdankt seinen Erfolg nicht nur der Idee, die Umwelt zum Spiel zu machen. Sondern auch der Produktionsqualität, die mit Perfektionismus vorangetrieben wurde. In Dietenhofen kann man das heute noch verfolgen: Maschinen, die Kunststoff in mehreren Farben zugleich spritzen, die Teile aus unterschiedlichen Kunststoffen auswerfen, die Autos und Hubschrauber so bedrucken, dass die Schrift auch nach Jahren nicht verblasst. Bei solchen Techniken war Brandstätter lange führend, sodass sogar Experten aus der Autobranche in das Werk pilgerten.

Schwierige Nachfolge

Als Brandstätter älter wurde, machten sich viele Gedanken über die Zukunft von Playmobil. Conny, jetzt 63, einer von zwei Söhnen, betrachtet sich heute weiterhin als legitimer Erbe und hadert mit der Entwicklung der Firma. Doch nach einem Zusammenprall im Jahr 2011 musste er sie verlassen. Der HOB entwarf schon vorher ein Stiftungsmodell und verkündete, nie wieder solle ein Brandstätter reich sein. Als eine Art Kronprinzessin schien Andrea Schauer gesetzt, Vorsitzende der Geschäftsführung. Doch kurz vor Brandstätters Tod ging sie. Um die Gründe ranken sich Gerüchte, offiziell waren es gesundheitliche Motive.

Zeitgleich vollzog sich der Aufstieg der Marianne Albert. Die Fürtherin war in den 90er-Jahren als Chefsekretärin zu Brandstätter gekommen und blieb sein Mädchen für alles. Dann tauchte sie in Brandstätters Testament vom November 2008 auf. „Marianne Albert war mir immer ein treuer Helfer“, schrieb er dort. „Sie kennt meine Einstellung zur Firma.“ Daher versprach er ihr eine Altersrente von 1000 Euro monatlich. Und sie solle künftig „mitentscheiden, was in den Stiftungsräten entschieden wird“. Zudem sollte sie „ihre derzeit in der Firma ausgeübten Funktionen“ – etwa den Posten als Assistentin des Chefs – bis zur Pensionierung behalten. Drei Jahre später wurde das Testament noch einmal zu ihren Gunsten korrigiert. Nun wurde ihr unter anderem der Posten als Leiterin Personalwesen zugesprochen.

Nach dem Tod Brandstätters wuchs bei Mitarbeitern allerdings der Eindruck, Albert sei Alleinherrscherin geworden. Auf einem neuen Organigramm, das im Foyer ausgehängt wurde, stand Alberts Name gleich dreimal an erster Stelle in der neuen Führungshierarchie, vor allem im Unternehmensbeirat der Firma, dem mächtigsten Gremium. Der Zettel wurde bald wieder abgehängt. Der Einfluss der neuen Herrin blieb.

Die Position, die Marianne Albert einnahm, hat damals einige überrascht. Schlag auf Schlag verließen alte Top-Manager das Haus. „Natürlich mussten wir uns nach dem Tod vom Herrn Brandstätter erst ein bisschen sortieren“, gibt Höpfner beim Gespräch in der HOB-Ecke zu. Er selbst rückte aus dem Beirat an die operative Spitze.