GastbeitragWas der Pyramidenbau für den Wohnungsmarkt lehrt

Symbolfoto: Häuser mit Solarzellen auf den Dächern.
Symbolfoto: Häuser mit Solarzellen auf den Dächern.Unsplash

Derzeit bringen Ausgrabungen im bosnischen Visoko, wo Forscher die ersten europäischen Pyramiden unter bewaldeten Hügeln vermuten, die Wissenschaft ins Wanken: Gab es hier wirklich vor 30.000 Jahren schon Pyramiden? Und von wem, wie und warum wurden sie errichtet? Das weltweit größte fachgebietsübergreifende Archäologieprojekt geht verschiedenen Theorien nach, die etwa Kommunikationszwecke oder Energieerzeugung für möglich halten. Fakt ist: Der Pyramidenbau – ob in Ägypten oder im heutigen Bosnien – wirkte einst disruptiv auf das Leben seiner Anrainer. Er veränderte den Alltag der Menschen, brachte Neuerungen wie Bewässerungssysteme mit sich und schuf damit neue Perspektiven für Arbeit und Leben.

Disruption wirkt erschütternd, aber gleichzeitig auch bewegend. Im Silicon Valley gilt sie als wesentlicher Grund, Ideen weiterzuverfolgen. Bedingung: Sie muss im Kern Lösungen für ein diagnostiziertes Störfeld bieten. So ersetzt im Tal der umwälzenden Ideen Uber das herkömmliche Taxi, Netflix löst schon lange die Videothek ab, autonomes Fahren optimiert Verkehrsflüsse und schenkt Freiheit. Die Zukunft hat im Silicon Valley längst begonnen.

Dienten vermutete Pyramiden der Energieerzeugung?

Im Tal von Visoko hält man es für möglich, dass hier Pyramiden entstanden, um durch das Zusammenwirken von Formen und Energiefeldern Energie zu erzeugen – als leistungsstarke Quelle sauberer Energie für eine antike Zivilisation. Auch wenn heute nicht nur Gras, sondern ganze Wälder über den geheimnisvollen Anlagen nahe Sarajevo gewachsen sind und mit der mutmaßlichen Hochkultur auch der mögliche Nutzen des Baus unterging, zählt die Frage der sauberen, unerschöpflichen Energieversorgung noch immer zu den zentralen Fragen der Menschheit. Und Energieautarkie scheint die passende Antwort zu sein.

Mit der Produktion von Elektroautos, Solardachziegeln und Stromspeichern strebt Tesla derzeit die autarke Versorgung von Verbrauchern an. Dabei hat die Disruption für Hauseigentümer, Mieter, Vermieter und Energieversorgungsunternehmen hierzulande bereits begonnen. Seit 2013 stehen im sächsischen Freiberg Wohnhäuser, die sich weitestgehend selbst mit Strom und Wärme dank Solarenergie versorgen und darüber hinaus eine hauseigene Tankstelle für Elektroautos speisen. In Kürze sind die ersten energieautarken Mehrfamilienhäuser in Cottbus und Wilhelmshaven bezugsfertig.

Energieautarkie und Flatrate-Wohnen

Mit dem Konzept der Energieautarkie werden Häuser künftig vom reinen Energieverbraucher zum Energieerzeuger. Sie produzieren solare Energieüberschüsse, die sie für lange Zeit zwischenspeichern und sogar weiteren Nutzern zur Verfügung stellen können. Damit entscheidet nicht länger die Kostenfrage über das Ausmaß unserer Energienutzung. Selbsterzeugte Heizkraft und Strom mit Hilfe des kostenlosen und krisensicheren Rohstoffs Sonne sichert uns künftig Kostenfreiheit zu. Das ermöglicht eine interessante Disruption auf dem Wohnungsmarkt: das Flatrate-Wohnen.

Erstmals ist eine feste Pauschalmiete inklusive aller Energiekosten realisierbar, die sogar die Kosten für E-Mobilität enthalten kann. Konfliktschwangere Neben- und Betriebskostenabrechnungen bleiben damit Mietern wie Vermietern künftig erspart. Dieses Störfeld zwischen Kunde und Anbieter dürfte dank des disruptiven Ansatzes der Energieautarkie gelöst sein. Zudem lädt die langfristig feste Pauschalmiete zur längeren Verweildauer von Mietern ein, das bedeutet neben der Kostensicherheit für Mieter deutlich weniger Verwaltungsaufwand für Vermieter.