MittelstandDer Fonds der Top-Manager

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Die Zeit drängt

Wundermaschine: Teil einer Fertigungsstraße für Verpackungen im Werk des schwäbischen Mittelständlers Hinterkopf
Wundermaschine: Teil einer Fertigungsstraße für Verpackungen im Werk des schwäbischen Mittelständlers Hinterkopf

Rogowski drehte in dem Unternehmen jeden Stein um, wälzte Papiere, sprach mit Mitarbeitern, kroch unter Maschinen, um zu klären, welche Perspektiven die Firma hat. „Das hat mich sehr beeindruckt“, sagt Hinterkopf. Die meisten Banker hätten keinen Fuß in die Hallen gesetzt. Endlich war da jemand, mit dem Hinterkopf vertrauensvoll reden konnte, bei dem er „keine Falle“ vermutete. Auch Rogowski war schnell überzeugt, dass Hinterkopf Geld aus dem Fonds bekommen sollte. Er vertraute auf die Fähigkeiten des Unternehmers, war von Produkt und Strategie beeindruckt. Doch er musste noch das Investorengremium überzeugen.

Für Hinterkopf drängte die Zeit. Seine Maschinen kosten 2 bis 10 Mio. Euro, und im Zuge der Finanzkrise verschoben viele Unternehmen solche Investitionen lieber in die Zukunft. „Statt 20 Rechnungen im Jahr schrieb ich plötzlich keine einzige mehr“, erinnert sich der Maschinenbauer. Er schickte Mitarbeiter in Kurzarbeit, strich ihnen das Weihnachtsgeld. Gleichzeitig begannen seine unterbeschäftigten Ingenieure zu tüfteln, entwickelten einen Prototyp für eine neue digitale Druckmaschine. Hinterkopf wollte investieren.

Sechs Jahre ist es nun her, dass Alexander Hinterkopf der erste Kunde von Rantum Capital wurde. Mehr als 1 Mio. Euro überwies ihm der Mittelstandsfonds, zu Zinsen von über zehn Prozent – nicht billig, doch für Hinterkopf günstig. Als „sparsamer Schwabe“ habe er sich das vorher „genau ausgerechnet“. Wegen der Finanzspritze erhöhten auch die Hausbanken ihre Kredite, zudem verlangten sie nur noch ein Drittel der früheren Zinsen. „Der Einstieg war ein Glücksfall“, sagt Hinterkopf.

Er sieht Rogowski an, der gerade zu Besuch in Eislingen ist und wissen will, ob aus „dem Auftrag mit dem Japaner“ schon was geworden ist. „Noch nicht“, sagt Hinterkopf, der ansonsten bestens mit Aufträgen eingedeckt ist. 2018, sagt er, werde ein außergewöhnlich gutes Jahr, die Investition habe sich ausgezahlt.

Minimiertes Risiko

Zwei Fonds hat Rantum Capital mittlerweile aufgelegt. Die 125 Mio. Euro aus dem ersten sind verteilt, im zweiten stecken 300 Mio. Euro, von denen ein Drittel vergeben ist. Notheis betont, dass Rantum auf Fremdkapital verzichtet, um das Risiko zu minimieren. Das Kapital des Fonds steckt in rund einem Dutzend Firmen, darunter etwa das Medizin-unternehmen Cheplapharm oder der Personaldienstleister Argo-Gruppe. „Wir finanzieren wachstumsstarke Mittelstandsunternehmen mit sehr hohem Kapitalbedarf in Sondersituationen“, erklärt Notheis. Typisch sind Investitionen in neue Technologien oder Generationswechsel, bei denen Familienmitglieder ausbezahlt werden müssen. Auch Firmenübernahmen finanziert der Fonds mit – er stieg etwa ein, als Deutschlands größter Sushiproduzent Natsu Foods den größten niederländischen Sandwichproduzenten Qizini kaufte. Manchmal fragen auch Banken an, ob der Fonds mitfinanziert, bevor sie selbst Kredite vergeben.

Rantums Kreditvolumen beginnt bei 2 Mio. Euro, der Schwerpunkt liegt bei 10 Mio. Euro, die Laufzeiten bei sieben bis zehn Jahren. Gestreut wird über alle Branchen, tabu sind Sanierungsfälle. „Wir haben keinen Investitionsdruck“, sagt Notheis. „Wir schauen uns jede Firma sehr gründlich an, bevor wir finanzieren, und begleiten sie danach so intensiv, wie das keine Bank könnte.“ Die Methode zahlt sich aus. Bisher gibt es keine Ausfälle, und die Nettorendite des Fonds dürfte bei mindestens zehn Prozent liegen.