EcuadorMit bloßen Händen gegen China

Indigene vom Volk der Shuar kämpfen seit Jahren gegen den chinesischen Einfluss in EcuadorGetty Images

Aus dem Süden, nahe Peru, reisen Indigene vom Volk der Shuar an. Aus dem Nordosten, nahe Kolumbien, kommen Abgesandte der konflikterprobten Cofán. Von Südosten her Anführer der im Widerstand erfolgreichen Sarayaku. Dazu aus der Umgebung Dutzende Kichwa – denn hier, im Bezirk Santa Clara, soll es entstehen: das „Monstrum des Hochamazonas“, wie sie es nennen, das Wasserkraftwerk am Río Piatúa.

Gebaut werden soll es vom Unternehmen Genefran, im Auftrag des Staates Ecuador, mit finanzieller Hilfe aus China. Es soll den Strom für die Region im Südosten des Landes liefern. Vor allem aber soll es die Chinesen mit Energie versorgen für ihre zahlreichen Projekte im ecuadorianischen Erdölgeschäft und Bergbau.

Doch es gibt ein Problem, wie oft im Amazonas. Das Kraftwerk ist im Gebiet der Ureinwohner geplant, für die der Fluss Piatúa heilig ist: „Blut der Erde“ nennen sie ihn, „Heimat der Götter“. Das Kraftwerk werde nicht nur die Natur zerstören, sondern ihren Vorfahren auch die Seelenruhe nehmen.

Die Sonne hier in Santa Clara, nah am Äquator, brennt schon am Morgen unerbittlich. Mehr als 500 Teilnehmer versammeln sich zum „Treffen des Widerstands“, das auf dem überdachten Sportfeld einer Schule stattfindet. Viele treten in Kriegsbemalung auf, tragen traditionelle Hüte und Westen, die Anführer halten Stöcke in den Händen, die Krieger handgefertigte Speere.

Einer der Häuptlinge, Christian Aguinda vom Stamm der Kichwa, leitet das Treffen mit markigen Worten ein: „Ich begrüße diese rebellischen Völker. Wir sind nicht hier, um mit dem Staat oder den Chinesen zu verhandeln. Wir sind hier, um den Boden unserer Vorfahren zu schützen. Wir leben von diesem Fluss. Vom Fischen. Vom sauberen Wasser. Er verbindet die tropischen Anden mit der Ebene des Amazonas.“

Anschließend gibt jeder Stammesführer ein Statement ab, und immer häufiger fällt das Wort „China“: „Es gibt schon genug Bergwerke“, argumentiert die Anführerin der Sarayaku. „Schaut euch die Wälder an, sie sind zerstört. Das Kraftwerk entsteht, um unsere Erde weiter zu plündern. Ecuador hat sich China komplett ausgeliefert.“

Der Protest von Santa Clara ist einer von derzeit vielen in Ecuador, jenem Land, in dem der Einfluss Chinas in Lateinamerika am größten ist. 80 Prozent des Erdöls sowie viele der Kupfer- und Erzvorkommen werden von hier nach China exportiert. Das hoch verschuldete Land ist abhängig von chinesischen Krediten, die wegen Zahlungsschwierigkeiten zudem ständig nachverhandelt werden müssen. Wegen der steigenden Kreditkosten muss der Staat nun die Treibstoffpreise erhöhen, Sozialprogramme streichen und bei der Öl­exploration immer tiefer in den Amazonas vorstoßen – Anlass für die Proteste, die das Land im Oktober teilweise lahmlegten und die Regierung dazu bewegte, die Hauptstadt Quito zu verlassen.

Ecuadors Exporte nach China (in Mrd. Dollar)
Ecuadors Exporte nach China (in Mrd. Dollar)

Die Hilfe Chinas, argumentieren Teile der Regierung, bringe Ecuador voran. Von Hilfe könne keine Rede sein, entgegnen Kritiker, vielmehr ruiniere China das Land ökologisch wie ökonomisch. Unmut herrscht vor allem unter den Indigenen, die überall zwischen Anden und Amazonas Widerstand gegen die Projekte der Chinesen leisten – gegen ihr „imperiales Gebaren“, wie sie sagen, aber auch gegen schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen.

Die Frage ist: Stößt China hier gerade an seine Grenzen?

Angriff auf die Baustelle

„Heute halten wir sie auf“, verkündet ein Mitglied der Shuar. „Es ist der Beschluss unserer Völker. Wir konfiszieren einfach ihre Baumaschinen. Wir verteilen sie ans Volk.“ Applaus brandet auf. Man merkt, dass die Gemüter sich mit jedem Wortbeitrag erhitzen. Seit 2014 protestieren sie gegen das Projekt.

„Endlich sind wir an diesem Punkt“, sagt Yanda, 28, ein junger Indigener mit langen Haaren, Stirnband und selbst geschnitztem Speer. Er ist Anführer der Guardia Indígena, einer Art Bürgerwehr der Ureinwohner. „Das ganze Reden bringt nichts. Wir brauchen Aktion.“

Fast jedes der 14 indigenen Völker Ecuadors hat eigene Erfahrungen mit den Chinesen und ihren Großprojekten gemacht. Die Cofán waren gerade siegreich im Kampf gegen das illegale Schürfen von Gold. Die Shuar befinden sich mit dem chinesischen Unternehmen EXSA im Dauerkrieg um ein Bergwerk. Noch stärker ist der Widerstand gegen das Projekt Mirador, die größte Kupfermine im Südosten des Landes.

Sechs Stunden lang laufen die Beratungen auf dem Schulhof von Santa Clara. Dann bricht offener Widerstand los. Unter Yandas Führung ziehen die Jüngeren los zur Baustelle des Kraftwerks. Etwa 200 Indigene halten am Haus der Wärter. Die ersten vermummen sich und bauen eine Barriere aus brennenden Autoreifen, um der Polizei den Weg zu versperren. Einige springen über Zäune, auf Planierraupen und Bagger.

Ein Pförtner, selbst Indigener, will schlichten, aber er hat keine Chance gegen die Meute. „Du bist ein Agent des Unternehmens“, beschimpfen die Protestler ihn. „Du – unser eigener Bruder.“ Hastig flieht der Mann auf seinem Motorrad.

“Ich bin Widerstandskämpfer. Sie nennen unseren Protest terroristische Aktivität. Aber wir verteidigen nur unsere Pachamama, die Mutter Erde“

Yanda

Für einen kurzen Moment scheint alles möglich: Die Indigenen könnten den Fuhrpark zerstören, 20 große Maschinen. Sie könnten weiter zur Hauptbaustelle ziehen, um auch dort Anlagen zu zerstören. Yanda sieht das als Selbstschutz, legitimen Widerstand. Aber Gerüchte machen die Runde, dass die Eliteeinheit des Militärs auf dem Weg ist.

Einige der älteren Indigenen drängeln sich nach vorne und überzeugen die Jugend, die Planierraupen zunächst nicht abzufackeln. Sie wollen eine letzte Warnung abgeben, an den eigenen Staat und an China: Wir entscheiden mit über das Kraftwerk, oder eure Anlagen stehen in Flammen – unsere Geduld ist am Ende, ihr habt 24 Stunden Zeit.

In der Abenddämmerung, als sich die Demonstranten zerstreut haben, setzt sich Yanda auf die Tragfläche eines Trucks und erklärt die Lage seines Stammes. „Wir sind nur noch 573 Indigene. Wir waren mal 20.000. Wir müssen unser Gebiet verteidigen, um nicht auszusterben.“

Er arbeitet beim Radio und dreht Filme über den Kampf der Ureinwohner. Wegen der Beteiligung an Protesten wurde er mehrfach bedroht. Sogar die Polizei habe ihn gewarnt: Wir wissen, wo du lebst. „Das ist mein Leben“, sagt Yanda. „Mein Job. Meine Berufung. Ich bin Widerstandskämpfer. Sie nennen unseren Protest terroristische Aktivität. Aber wir verteidigen nur unsere Pachamama, die Mutter Erde.“

Yanda führt mit seinem Volk nicht nur den Kampf gegen das Wasserkraftwerk am Río Piatúa, sondern auch gegen die Ölexploration in seinem Territorium. „Unsere Gegner versuchen, einzelne Führer zu bestechen, sie suchen sich gezielt die schwachen, anfälligen aus. Dann verweisen sie auf deren Unterschriften und sagen: Seht her, die Ureinwohner sind doch einverstanden. So spalten sie unser Volk.“

Fluch oder Segen?

Im Juli 2019 wurde die größte Kupfermine in Ecuador eröffnet. Betrieben wird sie von Ecuacorriente, Tochtergesellschaft des chinesischen CRCC-Tongguan-Konsortiums
Im Juli 2019 wurde die größte Kupfermine in Ecuador eröffnet. Betrieben wird sie von Ecuacorriente, Tochtergesellschaft des chinesischen CRCC-Tongguan-Konsortiums (Foto: Getty Images)

Ecuadors Regierung hält Kritikern gerne entgegen, dass das Land den Chinesen einiges verdanke: neue Straßen, Staudämme, Digitalnetze, Brücken, Schulen, Bürogebäude – erbaut durch chinesische Staatskonzerne, ohne jede politische oder ideologische Auflage. Auch habe der Vormarsch Chinas die Abhängigkeit von den USA gelockert – der Nachbar im Norden ist für manche sozialistische Regierung Lateinamerikas immer noch so etwas wie der Erzfeind.

„Die Investitionen stärken die Infrastruktur in ganz Lateinamerika“, argumentiert der mexikanische Chinaexperte Enrique Dussel Peters in seiner Analyse des Vormarschs aus Fernost. „Gleichzeitig ist China ein neuer Alliierter, der die Volkswirtschaften der Länder stärkt und ihr Standing in der Welt verbessert.“

Kritiker dagegen sagen: Chinas Engagement bringt neben schlimmsten ökologischen Folgen nur neue Abhängigkeit mit sich. Als Gegenleistung für ihre Kredite bekommen die Chinesen nicht nur 80 Prozent des ecuadorianischen Erdöls. Die Darlehen, vergeben von der Import-Export-Bank of China, zwingen das Land auch dazu, bei Auftragsvergaben nur chinesische Unternehmen zuzulassen und damit die mitbietende einheimische Konkurrenz auszuschließen. Zudem muss das Land nun Sozialprogramme streichen und bei der Ölexploration immer tiefer in den Amazonas vorstoßen, um die steigenden Kreditkosten zu tragen.

Ecuadors Energieminister Carlos Pérez sagt: „China beutet Ecuador aus. Die Strategie der Chinesen ist klar: Die übernehmen die wirtschaftliche Kontrolle der Länder.“ In der Tat häufen sich die Pro­bleme. So hat Ecuador mehr als 1 Mrd. Dollar bereitgestellt für eine Ölraffinerie der Chinesen: das 12 Mrd. Dollar teure „Pacific Refinery Project“. Doch das Vorhaben liegt derzeit wegen fehlender Perspektiven auf Eis.

Noch gravierender sind die Folgen nach der Errichtung des Wasserkraftwerks Coca Codo Sinclair 100 Kilometer östlich von Quito – das größte Energieprojekt in der Geschichte des Landes. Finanziert wurde es von China, mit 2,4 Mrd. Dollar – zurückzuzahlen binnen 15 Jahren, zu sieben Prozent Zinsen. Der um den aktiven Vulkan Reventador gebaute Staudamm sollte ein Drittel des landesweit benötigten Stroms erzeugen. Dass Geologen vor dem Bau im Erdbebengebiet warnten, störte niemanden. Schon zwei Jahre nach Inbetriebnahme zeigen sich mehr als 7600 Risse in der Struktur, Folge der „unverantwortlichen“ Billigkon­struktion durch die chinesische Baufirma Sinohydro, wie es in einem Regierungsbericht heißt. Das Kraftwerk produziert gerade mal die Hälfte der anvisierten 1500 Megawatt. Zudem wurde fast jeder involvierte Politiker wegen Korruption festgenommen.

„Die Chinesen haben uns ausgenutzt“, sagt der ecuadorianische Energieanalyst Augusto Tandazo. „Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein großes Land ein kleines ausbeutet.“ Lange Zeit galt Chinas Expansion auf dem Kontinent als Win-win-Situation. Während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkte das Land die Aktivitäten in Lateinamerika und bot den zumeist linken Regierungen seine Hilfe an: „eine Zusammenarbeit unter Gleichen“, wie es hieß. Sie befriedigten damit auch die antiamerikanische Haltung, die gerade in Ecuador unter Ex-Präsident Rafael Correa weit verbreitet war.

In seinem Strategiepapier 2016 modifizierte China dann die Ausrichtung. Es ging nicht mehr um den Rohstoffimport allein, sondern auch um „soft power“, um Investitionen, kulturellen Austausch, Stipendien, die Eröffnung von Kulturinstituten, all das, was einst den Einfluss der USA auf dem Kontinent ausmachte. Heute gehen viele Chinesen in den Ministerien ein und aus. Sie investieren 4 Mrd. Dollar in lokale Unternehmen wie Soquimich, einen chilenischen Lithiumhersteller, und gar 10 Mrd. Dollar in den größten brasilianischen Stromkonzern State Grid. Für 5,8 Mrd. Dollar haben sie 33 Prozent der Anteile am peruanischen Kupferproduzenten Las Bambas gekauft. Das brasilianische Unternehmen 99app – eine Art Uber – haben sie gleich komplett übernommen.

Heute ist China als Handelspartner für viele Länder Südamerikas bereits wichtiger als die USA – und Ecuador dabei eine Art Versuchslabor. Viele Schilder auf hiesigen Baustellen haben chinesische Schriftzeichen, auf Quitos öffentlichen Plätzen wurden chinesische Überwachungskameras mit Gesichtserkennung installiert. Obwohl Ecuador mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern ein relativ kleines Land in Lateinamerika ist, steht es mit 18,4 Mrd. Dollar an dritter Stelle aller 15 Empfänger chinesischer Kredite. Nur Brasilien (28,9 Mrd. Dollar) und Venezuela (67,2 Mrd. ­Dollar) ­erhielten mehr. China vergibt inzwischen mehr Kredite an die Länder des Kontinents als die Weltbank und die Inter-American Development Bank. Der Handel wuchs von 12 Mrd. Dollar im Jahr 2000 auf 306 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr.

Das alles gibt es nicht ohne politische Gegenleistung. Viele lateinamerikanische Regierungen erkennen inzwischen Taiwan nicht mehr als Staat an, etwa Panama, El Salvador und die Dominikanische Republik. Und wenn die USA wie derzeit mit China im Handelsstreit liegen, springen Argentinien oder Brasilien sofort mit zusätzlichen Sojalieferungen ein.

300 Kilometer südlich von Santa Clara, in der Cordillera del Condór, bereiten derzeit die Shuar Arutam ihren „Angriff auf China“ vor. Ihr Ziel: Nankints, wo die zweitgrößte Kupfermine des Landes entstehen soll, mit angestrebten Gewinnen von 1,2 Mrd. Dollar pro Jahr. Errichtet wird sie vom Unternehmen Explorcobres S.A. (EXSA), umgeben ist sie von hohen Stacheldrahtzäunen, bewacht von Dutzenden Wärtern. „Explorcobres“ klingt Spanisch, klingt nach Ecuador. So soll es auch klingen. Dabei ist das Unternehmen chinesisch.

Das Militär schreitet ein

„Wir warten auf den richtigen Augenblick“, sagt Domingo, der Anführer der Shuar Arutam, ein kleiner, sehniger Mann, Vater von sechs Kindern. „Wir schlagen zurück. Wir wehren uns.“ Seit Jahren geht der Konflikt hin und her. Zunächst vertrieb das Militär die Shuar mit Waffengewalt aus Nankints. Wenige Monate später rächten sich die mit Speeren und Blasrohren bewaffneten Shuar und besetzten mit ihren Kriegern die Baustelle. Dabei soll – so stellt es jedenfalls die Regierung dar – ein Polizist ums Leben gekommen sein. Der Staat schlug zurück. Man verhängte den Ausnahmezustand und vertrieb die Indigenen aus Nankints und dem Dorf Tsuntsuim, aus dem viele der Angreifer stammen.

„Wir sind zurück in Tsuntsuim, und wir holen uns auch Nankints wieder“, sagt Domingo. Er blickt kämpferisch Richtung Nankints, in das tief eingeschnittene Tal, durch das der Río Zamora fließt, dessen Verseuchung er befürchtet. „Wir kennen die Schwächen der Chinesen. Am meisten Angst haben sie vor Giftpfeilen aus dem Wald – das ist unsere psychologische Kriegsführung. Sie schicken dafür Drohnen in unser Dorf – das ist ihre psychologische Kriegsführung.“

Die Shuar Arutam gelten als das radikalste der indigenen Völker in Ecuador. Sie fühlen sich ermutigt vom Widerstand überall im Land. „Die Chinesen müssten hautnah zu spüren kriegen, dass sie nicht willkommen sind, wenn sie unsere heilige Erde plündern.“ Die Shuar seien nie besiegt worden, argumentiert Domingo. Nicht von den Inka 1490, auch nicht von den spanischen Eroberern 1549. Die peruanische ­Armee wehrten sie zuletzt im Cenepa-Krieg vor 20 Jahren ab.

„Auch die Chinesen werden es nicht schaffen“, sagt er. „Wir haben Zeit. Wir kennen jeden Meter hier. Wir können sie zermürben. Es geht nur mit Kampf, alles andere bringt nichts. Sie wählen üble Methoden, sie bestechen Mitglieder unseres Stammes. Also müssen auch wir unsere effektivsten Methoden wählen.“

Nicht alle Indigenen sind einverstanden mit dem Weg der Shuar Arutam. Widerstand ja, aber nicht mit Waffen, heißt es bei anderen Shuar-Führern in der Provinzhauptstadt Sucúa. „Sonst lässt sich unser gesamter Widerstand als gewalttätig abtun. Genau das will der Feind.“

Korruptes Muster

Der Beginn der Produktion in Nankints wurde mehrere Male verschoben. Die Chinesen sind darüber verärgert, heißt es. Sie wollen Resultate, sie können nicht verstehen, dass eine kleine Gruppe Ureinwohner die Handlungsfähigkeit des Staates einschränken kann – in China, sagen sie, werde so etwas einfach durchgesetzt.

Die Forscherin Carolina Viola, die Chinas Vormarsch für die Latin American School of Social Sciences in Ecuador verfolgt, sagt: „Für chinesische Firmen sind die lokalen Gemeinschaften keine Partner – nur die Regierung. Die Amerikaner setzen sich mit der Zivilgesellschaft ausei­nander, die Chinesen nicht. Sie wollen auch gar nicht verstehen, mit wem sie es zu tun haben. Sozialen Frieden sehen sie nicht als ihre Angelegenheit.“ Zudem würden Arbeiterrechte und Umweltstandards nicht eingehalten, beobachtet Viola. „Die Chinesen folgen einem korrupten Muster. Ihre Logik lautet: China für China.“

Am folgenden Tag ruft Domingo die Männer seines Stammes zusammen und zieht mit ihnen Richtung Nankints, auf eine Bergkuppe, von der sie das Treiben im Tal gut verfolgen können. Er will Präsenz zeigen, er will die Chinesen auf der Baustelle wissen lassen: Wir sind da, wir beobachten euch. Hat er wirklich die Hoffnung, dass seine Leute die Kupfermine aufhalten können? „Nicht die Hoffnung“, sagt er. „Die Gewissheit.“

 


Der Beitrag ist in Capital 11/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay