EcuadorMit bloßen Händen gegen China

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Korruptes Muster

Der Beginn der Produktion in Nankints wurde mehrere Male verschoben. Die Chinesen sind darüber verärgert, heißt es. Sie wollen Resultate, sie können nicht verstehen, dass eine kleine Gruppe Ureinwohner die Handlungsfähigkeit des Staates einschränken kann – in China, sagen sie, werde so etwas einfach durchgesetzt.

Die Forscherin Carolina Viola, die Chinas Vormarsch für die Latin American School of Social Sciences in Ecuador verfolgt, sagt: „Für chinesische Firmen sind die lokalen Gemeinschaften keine Partner – nur die Regierung. Die Amerikaner setzen sich mit der Zivilgesellschaft ausei­nander, die Chinesen nicht. Sie wollen auch gar nicht verstehen, mit wem sie es zu tun haben. Sozialen Frieden sehen sie nicht als ihre Angelegenheit.“ Zudem würden Arbeiterrechte und Umweltstandards nicht eingehalten, beobachtet Viola. „Die Chinesen folgen einem korrupten Muster. Ihre Logik lautet: China für China.“

Am folgenden Tag ruft Domingo die Männer seines Stammes zusammen und zieht mit ihnen Richtung Nankints, auf eine Bergkuppe, von der sie das Treiben im Tal gut verfolgen können. Er will Präsenz zeigen, er will die Chinesen auf der Baustelle wissen lassen: Wir sind da, wir beobachten euch. Hat er wirklich die Hoffnung, dass seine Leute die Kupfermine aufhalten können? „Nicht die Hoffnung“, sagt er. „Die Gewissheit.“

 


Der Beitrag ist in Capital 11/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay