Vererben 2.0Menschen gehen, Daten bleiben: Wem gehört das digitale Erbe?

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Fünf von hundert Profilen in sozialen Netzwerken sind nach Schätzungen Toten zuzuordnen

IV. BERUFSNETZWERKE

Schätzungen zufolge sind fünf Prozent aller Profile in sozialen Netzwerken Toten zuzuordnen. Das schließt Businessnetzwerke wie Xing mit zwölf Millionen registrierten Nutzern und das zu Microsoft gehörende LinkedIn mit zehn Millionen Mitgliedern im deutschsprachigen Raum ein. Wie viele der zwölf Millionen Twitter-Nutzer pro Monat beruflich posten, ist nicht bekannt.

Problematisch: Auch Karrierenetzwerke verschicken Hinweise auf Personen, die man kennen könnte oder denen man zum Dienstjubiläum und Geburtstag gratulieren möchte. Es kann also mindestens irritieren, wenn die digitale Visitenkarte weiter herumgereicht wird. Aber Vorsicht bei der Abmeldung: Ein Angehöriger, der sich mit dem Passwort des Verstorbenen einloggt, riskiert eine Strafanzeige, wenn er auf dessen Daten zugreift. Nach den Nutzungsbestimmungen sind wie bei E-Mails die Interessen von Kommunikationspartnern geschützt.

Was tun? Xing deaktiviert das Profil, sobald der Betreiber vom Tod eines Mitglieds erfährt. Nur bei kostenrelevanten Premiumkonten ist eine Sterbeurkunde nötig. Linked-In bietet unter dem Stichwort „verstorben“ an, das Profil eines Kollegen, Studienkameraden oder einer nahestehenden Person zu entfernen. Neben Angaben über die URL und das Verhältnis zu der Person kann eine Urkunde hochgeladen oder die Todesanzeige verlinkt werden. Help.twitter.com/de leitet zu den Datenschutzrichtlinien, wenn ein Account stillgelegt oder gelöscht werden soll. Ein sechs Monate lang inaktives Konto wird laut AGB automatisch deaktiviert. Auf Antrag soll eine Archivierung für die Nachwelt möglich sein.

V. SOZIALE NETZWERKE

Die Facebook-Tochter Whatsapp zählt in Deutschland mehr als 37 Millionen Nutzer

30 Millionen Deutsche sind mindestens einmal im Monat auf Facebook aktiv, die absolut meisten davon privat. Seit 2017 ist die Zahl leicht gesunken und liegt nun gleichauf mit der Plattform Youtube. Führend bleibt Whatsapp: Der Messengerdienst zählt in Deutschland mehr als 37 Millionen Nutzer. Bei der zweiten Facebook-Tochter Instagram sind 15 Millionen Menschen unterwegs – meist privat, obwohl ein Drittel der meistgesehenen Einträge von Marken und Unternehmen stammt.

Problematisch: Analog zur Maildebatte gibt es auch bei sozialen Medien einen Widerspruch zwischen Erbrecht und öffentlichem Recht. Vom Bundesgerichtshof, der den Fall von Mutter und Tochter verhandelte, werden Hinweise erwartet, ob der Gesetzgeber den digitalen Nachlass neu regeln muss. Bis dahin bleibt Facebook dabei: Ohne Namen und Passwort darf niemand das Profil einsehen oder verändern.

Nur ein rechtzeitig bestimmter Nachlasskontakt darf eine Art Todesanzeige aufgeben, das Titel- und Profilbild ändern, auf Freundschaftsanfragen reagieren – oder den Account abschalten. Sich einloggen oder nachlesen darf auch er nicht. Wenn Facebook das Konto auf Antrag von Freunden oder Angehörigen in einen „Gedenkzustand“ versetzt, ist das Profil ohnehin eingefroren. Dafür kann schon der Link zu einer Todesanzeige genügen. Freunde können dennoch Erinnerungen posten. Ähnlich verhält es sich bei Instagram. Facebook-Kritiker bemängeln, dass durch die Geschäftsbedingungen das Erbrecht ausgehebelt wird. Bei Whatsapp und Snapchat sind Vorsorgeregeln gar nicht vorgesehen.

Was tun? Solange noch Passwörter statt Iris- oder Fingerabdruckscanner über den Zugang zu virtuellen Räumen entscheiden, sollten Nutzer proaktiv die Vorbereitungen treffen: selbst entscheiden, was weiterleben soll, und einer vertrauten Person dafür die Vollmacht erteilen. Facebook erläutert im Hilfebereich, was Freunden und Verwandten möglich ist. Richtig abschalten geht nur selbst oder über den Nachlasskontakt, der übrigens – auf Verfügung – auch ein Archiv des Accounts für die Nachwelt herunterladen darf.

Die Entscheidung, ob Hinterbliebene Einblick in die digitale Privatsphäre haben sollen, und wenn ja, in welche, sollte jeder zu Lebzeiten treffen, rät der Digitalverband Bitkom. Dann kann ein Notar, Nachlassverwalter oder Bevollmächtigter Daten vernichten oder konservieren – je nachdem. In einem digitalen Testament lässt sich dies auch handschriftlich beliebig personalisieren.