PodcastMax Viessmann: „Der größte Fehler als Nachfolger: Alles infrage stellen“

Mit 27 Jahren wurde Max Viessmann zum Co-CEO seines gleichnamigen Familienunternehmens
Mit 27 Jahren wurde Max Viessmann zum Co-CEO seines gleichnamigen FamilienunternehmensViessmann

Auf den technischen Wandel zu reagieren, gehört für den Heizungsbauer Viessmann zur DNA. Immer wieder musste das Familienunternehmen in seiner über hundertjährigen Firmengeschichte auf neue Brennstoffe, eine wandelnde Nachfrage oder globale Trends reagieren und die eigenen Anlagen anpassen.

Heute arbeiten rund 12.700 Mitarbeiter für die Firma, die über hunderte Patente verfügt. Im deutschen Mittelstand gilt Viessmann außerdem als Vorreiter bei der Digitalisierung: 2017 entstand am Firmensitz im nordhessischen Allendorf ein Technologiezentrum für 50 Mio. Euro. Im gleichen Jahr ging die Führung mit dem damals 27-Jährigen Max Viessmann als Co-CEO in die vierte Generation über. „Es fühlt sich immer noch so an, als hätte ich gestern meine Karte abgeholt“, sagt Viessmann in der neuen Podcast-Folge von „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“.

Als der heute 32-Jährige an die Spitze des Familienunternehmens rückte, sollte er die Transformation und den Wandel des Unternehmens vorantreiben. Viessmann hält dabei nichts von den üblichen Schlagwörtern. „Was mich fertig gemacht hat, sind Berater-Slides, auf denen steht: Wir brauchen eine digitale Kultur“, sagt er im Podcast. „Das entzieht mir sämtliche Lebensfreude.“ Stattdessen gehe es für Unternehmen darum, eine Strategie zu entwickeln, die die Herkunft mit neuen Möglichkeiten verbinde und zudem gemeinsame Werte deutlich mache.

Nicht falsch, sondern nur nicht weit genug

„Der größte Fehler ist es, als Nachfolger alles infrage zu stellen“, sagt Viessmann. „Wir sind ein Unternehmen, dass sich ständig weiterentwickelt hat.“ Genau diese Unternehmenskultur helfe auch heute dabei, Veränderungen wie die Digitalisierung anzugehen.

Ein wichtiges Element dabei: die digitale Vernetzung der eigenen Geräte, mit deren Hilfe auch neue Dienstleistungen angeboten werden sollten. Das erwies sich nicht immer als einfach. „Die Zahlungsbereitschaft war anfänglich sehr überschaubar“, sagt Viessmann. „Das hat uns schon überrascht.“ Dieses Beispiel zeige aber, wie wichtig es ist, bei Veränderungen nicht nur auf die Umsatzzahlen zu schauen. „Wir haben User-Studies gemacht und dann gesehen: Wir sind gar nicht falsch unterwegs, wir sind einfach nicht weit genug mit unserem Angebot.“

Austausch als entscheidender Faktor

Notfalls auch einmal den Kurs zu ändern, gehört für Viessmann dabei fest zur Unternehmensführung dazu. „Ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, wenn ich jetzt anders auf Themen schaue und Entscheidungen entsprechend korrigiere“, sagt der 32-Jährige. Als frisch gebackener Co-CEO habe er dabei versucht, selbst Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig viel von dem Wissen anderer Führungskräfte und Mitarbeiter zu profitieren.

Auch der Austausch mit anderen Unternehmen sei für ihn in dieser Zeit wichtig gewesen – auch wenn das oft mit viel Aufwand verbunden war. „Allein schon die Terminfindung war irre aufwendig“, erinnert sich Viessmann. Aus dieser Erfahrung heraus initiierte Viessmann schließlich den Maschinenraum, der heute 30 Familienunternehmen als gemeinsame Plattform dient.

Viessmann versteht sich dabei weniger als Ideengeber, sondern vielmehr als Mitglied unter vielen. „Wenn es darum geht Impulse zu setzen oder einfach nur um die Inspiration, dann ist das der Ort, an dem genau das stattfindet“, sagt er. „Da profitieren wir genauso wie jeder andere.“

Wo er Parallelen zwischen dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit und der Digitalisierung sieht und warum das Erfolgsmodell Hidden Champions ausgedient hat, erzählt Max Viessmann im Gespräch mit Tobias Rappers, Geschäftsführer des Maschinenraums und Capital-Redakteur Nils Kreimeier.

Alle Folgen von „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“ finden Sie bei Audio Now, Apple Podcasts, und Spotify – und natürlich auf Capital+ in der Rubrik Podcasts und Artikel zum Anhören.