InterviewMartin Rees: „Neue Technologien werden der Schlüssel sein“

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Wo wird Biotech denn momentan entwickelt?

Auch wenn der Markt von multinationalen Konzernen dominiert wird, ist Biotech vom Aufwand her betrachtet eher klein und schon in Universitäts- oder Industrielaboratorien in vielen Ländern herstellbar. Ein Umstand, der ebenso viele Chancen, wie Risiken birgt. Unserem globalen Dorf Erde wird es auch in Zukunft leider nicht an Dorftrotteln mangeln – und die werden globale Reichweite haben.

Kommen wir zu unseren Nachbardörfern: Die Gründer von Google investieren in Weltraumforschung. Elon Musk, der CEO von Tesla, möchte zum Mars fliegen. Im Silicon Valley ist die Erkundung des Weltraums unter Visionären ein großes Thema. Manche denken sogar darüber nach, seine Bodenschätze auszubeuten. In einer Ihrer Präsentationen erwähnten Sie die Möglichkeit, in der Zukunft auf Asteroiden nach Rohstoffen zu bohren. Was meinen Sie, unter welchen Umständen dies möglich sein könnte?

Maschinen kommen am Besten mit den lebensfeindlichen Bedingungen des Weltraums zurecht. In Zukunft werden Schwärme von Miniatursonden das Sonnensystem erkunden und Roboter riesige Leichtgewichtsstrukturen bei Null Schwerkraft errichten. Ab diesem Zeitpunkt wird es sinnvoll, Rohstoffe direkt vor Ort zu fördern.

Wird all dies automatisiert sein?

Wegen des Fortschritts der Robotik wird der praktische Bedarf an bemannter Raumfahrt im Prinzip obsolet. Wir müssen uns fragen, ob Steuerzahler ihn unterstützen sollten. Bemannte Raumflüge sollten kostenoptimiert vom Privatsektor vorangetrieben werden. Firmen wie Space X und Blue Origin haben meine volle Unterstützung. Das sind Weltraumabenteurer mit Mut zum Risiko.

Wem gehören Mars und Mond eigentlich? Würde diese Frage in Zukunft geklärt werden müssen, wäre es dann vielleicht so wie bei der Antarktis, dass verschiedene Länder Mars und Mond unter sich aufteilen würden?

Momentan gehören Mars und Mond natürlich niemandem. Es wäre gut, wenn sie im Fall der Fälle wie die Antarktis behandelt würden. Aber ich mache mir Sorgen, dass es eher anarchistisch werden wird.

Ein verwandtes Thema Ihres Interesses handelt von menschlichen Kolonien auf dem Mond oder dem Mars. Sie sprachen bereits von der Möglichkeit, dass große Firmen in diesen Geschäftszweig investieren?

Richtig, ich denke, bemannte Raumfahrt wird vom Privatsektor ausgehen. Es sei denn, China startet aus nationalen Prestigegründen ein riesiges Raumfahrprojekt. Eine Massenauswanderung halte ich für unmöglich. Mars und Mond sind noch rauer und menschenfeindlicher als der Südpol. Den Klimawandel zu bewältigen kann als Herkulesaufgabe angesehen werden. Der Klimawandel ist allerdings ein Klacks im Vergleich dazu, den Mars für Menschen bewohnbar zu machen.

Sollten wir überhaupt weiter in Raumfahrtprogramme investieren?

Der öffentliche Sektor sollte in die praktischen und forschungsrelevanten Nutzmöglichkeiten des Weltalls investieren. Wir befinden uns an einem entscheidenden Punkt für die Zukunft unserer Spezies und unseres Planeten. Es ist von entscheidender Bedeutung jetzt ebenso global, wie rational und langfristig zu denken, ausgestattet mit der passenden Technologie – und den richtigen Werten.