Venture CapitalEx-Gründer bringen frischen Wind in die Investorenszene

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Aus dem Nebenjob wurde ein kleiner Fonds, weniger als 10 Mio. Euro stark, dem andere Gründer aus dem Berliner Zalando-Umfeld ihr Geld anvertrauten. Mit Daniel Glasner vervollständigte schließlich einer der erfolgreichsten Berliner Entrepreneure das Team, das sich nun Cherry Ventures nannte – auf sein Konto waren zuvor mit dem Gutscheinportal Citydeal und der Reservierungsplattform Quandoo zwei der erfolgreichsten und schnellsten Start-up-Exits Berlins gegangen.

Zu dritt formten sie aus Cherry einen richtigen „VC“, wie man in der Szene die Kapitalgeber kurz und englisch nennt. Ihr Erfolg zog schnell größere Investoren an: Als der zweite Fonds 2016 geschlossen wurde, waren große Family-Offices und institutionelle Geldgeber aus der ganzen Welt an Bord. Zusammengekommen waren 150 Mio. Euro. Nicht schlecht für einen so jungen VC – zumal für einen, der in frühen Phasen in Start-ups investiert, meist zwischen 300.000 und 1 Mio. Euro. „Die Cherry-Jungs“, gibt ein Konkurrent anerkennend zu, „wissen, wie man eine Firma auf eine Milliarde skaliert.“

In der Linienstraße, einer verkehrsberuhigten Parallelstraße der Torstraße, hat Cherry ein Stockwerk gemietet. Das Büro ist an diesem Freitagnachmittag verwaist – das VC-Dasein ist vor allem ein Reisejob. Eigentlich arbeiten hier 15 Mitarbeiter, das ist viel für einen Venture-Capitalist dieser Größe. Aber Cherry hat den Anspruch, den Gründern nicht nur mit Geld unter die Arme zu greifen, sondern nach einem Investment ganz konkret zu unterstützen: So hilft eine eigene Headhunting-Abteilung den Unternehmen aus dem Portfolio etwa bei der mühsamen Suche nach Fachkräften.

Hilfe per Whatsapp

Der Unterstützungsansatz ist in den USA, wo die meisten VCs von Ex-Gründern geleitet werden, gang und gäbe, in Deutschland ließen viele Geldgeber ihre Portfoliofirmen weitgehend allein – so lange die gute Zahlen ablieferten. Gründer beklagten Arroganz und Ignoranz auf Kapitalgeberseite. Für Dames ist es eine Selbstverständlichkeit, sich bei jedem neuen Start-up tief einzuarbeiten. „Wir versuchen mit den Gründern auf Augenhöhe zu diskutieren: Wir sind extrem tief im Detail, schon bevor wir uns das erste Mal mit einem Gründer treffen.“

Dass sich die VCs mehr kümmern, liegt an einer Verschiebung der Marktgewichte: Weil selbst in Deutschland in frühen Phasen inzwischen genug Risikokapital zur Verfügung steht, können sich die guten Gründer heute ihre Investoren aussuchen – früher war es umgekehrt. Bei Cherry bedeutet das auch, den Start-ups ständige Erreichbarkeit in Aussicht zu stellen. Statt langwierig per Mail passiert das quasi in Echtzeit über Whatsapp.

„Der Markt hat sich hart gedreht“, sagt ein Kopf aus der Szene, der seit 15 Jahren dabei ist. „Die alten VCs waren arrogant und komplett abgekoppelt von den Gründern. Die Neuen behandeln die Start-ups anders, denn die waren schon einmal auf der anderen Seite.“ Auch das Cherry-Trio sei „netter als ein Oliver Samwer“, sagt er. Dames sagt selbst, die wichtigste Unternehmenskennziffer des Geldgebers sei der „Founder-Net-Promoter-Score“, also die Frage, ob ein Gründer den VC weiterempfehlen würde. „Daran richtet sich unser Handeln sehr stark aus.“