FlugtaxisLilium – die Flugtaxi-Pioniere aus Bayern

Bisher nur eine Bildmontage, aber bald vielleicht schon Alltag: ein Lilium Jet am Himmel über New York
Bisher nur eine Bildmontage, aber bald vielleicht schon Alltag: ein Lilium Jet am Himmel über New YorkPR

Hier also verbirgt es sich, das Wunderding von Oberpfaffenhofen. Man kann es nicht sehen, nur erahnen hinter dem blickdichten Schiebetor, das die silbrige Front einer gut zehn Meter hohen Werkhalle verschließt. Dahinter wartet ein futuristisches Kleinflugzeug auf seinen Einsatz. Es hat, so viel verraten Bilder, ein schwungvoll verglastes Cockpit, fünf Sitze, zwei Tragflächenpaare und eine Spannweite von elf Metern. Entwickelt hat den Lilium Jet das gleichnamige Start-up, das hier, auf dem Gelände eines kleinen Flughafens bei München, seine Büros und Werkstätten hat. Der Jet startet und landet senkrecht, er wird elek­trisch angetrieben – und fliegen kann er theoretisch autonom.

Visionen von fliegenden Autos gehörten lange ins Reich der Science-Fiction. Das hat sich geändert: Hunderte Firmen arbeiten heute weltweit an Flugtaxis. Ihr kommerzieller Einsatz könnte in wenigen Jahren beginnen, der Markt wird auf Dutzende Milliarden Dollar taxiert. Lilium verspricht, dass die Jets ab 2025 Passagiere über verstopfte Metropolen wie etwa New York shutteln werden, wo Reisende dann von Manhattan bis zum Flughafen JFK statt einer knappen Stunde im Taxi nur noch fünf Minuten brauchen würden.

Von autonomem Fahren über Sharingmodelle bis zu E-Tretrollern: Der Mobilitätsmarkt ist generell im Umbruch. Die radikalste Revolution aber versprechen die Flugtaxis. Deutschland könnte dabei endlich einmal richtig gut aufgestellt sein. Was vor allem an Lilium liegt.

2015 von vier Studenten gegründet, hat das Start-up heute 300 Mitarbeiter und mehr als 100 Mio. Dollar von Investoren eingesammelt. Der Lilium Jet verspricht 300 Kilometer Reichweite pro Batterieladung und 300 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit, er gilt damit bei Experten als eines der vielversprechendsten Konzepte weltweit. Das ist auch der Grund, warum ihn das Start-up noch vor der Öffentlichkeit versteckt – die Konkurrenz soll möglichst wenig über die technischen Details erfahren.

Eine Ausnahme machte Lilium am 4. Mai um kurz nach 8 Uhr, als der Jet in Oberpfaffenhofen zum Jungfernflug abhob. Journalisten waren nicht zugelassen, dafür hielten Kameras des Unternehmens die Szene fest. Daraus wurde ein schmissiger Imagefilm geschnitten, der in der Lobby des Lilium-Büros in Dauerschleife läuft. Zu sehen ist der Jet, der mit zittrigen Flügeln zum ersten Vertikalflug abhebt. Mitarbeiter fallen sich jubelnd in die Arme, schließlich tritt Gründer und CEO Daniel Wiegand in einer Lilium-Fliegerjacke auf. „Es gibt immer ein Risiko, wenn man etwas Neues wagt“, sagt er.

Lilium ist gemessen an seinen Ambitionen kein normales Start-up. In einem Markt, den es heute noch gar nicht gibt, will das Unternehmen 2025 global präsent sein. Es will seine Jets selbst in Serie fertigen und einen eigenen Flugtaxidienst betreiben, es will grundlegend verändern, wie wir uns von A nach B bewegen. „Unsere Vision ist eine Welt, in der jeder jederzeit überall hinfliegen kann“, steht auf Postkarten, die in den Büros ausliegen. Es klingt fast zu gut, um wahr werden zu können.