FlugtaxisLilium – die Flugtaxi-Pioniere aus Bayern

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Der Jet und seine Väter: die Lilium-Gründer Sebas­tian Born, Patrick Nathen, Daniel Wiegand und Matthias Meiner (v. l.)
Der Jet und seine Väter: die Lilium-Gründer Sebas­tian Born, Patrick Nathen, Daniel Wiegand und Matthias Meiner (v. l.)

Zurück in München, holt er drei Kommilitonen ins Team. Sie tüfteln Tag und Nacht, die ersten Modelle aus Spanplatten und Folie entstehen, mit einem radikalen Design, das ohne Quer-, Seiten- und Höhenruder auskommt. Im Februar 2015 gründen sie ihr Unternehmen, kommen bei der Raumfahrtagentur ESA in Gilching bei München unter und bauen den „Falcon“, einen Prototyp in halber Lebensgröße. Der ist schon so gut, dass sich ein Geldgeber für das Projekt begeistern lässt: Starinvestor Frank Thelen, bekannt aus „Die Höhle der Löwen“. Er vermisst in Deutschland schon länger ambitionierte Gründer vom Schlage eines Elon Musk, die sich an wirklich verrückte Projekte trauen. Nun glaubt er sie gefunden zu haben.

Bei Musk, einem erklärten Vorbild, schauen sich die Lilium-Jungs auch ab, wie man sich erfolgreich vermarktet. Zum Beispiel, indem man ständig hohe Erwartungen weckt. 2015 versprechen sie, der Jet könne 500 Kilometer weit und bis zu 400 Stundenkilometer schnell fliegen – Werte, die später ohne großes Aufheben nach unten korrigiert werden. Auf der Lilium-Website tickt damals auch ein Countdown bis zum vermeintlichen Rollout der ersten Maschinen im Januar 2018. Auch der wird später still kassiert.

Doch generell beweist Lilium gutes Timing: Noch nie ließen sich Flugzeuge so günstig und einfach konstruieren wie jetzt. Florian Holzapfel, Professor für Flugsystemdynamik an der TU München, nennt das „eine Konvergenz verschiedener Technologierevolutionen“. Bahnbrechende Fortschritte werden bei Elektromotoren, Batterietechnik, Abstands- oder Geschwindigkeitsmessern gemacht. Navigationssysteme, die früher mehrere Zehntausend Dollar kosteten, sind heute für weniger als 10 Dollar zu haben. „Der Markt macht nur Sinn, weil wir es nicht mit klassischen Luftfahrtherstellungkosten zu tun haben.“

2016 steigt mit Skype-Gründer Niklas Zennström einer der wichtigsten europäischen Risikokapitalgeber bei Lilium ein. 2017 fliegt ein zweisitziger Prototyp erstmals auf einem kleinen Flughafen im Allgäu. Es heißt, dass es zu dieser Zeit Avancen von Uber gab. Lilium erwägt eine Partnerschaft, entscheidet sich am Ende aber dafür, allein groß zu werden. Möglich macht das ein Funding über 90 Mio. Dollar, das vor allem vom chinesischen Internetkonzern Tencent kommt. Nur ein Konkurrent, das von Intel und Toyota finanzierte US-Start-up Joby Aviation, hat mehr Kapital.

Daneben drängen Flugzeugbauer wie Boeing und Airbus in den Markt. In Deutschland entsteht zudem das zweisitzige Flugtaxi Volocopter, finanziert von Daimler und Intel. Das Unternehmen aus dem badischen Bruchsal will noch 2019 in Singapur in den Testbetrieb gehen – damit ist es weiter als Lilium. Nur: Der Multicopter hat eine Reichweite von knapp 30 Kilometern und damit begrenzte Einsatzszenarien.

Lilium hat viel mehr vor. „Wir können Hochgeschwindigkeitsverbindungen auch zwischen Städten von 100.000 oder 200.000 Einwohnern schaffen, für einen Bruchteil der bisherigen Kosten“, verspricht Gerber. „Man muss nur die Endpositionen bauen – und nicht mehr die Trassen.“ Ein anderes Szenario sieht vor, Umlandgemeinden besser an Stadtzentren anzubinden. „Wir werden dort arbeiten, wo wir müssen, und dort leben, wo wir wollen“, verkündete Wiegand schon 2017.