AnalyseLibras Geburtsfehler

Die Ansiedlung von Libra auf neutralem Boden in Genf sollte Unabhängigkeit demonstrieren
Die Ansiedlung von Libra auf neutralem Boden in Genf sollte Unabhängigkeit demonstrierenThomas Peham on Unsplash

Am Ende konnte Libra den endgültigen Einsturz vermeiden – schwer angeschlagen ist Facebooks ambitioniertes Kryptowährungsprojekt dennoch. Der im Juni verkündete Plan für einen Stablecoin musste sich seit Monaten gegen heftige Kritik von Aufsehern, Politikern und Kryptofans zugleich behaupten; kurz bevor die Libra-Allianz gestern ihren formalen Gründungsakt vollzog, verließen über den Zeitraum weniger Tage gut ein Viertel der ursprünglich vorgesehenen Mitglieder das Projekt – unter anderem Paypal, Visa und Stripe. Libra zeigte Auflösungserscheinungen, bevor es überhaupt los ging.

Dass die prominenten Libra-Mitstreiter nicht mehr mitmachen wollten, hat viel mit dem regulatorischen Druck auf das Projekt zu tun. Am Ende geht es aber vor allem darum, dass sich Libra nie so richtig von Facebook emanzipieren konnte. Und sich mit Facebook einzulassen bringt gerade einfach kein Glück.

Das soziale Netzwerk steht schon lange unter verschärfter Beobachtung, hat ungezählte Skandale hinter sich und wird zu allem Überfluss gerade auch noch in den nächsten US-Präsidentschaftswahlkampf hineingezogen – mit Elizabeth Warren gewinnt bei den Demokraten eine Kandidatin an Momentum, die es erklärtermaßen auf Facebook abgesehen hat. Mark Zuckerberg selbst hat das längst erkannt: Er sagte intern, eine Warren-Präsidentschaft „wäre beschissen“ für Facebook.

Wer gemeinsame Sache mit dem Konzern macht, droht in diese Spirale hineinzugeraten.

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