VersicherungLebensversicherung: So gut ist Ihr Anbieter

Und sie rechnen doch! Auch wenn immer wieder behauptet wird, die Deutschen agierten in Finanzdingen zumeist irrational, stimmt das nicht ganz – jedenfalls, soweit es Lebensversicherungen betrifft. Die Zahl, die das belegt, lautet: 2,86 Prozent. Auf diesen Wert sank 2015 der Anteil der Riester-, Renten- und Kapitallebensversicherungsverträge, die gekündigt wurden – weniger als in den vorangegangenen zwei Jahrzehnten.

Altpolicen zu behalten ist in der Regel sinnvoll. Denn die rund 54 Millionen klassischen Garantieverträge in deutschen Versicherungsordnern bieten, wonach Anleger heute händeringend suchen: eine solide Zinsanlage, die je nach Abschlussdatum oft Jahr für Jahr noch sichere 1,5 bis 3 Prozent abwirft. Wer solch ein Investment besitzt, hält am besten daran fest – und steigt nur in Notfällen aus. Das gilt vor allem für Inhaber von Policen aus den Jahren vor 2005, die eine steuerfreie Auszahlung verheißen.

Wie gut die meisten Altversicherten dastehen, zeigt ein Vergleich des Kölner Ratingunternehmens Assekurata: Zum ersten Mal überhaupt liegt demnach der durchschnittliche Garantiezins im Bestand mit nahezu drei Prozent höher als die laufende Verzinsung neu abgeschlossener Verträge.

Mit den Problemen, die sich aus den vergleichsweise opulenten Zinsversprechen ergeben, die vor allem Ende der 90er-Jahre abgegeben wurden, müssen sich die Versicherungsunternehmen herumschlagen. Inzwischen räumen einzelne Vorstände ein, dass diese Garantien „schlicht zu hoch“ waren. Die Unternehmen müssen die Zusagen bedienen, obwohl ihre Anlageprofis in Zeiten von Nullzinsen immer weniger Rendite erwirtschaften. Zuletzt erzielten sie auf dem Rentenmarkt nach Assekurata-Schätzungen mit Neuanlagen durchschnittlich gerade noch 1,3 bis 2,2 Prozent pro Jahr.

Die noch gut 80 verbliebenen deutschen Lebensversicherer mühen sich nun, ihr Geschäft wetterfest zu machen. Damit sie in der voraussichtlich noch länger andauernden Zinsflaute zahlungsfähig bleiben, unterfüttern sie seit 2011 die hohen Garantien ihrer Altkunden mit immer mehr Kapital: Jedes Jahr fließen Milliarden in einen gesonderten Topf, die Zinszusatzreserve. Die zurückgelegten Gelder summieren sich bereits auf gut 30 Mrd. Euro. In diesem Jahr dürften geschätzt noch einmal 14 bis 15 Mrd. Euro hinzukommen.

Immer geringere Erträge bei der Kapitalanlage und die immensen Abflüsse für die Garantiesicherung mindern die Überschussbeteiligung der Kunden immer weiter. „Die Gewinnbeteiligung wird im kommenden Jahr branchenweit ganz sicher wieder sinken“, prophezeit Joachim Geiberger vom Analysehaus Morgen & Morgen. Schon jetzt erhalten viele Altkunden nur noch den fest zugesagten Garantiezins.

Noch reichen die Reserven

Immer wichtiger wird in der andauernden Zinsflaute für die Versicherten die Frage, wie es um die Stabilität ihrer Gesellschaft bestellt ist – also vor allem um die finanzielle Ausstattung und die Fähigkeit, Kundenversprechen auch künftig einzulösen. Antworten darauf liefert das aktuelle Rating von Morgen & Morgen, das Capital exklusiv präsentiert.

„Alles in allem schlagen sich die Lebensversicherer achtbar“, urteilt Geiberger. Seine Analysten untersuchten und bewerteten in diesem Jahr erneut die Bilanzen von fast 70 Lebensversicherern. Das Ergebnis: Noch verfügen die Unternehmen über ausreichende Reserven, vor allem dank hoher Buchgewinne auf festverzinsliche Wertpapiere. Alle 49 Unternehmen, die sich dem Belastungstest stellten, hielten dem Krisenszenario stand. Ein leichter Abwärtstrend ist allerdings erkennbar: In diesem Jahr schnitten elf Gesellschaften schlechter ab als im Vorjahr – oder nahmen am Test erst gar nicht mehr teil.

Mit guten Leistungen in allen drei Disziplinen („Unternehmen“, „Sicherheit“, „Produkt“) glänzten in der Spitzengruppe vor allem der Marktführer Allianz sowie Europa, Stuttgarter und die kleine R+V a.G. In sehr schwacher Verfassung präsentierten sich hingegen etwa Generali, Gothaer, Münchener Verein und Provinzial Rheinland – wenngleich kein Unternehmen in der wichtigen Disziplin „Sicherheit“ patzte.

Noch gebe es in den Gesellschaften „extrem viel Reserven in den Kapitalanlagen“, urteilt Lars Heermann, Analyst bei Assekurata. Zu einer positiven Einschätzung kam jüngst auch Fitch Ratings für 20 Unternehmen: Die untersuchten Gesellschaften könnten ihre Garantien bis 2034 bedienen, errechneten die Experten.

Mit jedem zusätzlichen Jahr, in dem Niedrigzinsen die Erträge der Gesellschaften mindern, nimmt die Nervosität im Markt zu. Felix Hufeld, Chef der Finanzaufsicht Bafin, mahnt jedoch zur Besonnenheit: Es werde hin und wieder so getan, als stünden die Pleiten zahlreicher Lebensversicherer bevor. Er jedoch könne diese „Gefahr nicht erkennen“.