ReportageDie Honigfalle

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Die Kette bekam Giesselbach zum Geburtstag geschenkt. Das Herz ist aus Kernseife geformt
Die Kette bekam Giesselbach zum Geburtstag geschenkt. Das Herz ist aus Kernseife geformt
© Benne Ochs

Die Köpfe der Verschwörung

In der U-Haft bekommt ­Giesselbach Besuch von einem US-Anwalt, der Alfred L. Wolff in Chicago vertritt. Bald beschleicht sie aber das Gefühl, er wolle nur sicherstellen, dass sie nicht gegen ihren Arbeitgeber aussagt. „Hauptsache, Sie wissen, auf welcher Seite Sie stehen“, sagt der. Giesselbach nimmt sich daher einen eigenen Anwalt, Böhm auch.

„Du bist nur eine Angestellte und hast auf Weisung deiner Vorgesetzten gehandelt“, beruhigt ihr Anwalt sie in U-Haft. Er soll sich täuschen. Die Ermittler glauben, mit Böhm und Giesselbach „die Nummer eins und zwei“ einer Verschwörung gefasst zu haben, bevor die sich nach Deutschland absetzen konnten.

Fahndung durch Interpool

Bald lässt Alfred L. Wolff, der ehrwürdige Hamburger Honighändler, die beiden fallen.* Wenige Monate nach der Verhaftung wird das Büro in Chicago geschlossen. Doch die US-Behörden lassen nicht locker. Sie setzen sieben Manager aus der Hamburger Zentrale auf die Fahndungsliste von Interpol. Darunter Alexan­der Wolff und die Vorgänger der Verhafteten in Chicago. Noch Ende vergangenen Jahres führte Interpol die Gesuchten auf der Most-Wanted-Liste. Aktuell tauchen sie im Register nicht mehr auf. Auf Nachfrage bei Interpol in Washington möchte man sich „zu laufenden Verfahren“ nicht äußern. Nur so viel: „The case is still active.“

In Deutschland haben die Manager aber eine Auslieferung in solchen Fällen nicht zu befürchten. Also bleiben sie unbehelligt, solange sie das Land nicht verlassen.

Schweigen in Hamburg

In Hamburg werden die Mitarbeiter nur kurz in Kenntnis gesetzt. Zwei Mitarbeiter seien in den USA verhaftet worden. Die Vorwürfe gegen die Firma seien haltlos. Von weiteren Fragen bitte man abzusehen, von einer Kontaktaufnahme zu Gies­selbach und Böhm auch. „Es gab nur wenig Infos“, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin.

„Das Thema wurde bei uns totgeschwiegen.“ Auch, dass Mitarbeiter von Interpol gesucht wurden. „Die taten, als wäre nichts geschehen.“ Den Mut nachzufragen habe niemand aufgebracht. Mit Alexander Wolff sei das Klima deutlich abgekühlt, erinnert sich ein Mitarbeiter, der unter drei Generationen gearbeitet hat. Dass Kollegen fallen gelassen werden, hätte es früher nicht gegeben. Und auch nicht solche Praktiken.