PodcastLauda-Chef Wobser: „Im Silicon Valley habe ich Deutschland bemitleidet“

Seit 2003 ist Gunther Wobser geschäftsführender Gesellschafter bei Lauda
Seit 2003 ist Gunther Wobser geschäftsführender Gesellschafter bei LaudaLauda

Wenn Labore oder Produzenten bei der Herstellung ihrer Waren exakte besonders hohe oder niedrige Temperaturen benötigen, kommen häufig die Maschinen von Lauda zum Einsatz. In seiner 65-jährigen Unternehmensgeschichte hat sich das Kühltechnikunternehmen aus Lauda-Königshofen zu einem der weltweit wichtigsten Anbieter von Geräten zur Temperaturregulierung in der Industrie entwickelt. Für Gunther Wobser, geschäftsführender Gesellschafter von Lauda, kein Grund sich auf dem Erfolg auszuruhen. „Es gibt in Deutschland eine Tendenz, am Bestehenden festzuhalten. Wenig Bereitschaft für Neues“, sagt Wobser im Podcast „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“.

Auch sein Unternehmen war da keine Ausnahme. „Ich habe schon erlebt, wie schwierig es ist, neue Technologien im Unternehmen einzuführen“, sagt er. Dass es auch anders gehen kann, erlebte Wobser vor Jahren im Silicon Valley. Lauda hatte dort eine kleine Firma übernommen. Nach kurzer Zeit zog das Unternehmen nach Portland, der CEO blieb aber im Silicon Valley. „So war ich dann einige Male da und habe Bekanntschaft mit der Gegend geschlossen“, erinnert sich Wobser.

2017 fasste er schließlich den Entschluss, mit seiner Familie für ein Jahr an den Hightech-Standort zu ziehen und dort ein Innovationslabor aufzubauen. „Ich wollte irgendwie den Raum schaffen, wo man neue Dinge ausprobiert“, so der Lauda-Chef. Nach seiner Rückkehr baute Wobser ein deutsches Pendant des Innovationslabors auf.

„Zeit der Innovation Labs eigentlich vorbei“

Die eigene Firma namens New Degree habe dabei ganz bewusst keine namentliche Nähe zum Kernunternehmen, sondern ist eigenständig. „Ich weiß schon, dass die Zeit der Innovation Labs eigentlich vorbei ist“, sagt Wobser. „Es kommt aber darauf an, wie man es inhaltlich ausgestaltet.“ Im Fall von Lauda und New Degree herrsche dabei eine gewisse Arbeitsteilung: Während Judy Grey für die methodische und inhaltliche Federführung zuständig sei, entwickle und vermarkte die Kernorganisation die Produkte, sagt Wobser.

Neben einem weiteren Unternehmen hat der Lauda-Chef aber auch einige Rituale und neue Perspektiven aus dem Silicon Valley mitgebracht. Dazu gehörten regelmäßige „Townhall Meetings“ mit der gesamten Belegschaft, mehr direkter Austausch mit den Mitarbeitern und spezielle Firmenkleidung. „Das fand ich eigentlich auch sehr cool, dass man sich stärker mit der Firma identifiziert und letztendlich über solche Maßnahmen auch die Unternehmenskultur positiv beeinflusst“, sagt Wobser.

Er selbst schaue seit dem Jahr in den USA anders auf die deutsche Wirtschaft. „Im Silicon Valley habe ich Deutschland bemitleidet“, sagt Wobser. „Jetzt finde ich viele Dinge an Deutschland gut.“ Zwar habe man im Mittelstand „ein bisschen verlernt, Risiken einzugehen“, trotzdem stecke das Unternehmerische noch immer in vielen mittelständischen Unternehmen. Allerdings habe sich auch die Entwicklung von Innovationen verändert, die mittlerweile viel stärker vom Kunden ausgehe, sagt Wobser. Für Unternehmen sei es deshalb wichtig, die Balance zwischen Technologie und Markt zu halten.

Auf welche Änderungen sich Lauda für die Zukunft einstellt und welche Tipps er für Besucher hat, die erstmals in Lauda-Königshofen und im Silicon Valley sind, erzählt Gunther Wobser im Gespräch mit Tobias Rappers, Managing Director von Maschinenraum, und Nils Kreimeier, leitender Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Capital. Alle Folgen von „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“ finden Sie bei Audio NowApple Podcasts, und Spotify.


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