PorträtJared Kushner - der Trump‑Flüsterer

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Mogul im weitesten Sinne

Kushner verlagerte Kushner Companies aus dem unglamourösen Florham Park in New Jersey an die Fifth Avenue in Manhattan. 2007 kaufte er den Büroturm 666 Fifth Avenue in der Nähe des Rockefeller Centers für 1,8 Mrd. Dollar. Ein Rekordpreis, der Großteil des Geldes war geliehen.

Dann kam die Krise, und das Geschäft erwies sich als Verlust. Die Refinanzierung kostete ihn fast die Hälfte der Firmenanteile. Dennoch: Seit er eingestiegen ist, ist das Unternehmen rasant gewachsen. Er verkaufte alle Immobilien in New Jersey und konzentrierte sich auf New York. Seit 2007 hat er nach eigenen Angaben Deals im Wert von 14 Mrd. Dollar abgeschlossen. Zum Imperium gehören heute 20.000 Wohnungen, 1,2 Millionen Quadratmeter Büro-, Hotel-, Industrie- und Ladenflächen.

Nach außen hin bleibt Kushner, anders als Trump, immer bescheiden. Bei einem Interview mit CNBC nach dem Kauf des „Observer“ und des ersten Hochhauses sagte der Moderator: „Sie sind noch in den Zwanzigern und schon jetzt ein Mogul.“ Kushner antwortete: „Sie verwenden den Begriff im sehr weiten Sinne.“

Kushner Companies ist ein Familienbusiness ähnlich dem Trump-Imperium: Charles erscheint noch immer ständig im Büro, auch seine Frau, Jareds Mutter, kommt oft zu Meetings. Jareds Schwester Nicole hat eine Führungsrolle, ihr Mann ist der Chef von Jareds „Observer“.

Jared Kushner und Ivanka Trump
Glamourpaar: Jared Kushner und Ivanka Trump sind seit 2009 verheiratet
© Getty Images

Kushner ist gläubiger Jude. Nach der Hochzeit mit Ivanka 2009 – bei der auch Hollywoodstars wie Russell Crowe und Natalie Portman unter den Gästen waren – trat Ivanka zum Judentum über. „Ich finde, dass das Judentum eine wunderbare Blaupause für Familienzusammenhalt gibt“, sagte sie dem Magazin „Vogue“. „Von Freitag bis Samstag tun wir nichts außer Zeit miteinander zu verbringen. Wir telefonieren nicht einmal.“

Auch Donald Trump profitierte von dem Glaubenswechsel: Er ist das beste Argument gegen den Vorwurf, er sei Antisemit. Einmal teilte er im Wahlkampf bei Twitter ein Bild, das Hillary Clinton vor einem Haufen Dollarscheinen und einem roten Davidstern montiert zeigte. In dem sechszackigen Stern stand „Die betrügerischste Kandidatin aller Zeiten“. Das Bild verbreitete sich auf Websites der Ultrarassisten und kam nicht gut an bei Amerikas Juden. Doch Kushner verteidigte ihn – mit dem Leitartikel im „Observer“, seiner einzigen öffentlichen Äußerung im Wahlkampf überhaupt. Der Tweet sei ein „kleiner Fehler“, Trump sei kein Antisemit und Rassist.

„Meine Tochter ist jüdisch. Meine Enkel sind jüdisch. Und ich liebe sie“, sagte Trump. Dazu ist er offenbar überzeugt, dass Kushner eine wichtige Rolle dabei spielen kann, den Nahostkonflikt zu lösen. „Er kennt die Region, er kennt die Leute, er kennt die Player“, sagte Trump der „New York Times“. Die meisten Player, die die Zeitung anschließend nach Kushner fragte, hatten allerdings nie von ihm gehört.

Kein Rücktritt

Wie es nun weitergeht mit Kushner und Trump? Möglicherweise wird es gar nicht leicht für Trump, seinen Schwiegersohn so eng ans Weiße Haus zu binden, wie es beiden vorschwebt. Kushner geht offenbar davon aus, dass er die Gesetze gegen Vetternwirtschaft bereits einhält, wenn er bei seinem Job im Weißen Haus auf ein Gehalt verzichtet. Viele Berater und Anwälte aber sehen das anders. Laut einem Gesetz von 1967 darf kein Amtsträger ein Familienmitglied, auch kein angeheiratetes, für ein Amt anheuern, über das er Entscheidungsbefugnis hat.

Das Gesetz „dürfte Kushner blockieren“, sagt Norman Eisen, der Barack Obama zu Beginn seiner Amtszeit bei der Korruptionsbekämpfung beraten hat. Viele Trump-Kenner glauben, Kushner werde einfach inoffizieller Berater, wenn er kein offizielles Amt bekomme. Aber selbst das verstoße bereits gegen das Gesetz, erklärte Eisen der „New York Times“: „Wenn es hart auf hart kommt, bei den schwierigsten Entscheidungen, vor denen ein Präsident stehen kann, will man, dass seine Berater sich daran erinnern, dass ihr Schwur auf die Verfassung zuerst kommt – vor Familienbanden“, sagte er. „Man muss Nein sagen können. Man muss auf seinem Standpunkt beharren können. Man muss mit Rücktritt drohen können. Man muss tatsächlich zurücktreten können. Bloß kann man nicht zurücktreten vom Dasein als Schwiegersohn.“

Das Porträt von Jared Kushner ist zuerst in Capital 01/2017 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon