TechnologieKünstliche Intelligenz - Hype oder Hoffnung?

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500.000 Dollar Einstiegsgehalt

Es dauerte trotzdem bis zum Beginn der 2010er, bis das Thema KI Fahrt aufnahm. Grund waren zwei Entwicklungen: Erstens waren nun Unmengen an Daten vorhanden, die ein neuronales Netz zum Training benötigt. Und zweitens waren die Rechenchips so leistungsfähig, dass sie komplexe Netze mit einer Vielzahl von Daten auch berechnen konnten.

Schmidhubers Team war eines der ersten, das neue Netzarchitekturen entwickelte und damit vor allem im Bereich der Bilderkennung revolutionäre Ergebnisse erzielte.

Dies war der Auslöser für den aktuellen KI-Aufschwung. Die Forschung hat seither massive Fortschritte erzielt, allerdings beschränken sich die Einsatzgebiete noch immer vor allem auf kognitive Fähigkeiten: Spracherkennung, Verfassen standardisierter Texte, Entzifferung von Handschriften, maschinelle Übersetzung, Bilderkennung. All das kann KI auf höchstem Niveau leisten – Fachidioten mit Inselbegabung, sozusagen. Wovon die KI noch weit entfernt ist: unbekannte Probleme lösen, selbstständig weiterdenken, abstrahieren und generalisieren.

Und trotzdem haben die Fortschritte Investoren und Firmenlenker auf der ganzen Welt elektrisiert. Der Analysedienst CB Insights hat seit 2012 mehr als 2300 Deals in der KI-Branche gezählt. Besonders aktiv sind die großen Techkonzerne, allen voran Google, Facebook, Amazon, Microsoft und Apple sowie die chinesische Internetfirma Baidu. Die 35 größten Technologieunternehmen haben nach Schätzung von McKinsey allein 2016 zwischen 20 und 30 Mrd. Dollar in KI investiert. „Wir durchtränken alles, was wir liefern, mit KI“, sagt Microsoft-Chef Satya Nadella.

Um die besten Köpfe ist ein irrer Wettstreit entstanden, selbst Berufsanfänger können im Silicon Valley mit Gehältern zwischen 300.000 und 500.000 Dollar rechnen, wenn sie sich mit Deep Learning auskennen. An den Informatikfakultäten wird regelrecht gewildert. 2015 kaufte der Fahrdienst Uber auf einen Schlag 40 der 100 Wissenschaftler vom Robotikzentrum der Carnegie Mellon University in Pittsburgh weg.

Die wohl aggressivste KI-Strategie verfolgt Google, ein Unternehmen, das sich laut CEO Sundar Pichai nicht mehr als „mobile first“, sondern als „AI first“ versteht. 2014 übernahm Google das Londoner KI-Start-up Deepmind für 400 Mio. Pfund. Zwei Jahre später machte die Tochterfirma Schlagzeilen, als ihr Algorithmus im chinesischen Spiel Go gegen den besten Spieler der Welt gewann. Mitte Oktober kam der nächste Streich: Deepmind verkündete, dass eine neue Version des Programms nur mit den Spielregeln gefüttert wurde – fortan gegen sich selbst spielte und nach nur drei Tagen auf das gleiche Niveau kam.