ExklusivHohe Beraterhonorare für Ex-KTG-Agrar-Vorstand

Der Pleitekonzern KTG Agrar hat einem ehemaligen Vorstand noch in der Insolvenz mehrere Hunderttausend Euro Beratungshonorare überwiesen. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin Capital unter Berufung auf interne Buchungsunterlagen des Unternehmens. Demnach bekam Ex-KTG-Vorstand Bert Wigger als Berater der Sanierer allein zwischen Ende August und Anfang Oktober ein Honorar von mehr als 160.000 Euro. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, verdiente Wigger als freier Berater während des Insolvenzverfahrens doppelt so viel wie früher als Konzernvorstand mit allen Haftungsrisiken. Darüber hinaus kassierte er als Vermittler bei dem Verkauf eines KTG-Standorts in Brandenburg mindestens 230.000 Euro.

Capital-Cover 01/2017
Die neue Capital erscheint am 15.12.

Die Verpflichtung eines Ex-Vorstands als Berater und die Höhe des Honorars seien „gänzlich ungewöhnlich“, sagte der emeritierte Professor für Wirtschafts- und Insolvenzrecht Hans Haarmeyer dem Magazin. Die Zahlungen bezeichnete er als „Vernichtung von Liquidität zulasten der Gläubiger“. Von der KTG-Pleite betroffen sind unter anderem rund 12.000 Zeichner mehrerer Unternehmensanleihen, deren Papiere praktisch wertlos geworden sind.

Der Hamburger Rechtsanwalt Stefan Denkhaus, der nach dem Insolvenzantrag der KTG-Konzernholding Anfang Juli als Sachwalter das Kommando übernahm, verteidigte die Verpflichtung des früheren Topmanagers als Berater. Nach dem Ausscheiden des langjährigen KTG-Chefs Siegfried Hofreiter habe man „eine Lücke im Agrarbereich“ füllen müssen, um Schaden von den Gläubigern abzuwenden, sagte Denkhaus auf Capital-Anfrage. Ex-Vorstand Wigger sei ein Kenner der KTG-Strukturen und „insbesondere bei der Unterstützung des M&A-Prozesses als Landwirtschaftsexperte“ aktiv gewesen. In solchen Krisensituationen sind nach Denkhaus’ Angaben Tagessätze von 2500 Euro für Berater üblich. Der mit Wigger vereinbarte Tagessatz habe deutlich unterhalb dieses Satzes gelegen. Wigger selbst sagte: „Nach meiner Auffassung ist der von mir in Rechnung gestellte Tagessatz unterhalb der Branchenüblichkeit.

Rechnungen einen Tag vor dem Insolvenzantrag

Wigger, der eigentlich aus der Immobilienbranche kommt, hatte das börsennotierte Unternehmen nach vier Jahren als Vorstand im September 2015 verlassen. Für die Vermittlung eines Käufers für den KTG-Betrieb im brandenburgischen Falkenhagen war er wenige Wochen vor der Pleite noch von Ex-Chef Hofreiter eingeschaltet worden. Damals versuchte Hofreiter verzweifelt, Geld aufzutreiben, um die Pleite noch abzuwenden.

Wie die Buchungsunterlagen belegen, stellte Wigger den Großteil seiner Rechnungen für seine Vermittlung bei dem millionenteuren Verkauf des KTG-Standorts Falkenhagen am 4. Juli – just einen Tag, bevor Hofreiter für den Konzern Insolvenzantrag stellte. Adressaten der Honorarrechnungen waren mehrere zunächst nicht von der Insolvenz der Holding KTG Agrar SE betroffene KTG-Tochterfirmen, die bis Ende August unter dem Buchungsvermerk „Bert Wigger/Vermittlung Anteile Falkenhagen“ jeweils Teilbeträge an den ehemaligen Topmanager überwiesen. Zwei dieser Unternehmen meldeten wenig später ebenfalls Insolvenz an.

Sachwalter Denkhaus und Sanierungsvorstand Jan Ockelmann hatten nach dem Insolvenzantrag der KTG Agrar SE Anfang Juli das Kommando bei dem mit fast 400 Mio. Euro überschuldeten Unternehmen übernmommen. Kurz darauf setzten sie KTG-Chef Hofreiter vor die Tür, weil sie für einen Neuanfang mit dem Gründer keine Chance sahen. Wie Capital-Recherchen zeigten, basierte das verästelte Hofreiter-Imperium auf Vetternwirtschaft und alten Seilschaften – für die Sanierer eine „Blackbox“. Bei einer Pressekonferenz und auf der Gläubigerversammlung Anfang Oktober stellten sie den Managern, die unter Patriarch Hofreiter gearbeitet hatten, ein desaströses Zeugnis aus. Umso erstaunlicher, dass ihnen die Expertise eines dieser Manager viel Geld wert war.

Die ganze Geschichte über Ex-Vorstand Wigger und die Rolle des KTG-Käufers Gustav-Zech-Stiftung lesen Sie ab dem 15. Dezember in der neuen Capital. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon