ExklusivKTG-Agrar-Gläubiger gehen weitgehend leer aus

Die börsennotierte KTG Agrar war Deutschlands größter Landwirtschaftskonzern – bis im Juli 2016 dubiose Geschäfte aufflogenKTG Agrar

Drei Jahre nach der Pleite des Landwirtschaftskonzerns KTG Agrar zeichnet sich ab, dass die mehr als 10 000 Anleihegläubiger ihre Forderungen weitgehend abschreiben müssen. Das ergibt sich aus dem Vergleich, den Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus kürzlich mit den früheren Vorständen und Aufsichtsräten sowie deren Haftpflichtversicherern geschlossen hat. Nach Informationen von Capital aus Verfahrenskreisen ist durch die außergerichtliche Einigung nur ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag geflossen. Denkhaus hatte die Ex-KTG-Führungskräfte zuvor auf die Zahlung von 189 Mio. Euro verklagt. Ursprünglich lag seine Forderung sogar noch höher.

Über mehrere Mittelstandsanleihen hatte der einstige Börsenstar KTG Agrar knapp 350 Mio. Euro bei Anlegern eingesammelt. Im Juli 2016 meldete das Unternehmen Insolvenz an – laut Denkhaus ein Jahr zu spät, da es schon im Sommer 2015 überschuldet gewesen sei. Für die teils dubiosen Transaktionen, die der Konzern bis zum Insolvenzantrag noch abwickelte, wollte der Insolvenzverwalter den langjährigen Konzernchef Siegfried Hofreiter sowie sieben frühere Vorstände und Aufsichtsräte in Haftung nehmen.

In der Vergangenheit hatte Denkhaus erklärt, Ansprüche aus der sogenannten Organhaftung seien „die größte Einzelposition“, die sich im Insolvenzverfahren zugunsten der Gläubiger verwerten lasse. Die Summe, auf die er sich nun mit den Versicherern Allianz und Dual geeinigt hat, liegt aber auch deutlich unterhalb jener 20 Mio. Euro, die Denkhaus den Gläubigern kurz nach der Pleite in Aussicht gestellt hatte. Bei den beiden Versicherern hatte der Konzern eine Haftpflichtpolice für seine Top-Manager abgeschlossen. Die sogenannte D&O-Versicherung deckt im Fall KTG Schäden bis zu 40 Mio. Euro.

Nur geringe Erlöse aus Verkäufen

Auf Anfrage von Capital wollte sich Denkhaus unter Verweis auf Verschwiegenheitspflichten nicht zu dem konkreten Inhalt des Vergleichs äußern. Allgemein erklärte er, die Gläubiger könnten mit einer anteiligen Rückzahlung rechnen, „deren Höhe vom weiteren Verfahrensverlauf abhängig ist“. Der Insolvenzverwalter betonte, es gebe „weitere Positionen“, aus denen Geld für die Gläubiger „generiert werden kann und soll“. Die werthaltigen Teile des Konzerns hatte Denkhaus allerdings bereits in den Monaten nach der Insolvenz verkauft – unter anderem an die Bremer Zech-Gruppe. Die bekannt gewordenen Erlöse liegen in der Summe bei unter 15 Mio. Euro.

Ungeachtet des Vergleichs läuft ein Strafverfahren gegen Hofreiter und andere Ex-Vorstände weiter. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen 17 Beschuldigte. Im vergangenen Jahr hatte die Staatsanwaltschaft im Rahmen ihrer Ermitlungen eine groß angelegte Razzia bei früheren KTG-Verantwortlichen durchgeführt. Unterdessen baute Ex-Chef Hofreiter zuletzt bereits an einem neuen Agrar-Reich – ganz nach dem Vorbild KTG.