GastbeitragWer gewinnt das Rennen um die Blockchain-Revolution?

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Symbolbild: Blockchain Getty Images

Kryptowährungen wie Bitcoin könnten als Zahlungsmittel genutzt werden. Doch obwohl vor mehr als acht Jahren die erste Transaktion, Bitcoin gegen Pizza, stattfand, bleibt Bitcoin ein Zahlungsmittel für Tech-Enthusiasten. Zwar haben Kryptowährungen das Potenzial, Gastarbeitern grenzüberschreitende Transaktionen zu erleichtern, doch eine hohe Nutzeradaption blieb auch hier aus. Gleiches gilt für die weltweit mehr als eine Milliarde Menschen ohne Bankkonto und oft auch ohne Personalausweis in den Entwicklungsländern. De facto nutzt heute kaum jemand Kryptowährungen als Zahlungsmittel.

Am Anfang der 1990er-Jahre träumten einige Computerexperten mit der Entstehung des Internets von einer neuen Gesellschaft. Dank dem Zugang aller zu allen Informationen glaubten manche an eine neue, bessere Gesellschaft. Doch die privaten Unternehmen kontrollieren heute, ganz im Gegensatz zur ursprünglichen Utopie, mit ihren privaten Ökosystemen den Informationszugang.

Den Krypto-Enthusiasten droht ein ähnliches Schicksal. Die Skalierbarkeit der Kryptowährungen bleibt aufgrund technischer Hürden und ebenso mangels Nutzerzahlen gering. Ebenso ist das Aufrechterhalten von großen Computernetzwerken, eine technische Voraussetzung für die Existenz von Kryptowährungen, extrem teuer.

Folglich dürften nur wenige Kryptowährungen überleben. Doch anstatt sich auf komplementäre Projekte zu konzentrieren, liebt die Community die Erschaffung nahezu identischer Kopien. Aktuell existieren über 2000 Kryptowährungen.

Unternehmen schaffen Fakten

Faktisch raubt die Community sich so Zeit und Ressourcen. So vielversprechend der Traum einer dezentralen Gesellschaft ist, könnten erneut, wie bei der Entwicklung des Internets, private Unternehmen die Open Source-Projekte in den Schatten stellen.

Es fällt auf, dass sich gerade Unternehmen aus der klassischen Finanzwelt, die ursprünglich durch die Erschaffung von Bitcoin attackiert werden sollten, intensiv mit dem Thema Blockchain auseinandersetzen. So arbeitet etwa ein breites Bankenkonsortium an der Einführung des Utility Settlement Coin (USC).

Dieser soll, im Interbankenmarkt bestehende Fiat-Währungen auf der Blockchain abbilden, um so das Settlement von Transaktionen schneller und kosteneffizienter abwickeln zu können. Dabei ist der USC vollständig durch die jeweilige Fiat-Währung gedeckt. Die viel diskutierten Nachteile bestehender Kryptowährungen wie Anonymität sowie hohe Volatilität würden somit eliminiert.

In einem späteren Schritt sollen hiervon auch Unternehmen profitieren können. Ein weiteres Beispiel ist die Flugverspätungsversicherung Fizzy der Axa. Sie wertet internationale Flugverkehrsdaten aus und entschädigt den Fluggast dank eingebautem Smart Contract bei einer Verspätung von mehr als zwei Stunden automatisch.

Wo entsteht die erste massentaugliche App?

Es gibt jedoch auch eine Vielzahl von Projekten außerhalb des klassischen Finanzsektors. Ein Beispiel hierfür ist Kodak One, bei dem Fotografen und Agenturen auf Basis der Blockchain-Technologie die volle Kontrolle über ihre Bildrechte zurückerhalten sollen. Auch die Deutsche Bahn arbeitet intensiv daran, hunderte von Bahnunternehmen über eine Blockchain zu koordinieren und abzuwickeln.

Damit liegen die Ursprünge der Blockchain-Technologie zwar eindeutig im Zahlungsverkehr, doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die erste wirklich massentaugliche App von einem Unternehmen aus einem völlig anderen Bereich entwickelt wird. Ob dadurch jedoch der ursprüngliche Gedanke einer Blockchain-basierten dezentralen Gesellschaft erreicht wird, bleibt zunächst noch dahingestellt.