KommentarDaimler - anschnallen fürs Ungewisse

Konzernumbau bei den StuttgarternGetty Images

Es war ein kleiner Nebensatz, in dem die im Grunde wichtigste Botschaft steckte: Als der Daimler-Konzern am Montag Pläne für seinen Umbau und eine Aufspaltung der Geschäftsfelder bekanntgab, sprach auch Michael Brecht, der Chef des Gesamtbetriebsrats. Es gehe um eine Vorwärtsstrategie, so Brecht. Die künftig selbstständigen Lkw- und Pkw-Sparten könnten dann leichter mit anderen Unternehmen kooperieren.

Im Kern steht also eine Frage, die gerade die gesamte deutsche Automobilindustrie umtreibt: Wie können die Konzernbereiche genug Freiheit bekommen, um wirklich flexibel reagieren zu können? Wie können aus den erfolgreichen, aber auch immer noch schwerfälligen Industrietankern Unternehmen werden, die schnell reagieren, sich ihre Kooperationspartner selbst suchen und neues ausprobieren? Die also im Idealfall aus lauter kleinen Teslas bestehen, nur eben bitte auch profitabel.

Volkswagen hat ähnliches mit seiner Strategie 2025 begonnen, bei BMW heißt es „Number One Next“. All das sind, das hat auch Daimler-Mann Brecht deutlich gemacht, keine klassischen Restrukturierungsprogramme. Auch wenn wie bei Volkswagen durchaus Stellen abgebaut werden. Den Unternehmen geht es ja im Kern gut, sie operieren mit Rekordabsatzzahlen. Die Daimler-Aktie stieg nach den Ankündigungen vom Montag – aber sie befindet sich ohnehin seit dem Sommer in einem stetigen Aufwärtstrend.

Bei E-Autos verkalkuliert

Das eigentliche Ziel ist nicht Sanierung, sondern Vorbereitung für eine ungewisse Zukunft. Denn auch wenn die Automanager selbstbewusst vom anbrechenden Elektrozeitalter, den Visionen des Autonomen Fahrens und dem vernetzten Auto sprechen: Niemand, wirklich niemand weiß genau, wohin die Reise geht. Wie unsicher Voraussagen sein können, zeigt schon die binnen kürzester Zeit komplett veränderte Debatte über Elektroautos. Noch vor kurzem gingen der Daimler-Chef und andere davon aus, dass die Stromer bis 2025 allenfalls einen Marktanteil von drei Prozent erreichen könnten. Nun gelten 15 Prozent und mehr als denkbar, und alle arbeiten fieberhaft an neuen Modellen.

Es gibt keine Garantie dafür, dass sich auch das nicht wieder dreht. Politische Einflüsse können sich ändern, wenn neue Regierungen ans Ruder kommen. Autos können attraktiver werden, wenn neue Techniken aus Batterieentwicklung und Digitalisierung sich durchsetzen.

Vielleicht mehr als je zuvor haben es die Automanager mit dem Grundproblem einer Marktwirtschaft zu tun: einer unsicheren Zukunft. Es ist nicht die schlechteste Idee darauf zu reagieren, indem man seinen Leuten mehr Freiheit einräumt.