SelbstversuchKontaktloses Bezahlen: „Es muss piepen! Es muss piepen!“

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Berlin, Motel One

Aber eben nur fast: Geschrieben werden muss der Artikel auch noch, und zwar in der Lobby des Hotels „Motel One“ unweit des Reichstags, wo ich parallel zum Tippen dieses Artikels ein alkoholfreies Weizenbier trinke. „Kann ich das kontaktlos bezahlen?“ Der Kellner ist begeistert. „Aber klar! Mit so einer Applewatch?“, erkundigt er sich gleich, als ich mit meinem Handgelenk näher komme. „Nein, mit einem simplen „Wearable“ mit Kontaktlosfunktion“, muss ich ihn etwas enttäuschen.

Terminal raus, Handgelenk drauf – „Vorgang abgebrochen“ erscheint im Display nach einigen Sekunden, flankiert von einem Ton aus dem kleinen, mobilen Terminal, der an das „Leider verloren“-Geräusch bei einem Computerspiel erinnert. Also Wechsel auf eine andere Karte – und tröstende Worte: „Das machen hier aber immer mehr Leute mit ihren Handys!“, berichtet mir der interessierte Barkeeper und gerät beim Smalltalk ins Grübeln. „Da kann doch theoretisch einer mit einem Lesegerät durch die Gegend laufen und einfach die Kohle absaugen von den Leuten, die sowas in ihren Handys und Geldbörsen oder am Arm haben“, erklärt er mir. Lustig: Genau dieses Szenario haben mir schon einige Bekannte geschildert.

Wie fällt mein Fazit aus? Wenn von 13 Kontaktlos-Versuchen am so genannten „Point of Sale“ , wie es so schön heißt im Bezahlmarkt, lediglich vier erfolgreich sind und neun nicht klappen oder diese Funktionalität nicht bieten, mag das gewiss nicht repräsentativ sein.

Aber gemessen daran, dass ich an stark frequentierten Orten unterwegs war – in Metropolen, am Bahnhof – ist die Bilanz kein Ruhmesblatt für Banken und Handel – zumindest dann nicht, wenn kontaktloses Bezahlen in Deutschland über einige Einzelhandelsketten und Drogeriemärkte hinaus populärer werden soll.

Zugegeben: ich nutze auch im privaten Alltag oft die Kontaktlos-Funktion. Zwei Dinge fallen mir dabei auf: Erstens gibt es Ketten, die sehr routiniert mit der Möglichkeit umgehen, deren Kassenpersonal Bescheid weiß – etwa im Einzelhandel oder in Drogeriemärken. Zweitens: Seitens des Kassenpersonals gibt es – auch wenn hier Binsengefahr besteht – große demografische Unterschiede: Jüngere Leute sind oft interessiert an dieser Technologie, stellen sogar offensiv fragen, sind neugierig. Andere wirken, als hätten sie davon noch nie gehört.

Aber wenn selbst „Early Adopter“ mit einer Kette von Enttäuschungen konfrontiert werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, es lieber bei Versuchen zu belassen – und zu warten, bis die Technologie nicht punktuell, sondern in der Breite nutzbar ist, Mehrwert bietet und hoher Verlässlichkeit läuft. Und ich nicht überlegen und versuchen muss, wie man ein Bezahlmedium hält, damit es auch „piept“.

Anmerkung: In zwei Fällen (Motel One, Zeitschriftenladen) hat das kontaktlose Bezahlen mit dem „Wearable“ nicht funktioniert, allerdings dann in einem neuen Anlauf mit einer weiteren Kreditkarte mit Kontaktlos-Funktion.