SelbstversuchKontaktloses Bezahlen: „Es muss piepen! Es muss piepen!“

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München Hauptbahnhof, Gosch Sylt

Nun gut, ökologisch ist es vielleicht fragwürdig, in München Fisch zu essen statt lokaler Spezialitäten. Aber mir ist am späten Mittag einfach danach. Also gehe ich zu „Gosch Sylt“ im Hauptbahnhof für einen schnellen Snack. Auch hier fällt mir gleich die Verlockung des bargeldlosen Zahlens ins Auge – allerdings, wie schon im WC, mit einer Insellösung, deren Vorteil sich mir intuitiv nicht erschließt. „Jetzt hier bargeldlos zahlen – Bluecode – App downloaden und loslegen“ steht auf einem Display an der Theke.

Vielleicht ist das eine tolle App. Aber mit Sack und Pack in einer Schlange und im Stehen am Hauptbahnhof mal eben eine „App downloaden“ und eben nicht „loslegen“, sondern sich vermutlich erst registrieren und ein Zahlungsmittel hinterlegen müssen – eine merkwürdige Vorstellung.

Also sage ich meinen Spruch auf: „Kann ich kontaktlos zahlen?“ Die Dame hinter der Theke sieht mich an, als hätte ich ihr gerade den Krieg erklärt. „Da muss ich das Terminal erst mal suchen“, entfährt es ihr. Es folgt ein Duell wie einst zwischen dem von Robert de Niro gespielten Travis Bickle und seinem Spiegelbild in „Taxi Driver“: Jeder wartet gespannt, bis sich der andere bewegt. Beide erstarren. Wer gibt jetzt nach, wer verliert? „You make the move, you make the move“, sagte Bickle im Film. Sekunden werden zur Ewigkeit.

Ich mache den Move. Ich verliere. „Okay, dann zahl’ ich’s bar“ – klarer Punktsieg für die Verkäuferin, die zufrieden mit dem Scheinchen in der Hand die Kasse bedient.

Meine Bilanz hat sich verschlechtert: zehn Versuche, dreimal Erfolg.

Berlin Hauptbahnhof, Rossmanns Drogeriemarkt

Ich kann mir merken, wer die Torschützen des 1. FC Köln im Spiel gegen den SC Freiburg im September 1993 waren. Aber meine iPhone-Ladekabel verteile ich, einem Eichhörnchen gleich, das seine Nüsse nicht wiederfindet, über Büros, Hotels, Züge und die Wohnungen von Freunden. Also muss ich einmal mehr ein iPhone-Ladekabel in einem Drogeriemarkt kaufen (dort gibt es sie am billigsten, wie ich als Stammkäufer der Kabel herausgefunden habe).

Die 7,99 Euro will ich an der Kasse kontaktlos zahlen und – touché – es geht problemlos und ohne Umstände, die Verkäuferin wirkt sehr routiniert. Machen das viele hier, frage ich noch? „Immer mehr“, sagt sie, ohne mich anzusehen – und scannt die nächsten Artikel. Kein Wunder: Ein Dutzend Leute stehen in der Schlange, hier muss es auch möglichst flott gehen, und das sieht offenbar auch die Drogeriekette so.

Berlin, McDonald’s

Bitte nun keine Belehrungen über Essgewohnheiten, aber nach dem langen Tag müssen vor dem Weg ins Hotel ein Anstandssalat und ein Cheeseburger her. Ab in einen McDonald’s. Da war ich zwar seit einer Ewigkeit nicht mehr, aber mein Test ist ein willkommener Anlass.

Ich tippe in ein mannsgroßes Display meine Bestellung ein, die Menüführung folgt zwar nervigerweise dem Prinzip „Upselling“ wo es nur geht, aber nun gut. Es geht an das Bezahlen nach gefühlt 50 Fingerstrichen auf dem Display. Wenn man hier nicht kontaktlos zahlen kann, wo sowieso nur Kartenzahlung möglich ist – an einem Display – wo dann?

Pech gehabt: „Karte nicht zugelassen“ heißt es in dem Bezahlfenster, nachdem ich mein Handgelenk vor das Bezahlterminal gehalten habe. Der guten Ordnung halber versuche ich das ganze noch dreimal – aber keine Chance. Eine andere Karte muss her. Klassisch klappt das ganze dann mit Girocard und Geheimzahl.

Fast der Endstand: Zwölf Versuche, viermal Erfolg. Macht eine Quote von 33 Prozent.