SelbstversuchKontaktloses Bezahlen: „Es muss piepen! Es muss piepen!“

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ICE Frankfurt-München

Rein interessehalber statte ich dem Bordbistro einen Blitzbesuch ab. Ich will zwar nichts kaufen, aber wissen, ob ich denn einen Kaffee und ein Croissant auch kontaktlos bezahlen könnte, wenn ich wollte. Bislang kann man, eine Besonderheit, in Bordbistros nicht mal mit der Girocard zahlen. Antwort: Nein, könnte ich nicht – aber bald vielleicht. Es liefen dazu Versuche, klärt mich ein netter Mitarbeiter auf. Bald folge der landesweite „Rollout“, wie es so schön heißt.

Ich bin ein wenig ernüchtert: Fünfmal habe ich nun geprüft, ob ich kontaktlos bezahlen kann. Genau einmal ging es und es funktionierte auch. Mein Verdacht: Wenn Banken und die Cashless-Lobby beim Kunden punkten wollen, ist noch ein bisschen was zu tun in Sachen Verfügbarkeit. Mein Praxistest steht jedenfalls in einem merkwürdigen Kontrast zu den vielen Jubelmeldungen über das Kontaktlos-Bezahlen, die mich über Pressemitteilungen erreichen. Das deckt sich – zugegeben – auch mit meiner sonstigen Alltagserfahrung: Verbreitet und bekannt ist die Möglichkeit nur bei einigen wenigen großen Ketten im Einzelhandel, aber praktisch wäre sie ja genau da, wo man eilig Kleinstbeträge zahlen muss.

München Hauptbahnhof

Pünktlich rollen wir in München ein. Da ich noch kein Frühstück hatte und folglich Hunger, muss etwas zu Essen her. Schon vom Gleis aus sehe ich einen großen Bäcker gleich am Eingang zur Bahnhofshalle. Ein Bäcker namens Rischert – „Münchener Backkunst seit 1883“ – offeriert quasi in 1a-Lage des Bahnhofs eine große Auslage an Brezeln, Brot und Gebäck. Ich bestelle einen Butterbrezel und lasse meine inzwischen eingeübte Frage fallen: „Kann ich das kontaktlos zahlen?“ Die Frage amüsiert den Verkäufer sichtbar. „Kontaktlos? Hier kann man nicht mal mit Karte zahlen“, erklärt er mir freimütig. „Nur cash!“, sagt er. Also bezahle ich bar und gehe Richtung S-Bahn-Abgang.

München Hauptbahnhof, Yorma’s

Dort erregt aber eine sehr große Werbung des Snack- und Getränkestandes von „Yorma’s“ meine Aufmerksamkeit. „Wir akzeptieren“ steht da auf nicht weniger als fünf großen Displays über der Theke – und drumherum sind die Logos von neun verschiedenen Bezahlmöglichkeiten aufgeführt: Girocard kontaktlos, Visa, Mastercard, V-Pay… Selbst Chinesen können hier für eine Leberkässemmel ihre lokale Kreditkarte „UnionPay“ zücken.

Yorma's bietet viele Bezahlmöglichkeiten
Yorma’s bietet viele Bezahlmöglichkeiten

Mir wird als Vielfahrer der Bahn rasch klar: Diese Kette macht sich nicht nur gefühlt epidemisch breit in deutschen Bahnhöfen. Sie ist auch auf Zack in Sachen Bezahlmöglichkeiten und setzt das offensiv ein.

Also komme auch ich mit meinem Armband durch? Testkauf: Ein belegtes Brötchen muss her. „Kann ich das kontaktlos zahlen?“ „Natürlich“, die Verkäuferin spricht zwar nur sehr gebrochen deutsch, aber geht kurz das Bezahlterminal holen, hält es mir über die Theke – ich halte mein Handgelenk davor – fertig. Binnen zehn Sekunden ist alles bezahlt und ich ziehe weiter Richtung S-Bahn.