SelbstversuchKontaktloses Bezahlen: „Es muss piepen! Es muss piepen!“

Seite: 2 von 6

Frankfurt, Rothschildallee

Mein Tag beginnt früh – um 5:20 Uhr stehe ich an der Straßenbahnhaltestelle und will die Linie 12 zum Hauptbahnhof Frankfurt nehmen. Zwar habe ich eine Zeitkarte. Ich prüfe aber am Fahrkartenautomaten, ob ich denn auch in der Lage wäre, eine Einzelfahrt zu 2,75 Euro kontaktlos zu kaufen. Denn ist nicht gerade das die perfekte Situation für einen raschen Kontaktlos-Kauf: Es ist ein Kleinbetrag, oft muss es schnell gehen, und die Automaten machen oft Ärger mit Scheinen und Münzen? Aber: Fehlanzeige. Der Automat akzeptiert keine Kontaktlos-Zahlung. Die erste Enttäuschung. Zwischenstand: Ein Versuch – einmal gescheitert. Aber der Tag ist ja noch lang – und hält einige amüsante Überraschungen parat.

Frankfurt Hauptbahnhof, Starbucks

Um 5:40 Uhr verlasse ich die Straßenbahn und gehe in die Bahnhofsfiliale von Starbucks. Ein großer Kaffee muss her für gut drei Stunden Zugfahrt. Mit Starbucks-Filialen verbinde ich oft längere Schlangen. Es ist eine Kette, die daher ein besonders großes Interesse daran hat, Tempo in den Bestell- und Bezahlvorgang zu bringen. Gut beobachten konnte ich das schon in London: Dort sind die ganz Eiligen schon einen Schritt weiter und bezahlen nicht kontaktlos, sondern per App, bevor sie die Filiale betreten. Sie müssen sich den Kaffee, beschriftet mit ihrem Namen, anschließend einfach von der Theke greifen. Man muss nicht länger als zehn Sekunden in der Filiale sein, um sein Getränk zu bekommen – der Traum jedes Händlers und eiligen Movers & Shakers, für den Schlange stehen Zeit und Geld kostet.

Bei Starbucks funktioniert das kontaktlose Bezahlen
Bei Starbucks funktioniert das kontaktlose Bezahlen

So weit sind wir in Frankfurt noch nicht. Ein Filterkaffee im mitgebrachten Becher macht 1,89 Euro. Ich mache mein rechtes Handgelenk frei, wo mein Bezahlarmband mit dem Chip sichtbar wird. „Kann ich das kontaktlos zahlen?“, frage ich die Verkäuferin. „Mit Ihrer Starbucks-Karte?“ – „Nein, mit meiner Kontaktloskarte hier an meinem Handgelenk.“ – „Ja, natürlich, bitte.“

In der Schlange hinter mir ziehe ich einige Blicke auf mich, aber es geht flott und unproblematisch. Das Bezahlterminal ist auf einer guten Höhe angebracht direkt vor mir, ich halte mein Armband davor – „Zahlung erfolgt“ – fertig. Noch sechs Minuten bis zur Abfahrt, weiter zum….

Frankfurt Hauptbahnhof, Zeitschriftenladen

5:50 Uhr: Ich greife mir eine Süddeutsche Zeitung und eile zur Kasse, in vier Minuten geht der Zug. Wieder so eine typische Situation: Im Zeitschriftenladen haben es viele meist eilig und kramen ihr Kleingeld hervor – eine Nervenprobe. Wie oft habe ich hier schon Menschen aus der Schlange ausscheren gesehen, ihre Zeitschriften weglegen und zum Zug eilen. Kann das kontaktlose Zahlen für Kleinbeträge wie für eine Zeitung oder Zeitschrift die Dinge vielleicht beschleunigen?

„Kann ich kontaktlos zahlen?“, frage ich den Verkäufer und zeige auf mein Armband – und der ist gleich im Bilde. „Ah, mit einem Wearable!“, erkennt er die Lage – „Kein Problem, halten Sie mal davor!“  Gesagt, getan. Und es passiert: nichts. „Nochmal!“ sagt der Verkäufer. Und übernimmt die Rolle des menschlichen Fehlermelders. „Es muss piepen! Es hat noch nicht gepiept.“

Ja, richtig. Es piept nichts. „Nochmal! Davorhalten! Flach davorhalten!“, feuert mich der Verkäufer motivierend an. Er hat, so viel ist mir klar, großes Interesse, dass mehr Menschen kontaktlos zahlen. „Es muss piepen! Es muss piepen!“, ruft er.

Aber nichts piept. Statt über Bargeldfans, die mit dem Zeigefinger in Kleingeldsammlungen rühren, murrt die Schlange hinter mir nun mit Hin- und Herspringen und genervtem Ausatmen über den Wichtigtuer mit seinem Bezahlarmband, der, eine Zeitung in der rechten und einen Becher Kaffee in der linken Hand, eine Laptoptasche über der Schulter und in Eile, verschiedene Körperhaltungen und Armgelenkwinkel einnimmt, damit es „piept“.

Es piept aber nicht. Also Abbruch, alternative Bezahlung – und ab in den Zug. Im Vorbeigehen noch ein rascher Test am Verkaufsstand für Snacks vor dem Gleis: „Kann man hier kontaktlos zahlen?“ Der Verkäufer erkennt offenbar, dass er sich mit einem simplen „Nein“ Arbeit erspart, denn ich bin in Eile – daher: „Nee, leider nicht“, obwohl ich nicht sicher bin, ob das stimmt. Aber ich glaube seiner Aussage. Also ab in den Zug.