DigitalisierungWie sich Künstliche Intelligenz auf die Geldanlage auswirkt

Symbolbild Smart Money
Künstliche Intelligenz wird in der Finanzindustrie zukünftig vermutlich eine größere Rolle spielen.Simon Landrein

Der Ort, an dem Hendrik Leber von der Zukunft erzählt, ist voller Erinnerungen an die Vergangenheit. In der kleinen Bibliothek des Frankfurter Vermögensverwalters stehen die Klassiker, säuberlich aufgereiht: Peter Lynch, Benjamin Graham und, stapelweise, die Aktionärsbriefe Warren Buffetts.

An den Vordenkern der sogenannten Value-Strategie hat Leber jahrelang die Investmentphilosophie seines 1994 gegründeten Asset-Managers Acatis ausgerichtet: „Es kommt darauf an, Firmen zu finden, die langfristig Wert schaffen“, so lautete sein Investmentmantra. Zu den Hauptversammlungen der Buffett-Holding Berkshire Hathaway reiste Leber oft persönlich an: „Ich war ein Buffett-Jünger.“

Zuletzt aber hat die Beziehung zu seinem Idol Risse bekommen. „Auf der Hauptversammlung 2017 redete Buffett vor allem über verpasste Chancen“, erzählt Leber. Dem legendären Investor waren hohe Renditen entgangen, weil Techfirmen wie Amazon oder Google nicht in sein Investmentschema passten. „Ich sagte mir: ,Junge, das passiert dir nicht‘“, so Leber. „Ich muss noch einmal neu lernen: Um was geht es eigentlich beim Investieren?“

Leber begann, seinen Anlagestil zu überdenken – mithilfe einer Technologie. Künstliche Intelligenz (KI) hilft ihm nun bei der Suche nach vielversprechenden Aktien und dem Zusammenstellen aussichtsreicher Portfolios. Selbstlernende Algorithmen analysieren dafür in Sekundenschnelle enorme Datenmengen und stoßen im Idealfall auf bislang unerkannte Muster. Drei Acatis-Fonds nutzen bereits KI – damit ist die Firma ein Vorreiter. „Das ist meine neue Welt“, sagt Leber.

Wenige sind so weit wie Acatis, doch allein ist Lebers Asset-Manager nicht. Das KI-Fieber hat die gesamte Finanzwelt erfasst. In einer Branche, die ein Faible für einfache Antworten hat, verfängt die neue Technologie mit zwei kernigen Versprechen: Mit KI lässt sich viel Geld sparen – und viel mehr Geld verdienen. Die Unternehmensberatung BCG schätzt, dass allein die zehn größten Banken mit KI ihre Erträge um 120 bis 180 Mrd. Dollar steigern und zugleich die Kosten um 90 bis 130 Mrd. Dollar senken könnten.

Siegeszug der Bots

Vom großflächigen Einsatz selbstlernender Algorithmen ist die Branche zwar noch weit entfernt. „Aber KI ist ohne Frage ein sehr heißes Thema“, sagt Peter Roßbach von der Frankfurt School of Finance. „Die Banken nehmen das sehr ernst.“ Die intelligenten Maschinen können teure Verwaltungsprozesse automatisieren, schwierige Kreditentscheidungen übernehmen oder renditeträchtige Investments finden. Das Potenzial liegt auf der Hand: Beim zweitgrößten US-Institut Bank of America verwenden Sales-Mitarbeiter laut Insidern ein Drittel ihrer Zeit auf das Planen von Terminen.

Iris und Debbie zeigen schon heute ganz konkret, was möglich ist. Beide arbeiten für das Global Transaction Banking der Deutschen Bank, und beide sind keine menschlichen Mitarbeiter, sondern Bots, gesteuert durch KI. Der Unternehmensbereich, in dem das Geschäft mit Zahlungsabwicklung, Handelsfinanzierung oder Wertpapierverwahrung betrieben wird, ist notorisch verwaltungsintensiv – und damit ein idealer Einsatzort für KI.

Iris tut ihren Dienst seit einem Jahr im Cash-Operations-Team und hilft während dieser Pilotphase bei der Zahlungsabwicklung für deutsche Großunternehmen. Sie kann auf E-Mails antworten, Anwendungen Befehle geben oder ­selbstständig Suchabfragen starten.