Höhle der LöwenKarl-Heinz Bilz - der Erfinder hinter der Abfluss-Fee

Die Abflussfee bescherte Karl-Heinz Bilz den Durchbruch
Die Abflussfee bescherte Karl-Heinz Bilz den DurchbruchKatrin Binner

Wozu in die Ferne schweifen?

Karl-Heinz Bilz ist Sanitär- und Heizungsmeister – aus einem einfachen Grund: Als Jugendlicher hatte er keine Lust, auf dem Weg zur Lehrstelle jeden Tag halb Frankfurt zu durchqueren. Also bewarb er sich beim Nachbarn: einem Heizungsbauer. Klingt trivial, trägt aber die erste Lektion in sich: Menschen suchen naheliegende Lösungen für die Lästigkeiten des Alltags. Diese Erkenntnis ins eigene Verhalten aufzunehmen kann einem Erfinder nur helfen. Bilz beschreibt seine Motivation so: Er löse Probleme, weil er sich nicht rumärgern wolle.

Das hessische Städtchen Nidderau im Juli, ein mit Wein zugewuchertes Einfamilienhaus. Hinter der Eingangstür rechts liegt Bilz’ Büro. Überquellende Aktenschränke, Urkunden, Hundefotos, eine Abflussfee in Gold, gerahmte Zeitungsartikel: „Meister Bilz bändigt die Löwen“, „Ein super Deal“. Was aussieht wie eine sprichwörtliche Erfindergarage, ist auch eine: Bevor er umbaute, stand hier sein Auto. „Ich könnte mir inzwischen ein großes Büro leisten, Showroom, Innenstadtlage“, babbelt Bilz in freundlichem Hessisch. „Aber hier kann ich mit Hausschlappen reingehen, wenn mir nachts eine Idee kommt.“

Lass die Idee zu dir kommen

An Bilz, 62, ist alles groß: seine Armbanduhr, die ihm Ralf Dümmel geschenkt hat, sein Bauch, seine Vorstellungskraft. „Manchmal kann ich monatelang nichts erfinden“, sagt er. „Aber es gibt auch Wochen, da kribbelt es in mir. Ein unruhiges Gefühl. Ich spüre, dass bald etwas passiert.“ Da ahnt man etwas von der Magie, die die Geburt einer Idee umgibt.

Oft fängt es damit an, dass ihm etwas zu umständlich vorkommt. Als Geselle störte ihn die gängige Methode, Heizkörper zu montieren. Also entwickelte er dafür eine neuartige Schablone. Später kam er auf eine Innovation, die ihm sein kleines Laster vereinfachen sollte, das Lottospielen. Bilz springt auf und ruft in den Hausflur: „Frau Bilz! Wo bist’n du?“ Als er zurückkommt, hat er ihre Lotto-Scheckkarte in der Hand: Auf dem Chip sind die persönlichen Daten gespeichert. So muss er an der Annahmestelle nur die Karte in das Lesegerät stecken, anstatt stets aufs Neue einen Lottoschein per Hand auszufüllen. Denn das sei ja sehr zeitaufwendig.

Seinen berühmtesten Einfall verdankt Bilz seiner Frau. Die störte sich an müffelnden Abflüssen, in denen sich Haare und Seife verklumpten. „Sie hat mit mir gemeckert: ,Lass dir doch mal was einfallen!‘“ Wenn jemand ihm so eine Aufgabe stelle, brauche er 48 Stunden für einen ersten Entwurf. Bis zur Perfektion dauere es freilich mehrere Monate.

Aus dem Wust auf dem Schreibtisch kramt Bilz Konstruktionszeichnungen hervor. Sie zeigen Versionen der Abflussfee, die bald auf den US-Markt kommen soll. Eine davon ist gerastert, eine sieht aus wie eine Ziehharmonika, eine hat einen Drehverschluss. „Ich will meine eigene Idee zerstören“, sagt er, „indem ich sie immer weiter verbessere.“