ReportageJapans Grauzone

Hideji Kudo sieht nicht gerade aus wie ein Modedesigner: 62 Jahre alt, Verkäuferschürze um die schmale Hüfte, runde Brille auf der Nase. Zwischen dicht gereihten Kleiderständern steht er in seinem Geschäft in Tokio, wo sich ältere Herrschaften mit weiten Blusen, Strickjacken und Socken mit Rutschprofil eindecken. Kein Stoff für den Catwalk. Und dennoch schuf Kudo hier unlängst ein Modephänomen: knallrote Unterhosen aus Wolle.

Durch Befragungen hatte er herausgefunden, dass seine gealterte Kundschaft exakt solche Wäsche suchte: „Durch die Farbe und den natürlichen Stoff wärmt sie laut östlicher Medizin besonders gut. Sie soll auch die körperliche Energie schützen.“ Erst war Kudo skeptisch. „Aber als wir so ein Produkt in Auftrag gegeben hatten, rissen die Kunden es uns aus den Händen.“ Zeitungen und sogar Fernsehsender berichteten. Heute ist Kudo ein wohlhabender Mann. Er verdankt es Japans wichtigster Konsumentengruppe: den Alten.