Interview„Italien wird eine kaum mehr tragfähige Schuldenquote erreichen“

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Was muss die Politik, auch die Zentralbank tun, um dies zu verhindern?

Die Regierungen und Notenbanken machen aktuell vieles richtig. Es gilt, die Realwirtschaft zu stützen und eine große Depression bzw. eine Vielzahl von Unternehmensinsolvenzen zu verhindern. Der nächste Schritt muss allerdings eine effektive und nachhaltige Lösung für die Länder sein, deren Schuldenztragfähigkeit nicht mehr gesichert ist. Dieses Problem wurde infolge der Finanzkrise nur teilweise angegangen – durch die Installation des ESM-Rettungsschirms. Das Aufkaufprogramm der EZB reduziert zwar die effektive Zinslast der Euro-Länder; es ist jedoch formal nicht Aufgabe der Notenbank, die Schuldentragfähigkeit von Euro-Staaten zu sichern. Als größter Gläubiger wird sie aber sicherlich eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um eine effektive Entlastung geht. Und diese ist bei den zu erwarteten Schuldenquoten – insbesondere bei Italien – unausweichlich.

Schuldenbremsen gehören damit der Vergangenheit an?

Dies muss nicht unbedingt bedeuten, die gemeinsame Linie in der Haushaltsdisziplin auf lange Sicht aufzugeben. Diese sollte allerdings erst dann wieder Priorität besitzen, wenn die Schuldenquoten auf ein Niveau reduziert wurden, bei dem betroffene Staaten wieder handlungsfähig sind. Die Schuldenquoten vieler Länder werden nach der Krise einen „Reset“ brauchen – darum wird Europa nicht herumkommen, wenn wir eine nachhaltige Schuldenkrise verhindern wollen. Hierzu ist eine europäische Lösung erforderlich und nicht nur eine sich aufblähende Notenbankbilanz. Corona-Bonds oder gemeinsame Euro-Anleihen sind mögliche Elemente, aber auch ein europäischer Krisenfonds ebenso wie eine deutliche Laufzeitverlängerung der von der EZB gehaltenen Staatsanleihen.

Droht uns mittelfristig auch Inflation?

Da es sich infolge des „Shutdowns“ auch um einen Angebotsschock handelt, ist durchaus von kurzfristigem Inflationsdruck auszugehen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Nachfrage durch fiskalische Maßnahmen gestützt wird. Aktuell ist jedoch ein deutlicher Einbruch des Konsumentenvertrauens zu erkennen, was die Nachfrage eher schwächt. Dies zeigt sich auch bei den Rohstoffpreisen, die aktuell für eine eher geringe Inflationsentwicklung sorgen.

Und was passiert, wenn der Ausnahmezustand länger dauert?

Sollte der Shutdown“ länger andauern, ist mit einem Aufholeffekt der Nachfrage zu rechnen, was mittelfristig für Inflationsdruck sorgen könnte. Entscheidend wird hierbei sein, wie schnell die Produktion wieder hochgefahren werden kann. Sollten globale Produktionsketten noch auf Sicht unterbrochen sein, ist mit selektiven Inflationsimpulsen zu rechnen. Doch auch diese sollten sich nur bei einer anhaltend robusten Nachfrage als nachhaltig erweisen. Die letzten Jahre waren allerdings eher dadurch gekennzeichnet, dass die effektive Nachfrage der inländischen sowie globalen Wirtschaft nicht ausreichend war, um eine stärkere Inflationsrate zu erzeugen.

Was kann, was muss die Zentralbank in dieser Hinsicht tun?

Aktuell wird immer häufiger Helikoptergeld als weiteres Instrument zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ins Spiel gebracht. Der Einsatz von Helikoptergeld könnte im aktuellen Stadium durchaus für Inflation sorgen. Denn die Geldmenge in der Realwirtschaft würde sofort steigen und zu einem gewollten effektiven Nachfrageanstieg führen, der jedoch aufgrund des Angebotsschocks nicht zufriedenstellend bedient werden könnte. Helikoptergeld macht deshalb nur bei einer wieder anlaufenden Produktion Sinn. Insgesamt kann ein kurzfristiger Preisdruck nicht ausgeschlossen werden. Inflation, also ein anhaltender Preisanstieg ist jedoch bei einer relativ kurzen Unterbrechung der Produktion infolge des Coronavirus nicht zu erwarten.

 


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