IT-SicherheitIsraels Cyber-Cluster

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Die Hightech-Armee

Die exzellente Ausstattung und technologische Ausbildung der IDF gelten als die wichtigsten Faktoren für die Stärke und Innovationskraft israelischer Tech-Firmen. „Israels geheime Cybermaschine“ nannte das US-Magazin „Forbes“ eine elitäre Aufklärungseinheit der IDF, die besonders viele Start-up-Gründer hervorbringt. „Die Armee hat Cyber in den 90er-Jahren als eine eigene Kampfdomäne definiert, wie Wasser und Luft, und begonnen, Expertise aufzubauen“, erklärt Haya Shulman, Co-Leiterin des Fraunhofer Projekt- zentrums für Cybersecurity an der Hebräischen Universität von Jerusalem. „Alle Israelis gehen zur Armee, viele von ihnen werden in Cybersecurity ausgebildet. Dieses Training unterscheidet sich von dem, was Universitäten tun, weil es sehr praktisch und spezifisch ist.“

Technische Überlegenheit gehört zu den Prinzipien der israelischen Sicherheitsstrategie. Schon die frühen Zionisten verstanden, dass sie „massiv in Humankapital über Bildung, Wissenschaft und Technik investieren“ müssten, um in einem kleinen, ressourcenarmen Land zu überleben, schreiben die israelischen Sicherheitsexperten Lior Tabansky und Isaac Ben Israel in ihrem Buch „Cybersecurity in Israel“.

Um den militärischen Nachteil des schmalen Landstrichs auszugleichen, gaben sämtliche Regierungen seit der Staatsgründung 1948 etwa der Aufklärung durch Geheimdienste hohe Priorität und trieben die Forschung voran. Die aktuelle Regierung macht da keine Ausnahme: Premierminister Benjamin Netanjahu hat es zur Chefsache erklärt, Israel zu einem weltweit führenden Standort für Cybersicherheit zu machen, militärisch wie zivil. Auf der Cyber Week, einer Branchenmesse in Tel Aviv im Juni, warnte er persönlich vor der künftigen Bedrohung durch Cyber-Angriffe. „Das ist ein großer Test unserer Zivilisation“, rief er den versammelten IT-Experten, Unternehmen und Investoren zu. „Für Cybersecurity hätten Sie an keinen besseren Ort kommen können.“

Auf einen Unsicherheitsfaktor haben jedoch auch israelische Experten noch keine Antwort gefunden: den Menschen. Im Juli wurde bekannt, dass es der islamistischen Hamas gelungen war, auf Handys israelischer Soldaten zuzugreifen. Dazu hatten die Islamisten zwei Apps entwickelt, die sie in den Google-Store stellten und mithilfe von Fake-Accounts über soziale Medien bewarben. Eine App lieferte Updates zur Fußball-WM, die zweite war eine Dating-App.

Hunderte israelische Soldaten luden sie herunter, einige von ihnen waren an der Nähe zum Gazastreifen stationiert. Über die Apps konnte die Hamas offenbar die Handys der Sol- daten manipulieren und Ton- und Bildaufnahmen von Militärbasen machen. Zwar wurde der Angriff entdeckt, und die Armee erklärte, dass kein sicherheitsrelevanter Schaden entstanden sei. Doch der Vorfall war eine Erinnerung: Die ausgefeiltesten Pläne, die höchsten Investitionen, die beste Strategie helfen nicht gegen menschliche Schwäche. Erst recht nicht, wenn es um Liebe und Fußball geht.