IT-SicherheitIsraels Cyber-Cluster

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Ein Park für 1. Mrd. Dollar

Es gibt einen Ort, an dem sich dieses Zusammenwirken aus der Nähe besichtigen lässt: Be’er Sheva, die größte Stadt der Wüste Negev im Süden des Landes. Vor wenigen Jahren noch galt Be’er Sheva als reizlose Arbeiterstadt, fad, arm und staubig. Doch ausgerechnet hier soll, mit den Worten des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, einer „der wichtigsten Orte für Cybersicherheit in der westlichen Hemisphäre“ entstehen.

Herz des ehrgeizigen Vorhabens ist der Gav-Yam Negev Advanced Technologies Park, für dessen Errichtung die örtliche Ben-Gurion University, die Stadt und zwei Bauunternehmen in öffentlich-privater Partnerschaft kooperieren. Für rund 1 Mrd. Dollar sollen hier in den kommenden Jahren 20 Gebäude aus dem harten Wüstenboden wachsen, finanziert und hochgezogen von der israelischen Baufirma Gav-Yam und dem US-japanischen Konsortium KUD International. Zwei der Gebäude stehen bereits, große, verglaste Türme, an deren Fassaden bekannte Logos prangen: Oracle, Deutsche Telekom, Lockheed Martin.

Die Brücke in den Park ist einer Doppelhelix nachempfunden
Die Brücke in den Park ist einer Doppelhelix nachempfunden (Foto: Jonas Opperskalski)

Die Regierung unterstützt das Vorhaben, indem sie Hightech-Firmen mit finanziellen Anreizen in den Park lockt. 70 Firmen haben sich hier schon niedergelassen, lokale Start-ups und globale IT-Multis. Eine weiße Brücke in Form einer Doppelhelix, kürzlich mit einem internationalen Designpreis ausgezeichnet, verbindet den Tech-Park mit dem Bahnhof und dem Campus der Universität. In einigen Jahren soll in nächster Nähe ein zweiter Campus entstehen: Die Armee, die Israel Defense Forces (IDF), wird ihre technologischen Einheiten nach Be’er Sheva verlegen und hier mehrere Tausend Soldaten in Cyberabwehr ausbilden.

„Während ihres Wehrdienstes können die Soldaten schon in Kontakt mit hier ansässigen IT-Firmen kommen“, sagt Roy Zwebner, der 38-jährige CEO des Hightech-Parks. „Werden sie aus der Armee entlassen, müssen sie nur über die Straße gehen und können entweder stu- dieren, in der Industrie arbeiten oder ihr eigenes Start-up gründen.“ Zwebner sitzt in einem Konferenzraum des Gebäudes Nummer 1. Aus dem Fenster im vierten Stock fällt der Blick auf die braune Brache, auf der in den kommenden Jahren ein einzigartiges Ökosystem entstehen soll. Geplant sind, neben den Bürotürmen, ein Konferenzzentrum, Hotels und eine Kindertagesstätte, alles auf engem Raum: Die IT-Experten, die Zwebner anlocken will, sollen es so bequem wie möglich haben. „Vor zehn Jahren gab es hier nur Fabriken“, sagt er. „Heute dreht sich alles um Hightech.“

Die Telekom an der Uni

Regierungsunterstützung gibt es auf nationaler Ebene genauso wie auf lokaler, in Worten, Taten, finanziell. So hat der Staat das Nationale Cyberzentrum in den Park verlegt, das für die Sicherheit der zivilen Infrastruktur des Landes zuständig ist. Und er lockt mit saftigen Steuererleichterungen und Subventionen. „Ein Unternehmen, das in irgendeiner Form mit Cybersecurity zu tun hat, kann von der Regierung 25 bis 30 Prozent seiner Lohnausgaben erstattet bekommen“, sagt Zwebner, „allein dafür, dass es sich hier ansiedelt.“

Es gebe weltweit kein Vorbild für eine derartige Clusterbildung, im Gegenteil: Staats- und Firmenchefs aus aller Welt würden nach Be’er Sheva pilgern, um sich Anregungen zu holen, sagt Zwebner. Er winkt seiner Assistentin zu: „Elina, wer war zuletzt Interessantes da?“ Die junge Frau reicht ihm eine Liste herein, er wirft einen flüchtigen Blick darauf: „Letzte Woche hatten wir den Bürgermeister von Schanghai, davor den bulgarischen Präsidenten und den Bürgermeister von Houston.“