Dax-KonzerneInvestoren übernehmen die Deutschland AG

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Mehr Diversität

Sadan wünscht sich auch mehr unabhängige Aktionärsvertreter in deutschen Gremien sowie „mehr Vielfalt“ hinsichtlich „Fähigkeiten, Nationalität, ethnische Herkunft und Geschlecht“. Mangelnde Diversität bleibt in den deutschen Vorstandsetagen ein großes Problem, trotz einer gesetzlich vorgeschriebenen 30-prozentigen Frauenquote. Laut einer Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung aus dem Jahr 2018 haben 23 der 160 Unternehmen der Indizes Dax 30, MDax und SDax für Small und Medium-Cap-Unternehmen überhaupt keine weiblichen Chef.

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Einige Unternehmen müssen sich Kritik anhören, weil sie in ihren Gremien keine Experten für die digitale Transformation haben, und das in einer Zeit, in der deutsche Unternehmen mit Hochdruck daran arbeiten, ihre Verfahren und Prozesse zu digitalisieren.

Einige stechen in dieser Hinsicht jedoch hervor. Siemens wurde im Februar dafür gelobt, dass mit Jim Hagemann Snabe, ein Däne und früheres SAP-Aufsichtsratsmitglied, zum neuen Chefkontrolleur ernannt wurde. Er löst Gerhard Cromme ab, ein Industriekapitän, der lange Zeit Vorstandschef und später Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssenkrupp war. Einen ähnlichen Schritt hat der Chemiekonzern BASF im vergangenen Jahr unternommen und mit Alex Karp, den Leiter von Palantir Technologies, einem Start-up für Datenanalyse, in den Aufsichtsrat gewählt.

Kampf um mehr Einfluss

Sie bleiben jedoch Ausnahmen. Deutsche Sitzungssäle seien auffallend uninternational und damit zu sehr nach innen gerichtet, meinen Kritiker. Mathieu Meyer, Audit Managing Partner für Deutschland bei EY, sagt, dass 71 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder deutscher Unternehmen – und 64 Prozent der Vorstandsmitglieder – Deutsche sind. Und das, „obwohl diese Unternehmen den größten Teil ihres Geldes im Ausland verdienen und mehr als die Hälfte der in Dax-Unternehmen investierten Mittel aus dem Ausland kommt“, sagt er.

Das hat die Wahrnehmung geschürt, dass die Deutschland AG nach wie vor ein geschlossener Shop für Insider ist. „Manager, Vorstände, Aktionäre und Aufsichtsbehörden sind zu eng eingebunden, als dass eine sinnvolle Governance stattfinden könnte“, sagt Garen Markarian von der WHU Otto Beisheim School of Management. „Es ist ein kleiner privater Club mit vielen Hinterzimmern.“

Dennoch wollen Aktionäre, ihren Kampf um mehr Einfluss nicht aufgeben. Einige fordern zum Beispiel das Recht auf Mitbestimmung bei großen Fusionen und Übernahmen. „Wenn ein Unternehmen eine Transformationstransaktion durchführt, sollten die Aktionäre um ihre Zustimmung gebeten werden“, sagt Berger, insbesondere „bei Deals, die das Geschäftsmodell erheblich ändern“.

Kritiker von Bayers Monsanto-Übernahme sind der Meinung, dass das Unternehmen womöglich nicht in dem Schlamassel stecken würde, in dem es sich jetzt befindet, wenn es eine solche Regel 2016 gegeben hätte. Stattdessen musste das Unternehmen „eine Wertvernichtung in historischem Ausmaß“ hinnehmen, wie Ingo Speich in seiner Rede vor der Bayer-Hauptversammlung sagte. Und der fügte hinzu: „Das Management hat eine kerngesunde Bayer mit dem Monsanto-Virus infiziert, doktert nun herum, hat aber auch kein heilendes Medikament zur Verfügung.“

Copyright The Financial Times Ltd. 2019