Dax-KonzerneInvestoren übernehmen die Deutschland AG

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Unangenehme Fragen an die Deutsche Bank

„Die gemütlichen Jahre sind vorbei, und der kalte Wind an den Kapitalmärkten weht jetzt deutschen Unternehmen ins Gesicht“, sagt Rocholl. Dennoch glauben einige Kritiker, dass es noch Verbesserungspotenzial gibt. „Viele Vorstandsmitglieder deutscher Unternehmen gehören noch zur alten Schule, zu Unternehmenstitanen, die nicht oder nur sehr begrenzt offen für die Interessen der Aktionäre sind“, sagt Thomas Schweppe, ein ehemaliger Goldman Sachs-Banker, der heute die Investorenberatung 7 Square betreibt.

Christian Sewing (r), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner stehen zu Beginn der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle zusammen
Christian Sewing (r), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle 2018

Diese Bosse stehen jedoch zunehmend unter Beobachtung. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank wird Aufsichtsratschef Paul Achleitner wahrscheinlich mit Fragen von Investoren über seine Rolle bei den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Commerzbank konfrontiert. Achleitner gilt als einer der treibende Kräfte hinter den Gesprächen. Das Management wird die anhaltenden Verluste und sinkenden Erträge bei der Investmentbank der Deutschen Bank erklären müssen. Die einflussreichen Aktionärsberater Glass Lewis haben den Investoren empfohlen, auf der Hauptversammlung gegen die Entlastung des Vorstands der Deutschen Bank zu stimmen und dies mit dem „erheblichen Verlust des Shareholder Value“ zu begründen.

Auch der Autobauer Daimler wird sich wohl Kritik anhören müssen. Einige Investoren sind unzufrieden, dass das Unternehmen den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche im Jahr 2021 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats berufen will.

Christian Strenger, Gründungsmitglied der deutschen Corporate Governance Kommission, sagt, dass die Aktionäre Anfang 2021 entscheiden sollten, ob Zetsche der richtige Mann für den Job ist. Sie wären dann seine langfristigen Leistungen besser beurteilen können. „[Der derzeitige Vorsitzende Manfred] Bischoff sollte jetzt nicht darüber entscheiden, ob Zetsche dann der richtige Aufsichtsratsvorsitzende ist“, sagt er. „Das ist keine gute Governance.“

Investoren fordern unabhängige Kontrolleure

Sacha Sadan, Director of Corporate Governance bei Legal & General Investment Management mit Sitz in Großbritannien, fordert eine fünfjährige Abkühlungsphase für Führungskräfte, bevor sie in den Aufsichtsrat wechseln. „Wir können zwar verstehen, dass Unternehmen Vorteile bei der Wahl eines ehemaligen Vorstandsmitglieds sehen, aber wir stellen auch fest, dass es einen inhärenten Konflikt gibt“, sagt er.

Unterdessen werden die Wirecard-Aktionäre, aufgeschreckt durch den Bilanzskandal, mehr darüber erfahren wollen, wie das Unternehmen nach der Ankündigung neuer Compliance-Maßnahmen im April seine Prozesse verbessern will. Das Unternehmen solle mehr Fachleute in den Vorstand beruft, insbesondere Experten für Compliance und Technologie, fordert Strenger. Markus Braun, Vorstandsvorsitzender und größter Aktionär in einer Person, „braucht ein stärkeres Gegengewicht, mit Experten für Zahlungsverkehr und Wirtschaftsprüfung“, sagt er.

In der Frage der Zusammensetzung des Wirecard-Vorstands spiegelt sich ein breiteres Anliegen wider. „Es gibt eine Reihe von Unternehmen in Deutschland, bei denen die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats gestärkt werden muss“, sagt Christoph Berger, Leiter Deutsche Aktien bei Allianz Global Investors. „Wir glauben, dass ein Drittel der Vorstandsmitglieder unabhängig sein sollte, im Aufsichtsrat sollten es 50 Prozent sein.“

Seine Definition von „unabhängig“ ist streng. Ein Vorstandsmitglied erfüllt die Kriterien nicht, wenn es seit mehr als zwölf Jahren Mitglied des Vorstands ist, von einem Mehrheitsaktionär nominiert wurde oder zuvor in derselben Gesellschaft als leitender Angestellter tätig war – es sei denn, es hat eine fünfjährige Abkühlungsphase eingehalten. Viele nominell „unabhängige“ Aufsichtsräte in Deutschland würden diese Bedingungen nicht erfüllen.