FinanzevolutionImmobilien - Proptechs in den Kinderschuhen

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Crowdfunding – kein Massenmarkt

Und natürlich spielt das Crowdfunding von Immobilien im Proptech-Segment eine wichtige Rolle. Hier beschaffen sich Unternehmen über auf Crowdinvesting spezialisierte Internetplattformen eigenkapitalnahe Mittel von einer größeren Gruppe von Menschen (der Crowd). Dabei halten die Investoren nur in den wenigsten Fällen eine Kapitalbeteiligung im gesellschaftsrechtlichen Sinne. Hier sind zum Teil echte Beteiligungen (z.T. über zwischengeschaltete Zweckgesellschaften) oder nachrangige beziehungsweise hybride Finanzierungsformen (Mezzanine) zu finden, die im Insolvenzfall hinter den Forderungen der Fremdkapitalgläubiger zurücktreten (siehe ausführlich „Crowdsourcing und meine Definition des Crowdfundings“).

Im Crowdinvest-Erfolgsmonitor des Fachmagazins „Crowdfunding“ werden für den Zeitraum 2011 bis August 2016 über alle Plattformen für das Investment-Segment Immobilien 49 Investment-Runden über insgesamt 46,9 Mio. Euro zusammengerechnet. Zum Stichtag am 30. September 2016, so hat der Dienstleister iFunded  t, waren es 25,4 Mio. Euro. Damit seien zu diesem Zeitpunkt bereits 7 Mio. Euro beziehungsweise 38 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2015 investiert worden. Michael Stephan, Gründer und Geschäftsführer der Crowdinvesting-Plattform iFunded.de, hält Immobilien-Crowdfunding für so beliebt, weil es die Hürden für Anleger senkt und Immobilieninvestments einer breiten Bevölkerung eröffnet. Allerdings kann selbst bei einem Volumen von 100 Mio. Euro nicht von Beliebtheit oder gar Breitenwirkung gesprochen werden. Allein im dritten Quartal 2016 stieg laut Monatsbericht der Bundesbank das Volumen der Kredite für den Wohnungsbau um 16,5 Mrd. Euro.

Bisher soll es laut Crowdinvest-Erfolgsmonitor keine Ausfälle gegeben und die durchschnittliche Rendite soll 5,9 Prozent pro Jahr betragen haben. Anleger investieren hier aber in der Regel in unbesicherte Nachrangdarlehen (subordinated loans). Diese werden im Krisenfall erst dann bedient, wenn bevorrechtigte Gläubiger komplett ihr Geld erhalten haben. Im Gegenzug ist die Verzinsung für solche Darlehen höher als für besicherte Darlehen.

Evolution mit unbekanntem Ausgang

Digitale Leistungen sollen laut Nikolai Roth, Geschäftsführer von Maklaro, in der Immobilienbranche kaum vorhanden sein. Er schreibt in seinem Blog: „Außerdem haben Immobilienmakler in Deutschland einen schlechten Ruf und sind unbeliebt. Sie gelten gemeinhin als ineffizient, intransparent und überbezahlt.“ Er sieht aber auch, dass die etablierten Player nicht über Nacht irrelevant werden. Dafür sei die Immobilienbranche zu konservativ. Sie werde sich nur allmählich und in kleinen Schritten verändern.

Mein Streifzug durch die Proptech-Welt in der Nachbarschaft von Fintech offenbart, dass die Diskussionsstränge in der Immobilienwirtschaft denen der Finanzwirtschaft ähneln. Auch hier befürchten manche, dass der technologische Wandel verschlafen wird. Andere glauben, dass ihr Geschäft durch die innovativen Player zusätzlich beflügelt wird. Der Zentrale Immobilien-Ausschuss selbst plädiert für ein Miteinander-statt-Gegeneinander. Die Daten zeigen aber, dass von einer Revolution nicht die Rede sein kann, auch hier sehen wir, wie für den Finanzsektor, eine interessante Evolution mit unbekanntem Ausgang.


Dirk Elsner (Foto: Sebastian Berger, Stuttgart)Dirk Elsner ist bei der DZ Bank Senior Manager Innovation und Digitalisierung. In dieser Kolumne äußert er seine private Meinung. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog BlickLog gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde.