Corona-Tests„Im Kampf gegen Corona sind schnelle PCR-Tests die effektivere Lösung“

Die bisher zur Verfügung stehenden Schnelltests gelten als unzuverlässigIMAGO / Future Image

Ganz Deutschland ist im Schnelltestwahn, Millionen Tests werden tagtäglich durchgeführt in Betrieben, Schulen, Kitas. Doch die Wissenschaft ist sich einig. Schnelltests, bisher angeboten als Antigen-Tests, werden uns nicht aus der Pandemie führen. Denn sie übersehen zu viele Infektiöse, im Schnitt rund 40 Prozent. Zuverlässiger sind PCR-Tests, der Goldstandard unter den Tests. Nur die mussten bisher meist aufwändig im Labor ausgewertet werden, das Ergebnis kam meist einen Tag später. Nun drängen vermehrt Hersteller auf den Markt, die schnelle mobile PCR-Tests anbieten. Das kanadisch-deutsche Unternehmen XPhyto hat seit Anfang April eine EU-Zulassung für den ultraschnellen PCR-Test Covid-ID Lab. Der COO Wolfgang Probst über die Chancen und Hürden des Verfahrens.

Für wen ist ihr PCR-Test gedacht?

Wolfgang Probst

Jede Standardapotheke hat das Material und die Ausrüstung dafür da, Pipetten, Tupfer, Zentrifugen, ein PCR-Gerät, Schutzkleidung. Auch der Hausarzt kann unseren PCR-Schnelltest in der Regel bei sich in der Praxis auswerten. Da sind keine größeren Investitionen notwendig. Die Tests müssen also nicht erst ins Großlabor geschickt und dort untersucht werden, ein längeres Warten entfällt. Mit unserem Diagnostikverfahren haben sie ein zuverlässiges Ergebnis in 25 Minuten. Unsere Tests finden Corona-Infizierte, bevor das ein Antigen-Test kann, der ja erst anspringt, wenn eine höhere Virenlast erreicht ist. Die Folge ist, dass etliche Erkrankte einen negativen Test haben, sich in Sicherheit wiegen, einkaufen gehen und dabei den Virus verbreiten. Hinzu kommt, dass Laien bei diesen Selbsttests häufiger Fehler machen und die Ergebnisse dann falsch sind. Im Kampf gegen Corona sind schnelle PCR-Tests die effektivere Lösung. Bei diesen Tests wird das Erbmaterial der Viren im Labor so stark vervielfältigt, dass SARS-CoV-2 auch schon bei nur geringen Mengen nachgewiesen werden kann.

Wäre ihr Test etwas für den Einsatz in Schulen?

Auf jeden Fall. Denkbar ist, dass wir Busse mit mobilen Kleinlaboren ausstatten. Die könnten dann Station machen vor Schulen, Behörden oder großen Industriebetrieben und vor Ort Tests als Massenscreening anbieten. Wir haben bereits reichlich Anfragen. Wir sehen einen riesigen Markt für den Einsatz dieser mobilen PCR-Systeme.

Ihr Test ist seit April zugelassen, wann starten Sie den Einsatz?

Voraussichtlich beginnt im Mai der Verkauf in Deutschland. Wir haben jetzt den Pharmagroßhändler Max Pharma als Vertriebspartner verpflichtet. Außerdem werten wir vorher einen Pilotversuch aus, den wir jetzt gemeinsam mit einer Apotheke bei Frankfurt realisieren. Wir bauen derzeit bereits europaweit ein Vertriebsnetz aus.

Hürden gibt es also keine mehr?

Im Moment ist noch nicht klar mit wem und wie wir abrechnen können. Bei den Schnelltests haben die Apotheken es ja erreicht, erstmalig direkt mit den Kassen abzurechnen. Das wäre auch für uns hilfreich. Bisher ist das für uns noch nicht möglich. Wir hoffen sehr, dass hier keine komplizierte Bürokratie entsteht.

Kann ich so einen Test auch als Privatkunde kaufen und zu Hause durchführen?

Nein, das ist kein Selbsttest für zu Hause, wir verkaufen nur an Fachpersonal. Wir entwickeln derzeit aber auch noch einen RNA-Schnelltest, der sich maßgeblich von den vorhandenen Antigen-Schnelltest unterscheidet und dann auch zu Hause anwendbar sein soll. Dieser ist jedoch noch in der Entwicklung.

Wer verbirgt sich hinter dem Unternehmen XPhyto?

XPhyto ist ein deutsch-kanadisches Unternehmen, das Unternehmen aus der Biotech- und Pharma-Szene kauft und weiterentwickelt. Unser Covid-Test ist entstanden aus der Idee eine Diagnostik-Plattform zu entwickeln, die es möglich macht, grundsätzlich Infektionskrankheiten in kurzer Zeit zu identifizieren. So gehört beispielsweise die Firma Vektor Pharma dazu. Diese entwickelt unter anderem sublinguale Verfahren: Hierbei können mit Hilfe eines dünnen Films, der unter die Zunge gelegt wird, Krankheiten erkannt werden. Daneben entwickeln wir über Kooperationen mit Universitäten in Deutschland und Kanada medizinische Cannabisprodukte gegen Nervenleiden wie Parkinson oder Epilepsie. Vier klinische Studien wollen wir 2021 beginnen.

Welche Marktchancen sehen Sie für Ihren PCR-Test?

Die Pandemie wird uns voraussichtlich noch länger begleiten. Deshalb wird Testen ein wichtiges Instrument bleiben. Der Markt ist riesig, nach Schätzungen von Allied Market Research dürfte er bis 2023 jährlich um knapp 9 Prozent wachsen und auf 39, 1 Mrd. Dollar  anschwellen.

Was kostet denn ihr Test überhaupt?

Den Preis werden wir mit Markteinführung bekannt geben. Wir bewegen uns da im Rahmen der Konkurrenz, derzeit um die 50 Euro. Aber der Markt dreht sich wahnsinnig schnell.

Wie schnell können Sie liefern?

Wir können in sehr kurzer Zeit unsere Kapazitäten aufstocken. Wir produzieren an mehreren Standorten in Deutschland, Lieferengpässe bei den Rohstoffen sehen wir keine.

 


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