InterviewIfo-Ökonom Fuest zu Mietendeckel: „Das Problem wird nicht gelöst“

Seite: 2 von 6

Haben Sie Verständnis für Politiker, die zu immer radikaleren Instrumenten greifen wollen, um den Preisanstieg zu bremsen – bis hin zur Verstaatlichung ganzer Wohnungskonzerne oder einem Verbot von Mieterhöhungen? 

Für die Debatte habe ich schon Verständnis. Wohnen ist ein fundamentales Bedürfnis des Menschen, anders als ein Kinobesuch oder eine Pauschalreise. Deswegen ist es richtig, dass wir diskutieren, was die Politik tun kann, um Menschen zu helfen, für die Wohnkosten unbezahlbar werden.

Dann bitte: Ist es richtig, per Gesetz – Bremse oder Deckel – den Anstieg der Mieten zu stoppen? 

In Ausnahmesituationen kann es sinnvoll sein, Mieterhöhungen zu begrenzen, weil das Wohnungsangebot nur verzögert auf Mieterhöhungen reagiert. In Deutschland erreicht man dadurch aber wenig, das eigentliche Problem wird nicht gelöst.

Was ist das eigentliche Problem? 

Wir bräuchten deutlich mehr Wohnungen für Menschen, die wenig verdienen. Geringverdiener leben häufig in Großstädten, sie haben selten Eigentum, sie leben oft allein und ziehen besonders häufig um. Deswegen sind sie stärker als andere von steigenden Mieten betroffen. Hilft diesen Menschen ein Verbot von Mieterhöhungen? Im Gegenteil: für diese Leute wird es dadurch noch schwerer, eine Wohnung zu finden.

Warum? 

Wenn der Staat den Preis reguliert, wird der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage eben nicht mehr über den Preis, sondern anders funktionieren. Zum Beispiel über Korruption: Wer das Geld hat, wird „hinten rum“ versuchen, an die Wohnung zu kommen – indem er dem Makler oder dem Vermieter Geld zukommen lässt. Vermieter werden noch mehr Wert als bisher darauf legen, dass Mietinteressanten ein sicheres Einkommen haben. Es werden außerdem Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Letztlich werden nur die geschützt, die schon eine Wohnung haben. Alle anderen müssen mehr kämpfen.

Aber wie dann rauskommen aus dem Dilemma? 

Man sollte das Wohngeld in Großstädten erhöhen und mehr Bauland ausweisen. Wenn man eine soziale Mischung in den Innenstädten erhalten will, muss man den sozialen Wohnungsbau gezielt steigern. Dabei sollte man aber alte Fehler vermeiden, vor allem eine massenhafte Fehlbelegung. Regelmäßige Einkommenskontrollen für Mieter von Sozialwohnungen sind wichtig. Bessere Verkehrsanbindung des Umlands hilft ebenfalls.