FinanzevolutionICOs sind tot, es lebe der STO

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Erster STO in Deutschland

Die in einem STO-Token digital dokumentierten Rechte können im Rahmen gesetzlicher Vorgaben identisch mit den Rechten eines Inhabers einer Aktie oder Anleihe sein. Die erwünschte Professionalisierung scheint damit schrittweise einzutreten. Und obwohl dies in den nächsten Jahren sehr grundlegend das angestammte Kapitalmarktgeschäft der traditionellen Finanzhäuser verändern könnte, halten diese sich öffentlich zurück. Dabei hat die Finanzaufsicht bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass es sich bei einem Token um Wertpapiere im Sinne des § 2 Abs. 1 WpHG handeln kann. Ein Wertpapier müsse nämlich nicht auf Papier dokumentiert werden.

„Ausreichend ist, dass Transaktionen anhand der Distributed Ledger- oder Blockchain-Technologie so dokumentiert werden können, dass die in den Token verkörperten Rechte eindeutig einer Adresse (nicht zwingend einem Namen) zugeordnet werden können.”

Im Klartext, es können schon jetzt Aktien, Anleihen, Fondsanteile oder was auch immer in digitalen Tokens dokumentiert werden, wenn die rechtlichen Anforderungen erfüllt sind.

In Deutschland beschafft sich derzeit gerade die Bitbond Finance GmbH über einen von der Finanzaufsicht genehmigten Prospekt Finanzmittel über eine nachrangige Schuldverschreibung. Diese Emission gilt in Deutschland als erster regulierte Security Token auf einer Blockchain. Damit dürfte der Auftakt zu einer Reihe weiterer Emissionen gemacht werden. In Fintech-Kreisen hört man bereits, dass derzeit große Immobilientransaktionen vorbereitet werden. Weil Immobilienanteile sich schwerer übertragen lassen, bietet es sich hier an, die Immobilien in eine Zweckgesellschaft zu überführen (in der Finanzbranche Special Purpose Vehicle = SPV genannt). Genussscheine an der Zweckgesellschaft können dann wiederum über einen Token dokumentiert und damit leichter übertragen werden.

Branche wartet auf einen Rechtsrahmen

Wie so häufig entsteht auch hier die Innovation zunächst in einer Nische. Kleine und junge Technologiefirmen nutzen ihre Expertise und strukturieren diese Transaktionen. Banken werden hier wohl erst investieren, wenn Top Unternehmen wie Bayer, Daimler oder Würth die Technologie für die Refinanzierung nutzen. Etablierte Fintech-Unternehmen wie etwa das 2007 gegründete Etoro, eine Handelsplattform für verschiedene Wertpapiere, scheinen aber an die neue Entwicklung zu glauben, es kaufte kürzlich ein dänisches Start-up, dass sich auf die Tokenisierung von Assets spezialisiert hat. Start-ups wie das Hamburger Unternehmen Blockchain Solutions oder die vom Frankfurter Blockchainpapst Oliver Nägele gegründete Helix-Orange versuchen derzeit in diesem Feld neben klassischen Beratungsfirmen – wie etwa KPMG – Fuß zu fassen.

Gut möglich, dass es noch zu früh ist von einem Trend zu sprechen, weil es noch an Standardisierung und Erfahrung mangelt. Trotz erster Konkretisierungen der Bafin, wartet die Branche auf einen neuen Rechtsrahmen. Die Bundesregierung hat immerhin angekündigt, bis zum Sommer eine Blockchain-Strategie zu erarbeiten. Ein neuer Rechtsrahmen dürfte dann auch den Auftakt dazu geben, die weiteren Services zu schaffen. Diese Services müssten dann in Zukunft die gesamte Verwertungskette einer STO-basierten Finanzierung abdecken. Dazu gehören etwa auch die digitale Verwahrung und Verwaltung sowie neue Formen des Risikomanagements. Gerade institutionelle Investoren dürften es begrüßen, wenn sie es hier nicht ausschließlich mit jungen Technologieunternehmen zu tun haben.